Mit dem orangenen Asyl-Handtuch die Invasion ebnen

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Mit dem „Praktikums-Indonesier“ am Klavier machte Patrick Nederkoorn eine gute Kabarett-Figur im studio theater.

Er kam mit einer klaren Mission: Vorbereitung auf die holländische Invasion. Die Warnung vor der „orangenen Gefahr“ war für den niederländischen Comedian Patrick Nederkoorn bei seiner Bergkamener Premiere aber nur Vorwand für einen ernsthaften Appell: Völkerverständigung im Angesicht der vielfältigen wirklichen Gefahren. Immerhin droht nicht nur den Nachbarn der Untergang in den Klimawandel-Fluten. Und Gemeinsamkeiten gibt es genug, um die Verbrüderung mit einem Prost auf das volle Leben endlich dingfest zu machen.

„Wir müssen reden“: Dafür lernte Patrick Nederkoorn angeblich eigens Deutsch.

Hemmungslos machte er es den Deutschen gleich und legte das Asyl-Handtuch schon mal in aller Herrgottsfrühe vor dem Bürokratie-Pool und den aktuell fest verschlossenen Grenzen aus. Darauf kredenzte er fröhlichen niederländischen Positivismus, bevor endgültig alle Deiche brechen. Im Gepäck den „leckerbilligen“ Praktikums-Indonesier für alle Bühnen-Lagen und einen hochbrisanten Fragebogen. Denn bevor er seine 17 Millionen Landsleute für das deutsche Klima-Asyl samt Wohnwagen auf die linke Spur schickt, mussten erst einige Gastfreundschaftspunkte geklärt werden. Darunter auch geeignetes Bauland und die Zukunft der niemals fertigen Autobahnbaustellen.

Prost auf das volle Leben mit dem Riesling, der ebenfalls eine Flüchtlingsgeschichte zu bieten hatte.

Dafür holte Patrick Nederkoorn auch die gut gelaunte Rudi-Carell-Musik „mit den richtigen Gedanken“ aus dem Asylanten-Koffer und sorgte für nachdenkliche Stille, als er die deutsche Flüchtlings-Geschichte des Urgroßvaters mit dem von ihm dereinst geernteten Riesling herunterspülte. Fröhlicher dann schon der Niederländisch-Kurs, der deutschen Worten die vollständig umgekehrte niederländische Variante im Publikumschor gegenüberstellte und Manns Endlos-Satz-Zauberberg bequem ins knappe Heftchen-Format übersetzte.

Dezidierte Erläuterungen gab es auch im kleinen Niederländisch-Kurs.

Dass es deutlich schwieriger sei, das Leben angesichts von Leberwurst-Verführungen zu ändern, als eine Fremdsprache zu lernen, bekam dann auch die bekannteste Klimaaktivistin aus Schweden zu spüren. „Wir sind das Problem“ gab Nederkoorn den Bergkamener zum Nachdenken mit auf den Weg. Die dürfen sich schon mal auf die Holländisierung freuen, denn sie bestanden glatt den Asyl-Test und sind erste Wahl beim Ansturm der „orangenen Gefahr“. Und der Dauerpraktikant bestand mit bezaubernden Einlagen am Flügel dann auch noch seine Abschlussprüfung.

Mehr als genug Grundlagen, um nochmal wiederzukommen. Denn die Bergkamener hatten Patrick Nederkoorn liebgewonnen und schickten ihn nicht ohne Zugabe zum Ruhrhochdeutsch-Auftritt in der Nachbarschaft. So endete die mit der Absage von Jürgen B. Hausmann etwas verfrüht aussetzende Kabarett-Saison dann doch noch versöhnlich.

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