Autobahnpolizei rettet am Kamener Kreuz das erste Konzert der Rolling Stones in Deutschland

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Das Teilstück der Autobahn A1 zwischen dem Kamener Kreuz war erst zwei Tage vorher eingeweiht worden, und schon schrieb es am 11. September 1965, also genau vor 50 Jahren, Geschichte – besser gesagt: Musikgeschichte. Ein Engländer namens Bill Wyman war in einem Auto unterwegs nach Münster. Am Kamener Kreuz ging es wegen einer Autopanne nicht weiter. Schon damals n Autobahnpolizisten die Retter in der Not. Sie sorgten dafür, das Bill Wyman, der Bassist der „Rolling Stones“, pünktlich zum der Konzert der Rock-Band in Deutschland im westfälischen Münster kam.

 

Kamener Kreuz. (Foto: Straßen.NRW/Foto: Hans Blossey)
Kamener Kreuz. (Foto: Straßen.NRW/Foto: Hans Blossey)

Der Grund für diese Autopanne liegt im Dunkeln. Sicher ist nur, dass es mit diesem Fahrzeug nicht weitergehen konnte. Glück für Bill Wyman war, dass er als britischer Soldat vorher in Deutschland stationiert war und sich in der Landsprache mit den Beamten der Autobahnpolizei, die zur Hilfe geeilt waren, verständlich machen konnte. Er müsse unbedingt nach Münster, hatte Wyman den Polizisten erklärt. Ohne ihn, den Schlagzeuger, könnte das Konzert der „Rolling Stones“ nicht stattfinden.

Schnell wurde ein Taxi organisiert. Und damit Wyman tatsächlich pünktlich in der Westfalen-Metropole ankommt, gab es dazu eine Polizeieskorte. Für eine schnelle fahrt sorgte natürlich auch die A1, deren Teilstück vom Kamener Kreuz bis Münster am 9. September 1965 eingeweiht worden war. Die Rolling-Stone waren am 11. September 1965 auf dem Düsseldorfer Flughafen gelandet. Weiter ging es in mehreren Pkw. Die übrigen Band-Mitglieder erreichten Münster ohne Probleme.

Wie beschwerlich die Fahrt ohne Autobahn sein kann, erfuhr zwei Jahre vorher der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke. Er kam im Auto von Münster und wollte aufs Autobahnkreuz bei Kamen. Diese Strecke führte damals quer durch Overberge. Allerdings wurde seine Fahrt am Sonntag, 26. Mai, auf der Hansastraße an der Kreuzung bei Schmülling plötzlich gestoppt. Das Auto mit dem Bundespräsidenten musste halten, weil der Festzug des Overberger Schützenvereins mit seinem neuen Königspaar Karl Wendel und Wilhelmine Frackmann auf der Landwehrstraße unterwegs war. Und der Festzug hatte natürlich Vorfahrt. „Mit einem fröhlichen Lächeln und einem freundlichen Winken nahm er diesen Aufenthalt jedoch gern in Kauf“, heißt es dazu in den Annalen des Schützenvereins.

Bei den ersten Tourneen der Rolling Stones verwandelten regelmäßig die Fans in maßloser Ekstase Tische und Stühle in Kleinholz. Ähnliches wurde auch beim Konzert in Münster befürchtet. Es gab eine erheblich verstärkte Polizeipräsenz. Vorsorglich wurde sogar der Wasserwerfer aus Dortmund geordert.

Letztlich blieb alles friedlich. Die Westfalen lassen sich eben nicht so schnell aus der Reserve locken. Der Deutschen Wochenschau, die ganz groß über den 11. September 1965 in Münster berichtete, blieb nichts anderes übrig, als sich über den wackelnden Hintern von Mick Jagger und seine kreischenden weiblichen Fans lustig zu machen.