von Andreas Milk
Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte ein paar klare Ansagen für den Angeklagten. Der habe „frauenverachtendes Verhalten“ gezeigt und „nichts verstanden“. Wegen Beleidigung und Bedrohung seiner früheren Lebensgefährtin – Mutter seiner Tochter – in Bergkamen und Werne saß der 32-Jährige vor dem Kamener Strafrichter. Es war nicht das erste Mal, dass er da saß.
Es ging diesmal um Taten im Oktober 2025 und Juni 2026. Per WhatsApp und auch von Angesicht zu Angesicht habe der Mann seine Ex-Freundin behelligt: mit Beschimpfungen („Nutte“ war dabei noch eine der harmloseren) und Todesdrohungen. Bei einem Vorfall in diesem Frühsommer kam noch Anspucken dazu. So weit die Anklage. Der Mann gab auch fast alles zu. Ausnahme: das Spucken. Bestätigt wurde aber auch das letztlich durch eine Zeugin, Freundin der Geschädigten.
Diese Geschädigte – eine 36-jährige Wernerin – hat zeitweise aus Angst vor dem Ex Zuflucht bei ihrer Schwester und im Frauenhaus gesucht. Immerhin: „Er ist ein guter Papa.“ Das war es aber wohl auch. Und im Streit um den Umgang mit der kleinen Tochter musste schon das Familiengericht beim Amtsgericht Lünen eingreifen.
Vor ziemlich genau einem Jahr gab es gegen den 32-Jährigen einen Prozess, der dem aktuellen auffallend ähnlich war: Im Kern das gleiche Verhalten – aber zum Schaden einer anderen Frau. Hintergrund beim Angeklagten sind Alkoholmissbrauch und der Konsum von Amphetaminen. Ihn quäle auch Schlaflosigkeit. Das Vorstrafenregister umfasst ein halbes Dutzend Einträge, darunter auch wegen gefährlicher Körperverletzung. Bei den Attacken gegen die Wernerin stand der Mann doppelt unter Bewährung. Eine Bewährungshelferin berichtete, er zeige ein „inkonsistentes Kontaktverhalten“ – sprich: Seine Bewährungsauflagen kümmern ihn wenig.
Bewährung bekam er diesmal nicht mehr zugestanden. 15 Monate Haft wurden vom Richter verhängt. Der erklärte bei der Urteilsverkündung, die geäußerten Beleidigungen seien „kaum zu überbieten“. Er glaube dem Mann, dass er sich ändern wolle. Er glaube nicht, dass er es schaffe.


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