Heimatflimmern: WDR-Fernsehen erinnert an das große Grubenunglück auf Grimberg 3/4 vor 75 Jahrenr

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Denkmal für die 405 Opfer des Grubenunglücks auf Grimberg 3/4.

Die Gedenkfeier zum 75. Jahrestag des folgenschwersten Grubenunglücks in der Geschichte des deutschen Steinkohlenberg am 20. Februar auf der Schachtanlage Grimberg 3/4 in Weddinghofen fand Corona-bedingt nur in einem kleinen Rahmen statt. Das WDR-Fernsehen widmet am kommenden Freitag, 11. Juni, ab 20.15 unter dem Titel „Lebendig begraben – Deutschlands schwerstes Grubenunglück“ eine Folge seiner Reihe „Heimatflimmern“.

Unterstützt wurden die Dreharbeiten vom Team des Bergkamener Stadtmuseums. Wie bereits berichtet, hat das Team um Museumsleiter Mark Schrader zum 75. Jahrestag eine Plakatausstellung ein zwei Video-Filme produziert. Mit dem Geschichtskreis Haus Aden / Grimberg 3/4 haben sie dem WDR-Team zugearbeitet. Zwei Wochen wurde in Bergkamen gedreht. Der Film, der am kommenden Sonntag um 11.40 Uhr wiederholt wird, wird später auch im Stadtmuseum zu sehen sein.

In der Programm-Vorschau des WDR heißt es:

„Es war ein Schock für die gesamte Region. Vor 75 Jahren ereignete sich in Bergkamen das schlimmste Grubenunglück, das es jemals in Deutschland gegeben hat. Das dramatische Ereignis hat sich im kollektiven Gedächtnis des gesamten Ruhrgebiets tief eingebrannt. Der Name Bergkamen steht bis heute auch für die Gefahren der Arbeit unter Tage.
Es passierte am 20. Februar 1946: Mittags um 12 Uhr erschütterte eine Schlagwetterexplosion in 900 Metern Tiefe die ganze Schachtanlage Grimberg 3/4″. Aus dem Einstieg schlug eine 300 Meter hohe Stichflamme. Dann folgte eine Kohlenstaubexplosion. 405 Bergmänner wurden getötet. Sie hinterließen Familien – fast 300 Frauen und mehr als 400 Kinder. Familien, die nicht mal ein Jahr nach Kriegsende wieder etwas optimistischer in die Zukunft blickten. Nur 64 Kumpel konnten gerettet werden.

Die Dokumentation von Wilm Huygen rekonstruiert das tragische Unglück von 1946 und zeichnet die Spuren nach, die der „Mythos Grimberg“ bis heute bei den Menschen und in der Stadt hinterlassen hat. Mithilfe von Zeitzeugen, Experten und umfangreichem Archivmaterial wird deutlich, wie es zu der Katastrophe kommen konnte.

Die Jahre nach dem schweren Schicksalsschlag wurden nicht einfacher. Es waren Zeiten der Solidarität und auch des Verdrängens. Das Unglück blieb allgegenwärtig. Häuserzeilen, in denen Angehörige wohnten, wurden „Witwenstraße“ genannt. Auch wenn viele der Waisen später auf keinen Fall unter Tage arbeiten wollten, das Ereignis hat sie nie losgelassen. Im Film erzählen einige dieser Kinder und auch die der Überlebenden, wie sie mit dem größten Wendepunkt ihres Lebens umgegangen sind und was aus ihnen wurde. Manche von ihnen sind geblieben. Jürgen Lenz arbeitete später sogar auf der gleichen Zeche wie sein Vater. Allerdings nur „über Tage“ – das musste er seiner Mutter versprechen. Andere, wie die heute 89-jährige Doris Granata, zog es weit weg ins ferne Kalifornien.

Von den ehemals neun Fördertürmen erinnert heute nur noch ein einzelner an die schwarze Vergangenheit. Kohle wird schon lange nicht mehr gefördert. Doch das Unglück vor 75 Jahren ist tief im Gedächtnis geblieben. Der Film macht die Dramatik und besondere Tragik der Katastrophe auf „Grimberg 3/4“ in einer emotionalen Erzählung greifbar. Gleichzeitig zeigt er das Ausmaß und die Tragweite dieses Ereignisses für eine ganze Stadt bis heute.“

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