Jubiläumswald wächst weiter – klitschnass mit praller Sonne

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Gut besucht war die matschige Fläche des Jubiläumswaldes beim 34. Pflanzfest.

Wasser brauchte eigentlich niemand für seinen Baum. Das stand zur Genüge auf der Fläche des Jubiläumswaldes in Overberge. Dabei hatten die Mitarbeiter von Baubetriebshof, Stadtmarketing und der Firma Röttger noch mit Eimern und anderen Utensilien versucht, die schlimmsten Wassergebilde abzuschöpfen. Zum Reinigen des völlig verschlammten Schuhwerks oder Hundes bzw. Kindes war die neue Handpumpe jedoch höchstwillkommen.

Auch die Kleinsten packten fleißig mit an und hatten viel Spaß im matschigen Untergrund.

Dafür lachte bei der 3. Pflanzung auf der neuen Pflanzfläche III in Overberge zum ersten Mal überhaupt tatsächlich die Sonne, sogar mit voller Kraft. Bei fast hochsommerlichen Temperaturen gingen die Akteure in T-Shirts ans Werk und schaufelten die matschige Erde tapfer an die Wurzelballen von Berg- und Spitzahorn, Silberlinde, Schwarznuss, Stieleiche und Rotbuche. Ob die tatsächlich den deutlich spür- und sichtbaren Klimaveränderungen standhalten, wird sich bei den 13 Neupflanzungen zeigen.

Die meisten Anlässe für die Baumpflanzungen waren erfreulich – wie in diesem Fall die Geburt.

Erfreuliche Anlässe wie Geburt des Kindes, die Goldhochzeit oder das erfolgreich bewältigte Studium waren nicht immer auf den Schildern für jede Pflanzung verewigt. Es gab auch todtraurige Gründe, warum Menschen hier einen Erinnerungsort für eine liebe Person schaffen wollten. „Wir pflanzen hier heute Bäume für unsere drei verstorbenen Töchter“, erzählt eine Mutter, die nur mühsam die Tränen zurückhalten kann. Die erste Tochter ist schon im Alter von 13 Jahren an Krebs verstorben. Die beiden anderen Töchter starben jeweils in der Schwangerschaft. Jede bekommt einen eigenen Baum. „Die Sorte Baum, die zu jeder von ihnen am besten passt“, erzählt der Vater. Alle stehen in einer Reihe. „Jetzt haben wir einen Ort, wo wir uns an alle drei erinnern können.“

Die Mitarbeiter von Röttger’s und vom Baubetriebshof halfen beim Pflanzen.

Nur ein paar Meter weiter sind drei Frauen nicht weniger ergriffen. Mutter, Tochter und Großmutter stehen hier beisammen und betrachten das vollbrachte Werk an dem jungen Spitzahorn. „Der Baum ist für meine Großeltern“, sagt die jüngste der Frauen. Der Großvater starb vor 16 Jahren. Die Großmutter vor fünf Jahren im Urlaub im Schwarzwald, wo sie auch begraben wurde. „Jetzt haben wir hier einen Ort, wo beide zusammen irgendwie gegenwärtig sind und wo wir alle gemeinsam trauern können“, sagen die Frauen. „Die Oma war so gern in der Natur und liebte Bäume – das hier würde ihr gut gefallen.“

Der Lufballon verkündet: Hier gibt es einen erfreulichen Anlass.

Viele brachten ein Glas Sekt, ein kleines Picknick, sogar persönliche Utensilien wie Schnuller oder Meisenknödel und Luftballons mit, die den neuen Bäumen eine ganz persönliche Note gaben. Im Hintergrund spielte das Duo „Ann get’s Rhythm“ außerordentlich qualitätvolle Musik. Und es gab Bratwürstchen und Getränke von der Feuerwehr Overberge – zum ersten Mal, übrigens. So war die Stimmung am Ende doch fröhlich, auch wenn es besinnliche und traurige Momente gab.

Erfreulich ist: 898 Bäume wurden inzwischen auf allen Flächen des Jubiläumswalds gepflanzt. Eine riesige Zahl von ganz persönlichen Erinnerungen und ein stolzer Beitrag zu Natur und Umwelt. Die nächste Pflanzung ist übrigens am 2. November geplant. Baumbestellungen sind im Bürgerbüro der Stadt Bergkamen möglich. Kosten: 130 Euro.