Opfer der NS-Euthanasie auch in Bergkamen: Stolpersteine sollen an ermordete Kinder erinnern

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Die ersten Stolpersteine in Bergkamen verlegte Künstler Gunter Demnig im Dezember 2021: hier für Max Herrmann an seinem letzten bekannten Wohnsitz an der Werner Straße. Fotos: Bernd Schäfer privat

Der Arbeitskreis Stolpersteine möchte im nächsten Jahr eine weitere Verlegung der Gedenksteine aus dem Erinnerungsprojekt des Künstlers Gunter Demnig in Bergkamen vornehmen. Schwerpunktmäßig soll dann an Menschen erinnert werden, die Opfer der NS-Euthanasie wurden. Kranke und behinderte Menschen wurden im Nationalsozialismus als „lebensunwert“ betrachtet und systematisch in Heil- und speziellen Tötungsanstalten vernichtet.

Spuren der Euthanasie führen auch in die Nordbergstadt. Udo Nüsken und Manuel Izdebski vom Arbeitskreis haben im Landesarchivamt in Münster alte Aktenbestände gesichtet und grauenvolle Patientenakten aus den sogenannten Kinderfachabteilungen der Provinzialheilanstalten Marsberg und Aplerbeck entdeckt, die den Tod von drei behinderten Kindern aus den damaligen Altgemeinden Bergkamen und Rünthe dokumentieren. In erhaltenen Deportationslisten findet sich außerdem ein 15-jähriger Junge aus Oberaden.

An die getöteten Kinder soll künftig ein Stolperstein an ihrem letzten freiwilligen Wohnsitz erinnern. In den Heilanstalten ließ man die behinderten Kinder kontrolliert verhungern, unterließ die medizinische Behandlung im Krankheitsfall oder tötete die Kinder durch eine gezielte Medikamentenüberdosierung. Opfer der Euthanasie wurden auch erwachsene Personen aus den Altgemeinden. Zahlreiche Namen finden sich in den Transportlisten der Heilanstalten. „Das waren behinderte Erwachsene, psychisch Kranke, alte Menschen, die nach einem Schlaganfall zum Pflegefall wurden oder auch kriegsversehrte Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, etwa die Kriegszitterer“, erklärt Izdebski.

Der Arbeitskreis wünscht sich eine weitere Veranstaltung im Januar nächsten Jahres. „Dann ist Gunter Demnig in der Nähe und kann die Verlegung selbst vornehmen“, erläutert er die Planung. Gerade hat er den Bürgermeister und die im Stadtrat vertretenen Fraktionen angeschrieben, um die Erlaubnis einzuholen, denn die Stolpersteine finden auf öffentlichem Grund und Boden ihren Platz. „Wir würden das gerne wieder in Kooperation mit dem Stadtmuseum machen und diesmal neben der Gesamtschule und dem Gymnasium auch die beiden Realschulen mit ins Boot holen“, erläutert Izdebski. Insgesamt sollen sieben Stolpersteine an Bergkamener erinnern, die Opfer des NS-Diktatur wurden. „Ganz besonders liegen uns die Stolpersteine für die vier getöteten Kindern am Herzen.“

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