von Andreas Milk
Ein derart mildes Urteil – das sei „fast schon unangenehm“, bekannte der Kamener Jugendrichter im Fall des Bergkameners Tom L. (19, Name geändert). Der junge Mann war am 11. Oktober und am 11. November vergangenen Jahres erwischt worden, als er auf der Lessingstraße und der Jahnstraße am Steuer eines VW saß, ohne im Besitz einer Fahrerlaubnis zu sein. In einem Fall hatte er noch ein Klappmesser dabei. Tom L. hatte früher schon ein paar Mal mit der Justiz zu tun. Und dennoch: Der Richter beließ es jetzt beim Verhängen von 35 Stunden Freizeitarbeit. Eine Führerscheinsperre gab es nicht.
Die Milde hat Gründe. Eine Mitarbeiterin der Bergkamener Jugendgerichtshilfe erklärte, sie sehe große Fortschritte bei Tom L. – er habe über sein Verhalten nachgedacht und begriffen, dass es so nicht weiter gehen könne. L. selbst sagte, er sei einfach an die falschen Leute geraten. Von denen habe er sich leiten lassen: ein Fehler. Einem von diesen falschen Leuten gehörten wohl auch der VW und das Messer.
Mitte des Jahres steht nun ein radikaler Schnitt an. L. geht nach Norddeutschland – zusammen mit seiner Mutter, die das Straucheln des Sohnes zum Anlass nimmt, ebenfalls einen Neuanfang zu wagen. Tom L., der nach der neunten Klasse von der Hauptschule abgegangen war, hat schon ein Bewerbungsgespräch mit der Bundeswehr geführt. Beim Militär will er Soldat auf Zeit sein.
Genau dieser Plan war es auch, der das Gericht zum Verzicht auf eine Führerscheinsperre bewog. Sie hätte L.s Fortkommen erschwert. Der Richter verabschiedete ihn mit dem Wunsch, L. möge nach dem Umzug keine nähere Bekanntschaft mit Gerichten im hohen Norden machen. Seine Neigung, das zu tun, was Andere sagen, könne ihm ja wenigstens beim „Bund“ von Nutzen sein.





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