Bergkamen trauert um Ehrenbürgermeister Roland Schäfer

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Diese Nachricht hat Bergkamen erschüttert: Am Neujahrstag ist Bergkamens Ehrenbürgermeister Roland Schäfer im Alter von 76 Jahren plötzlich und völlig unerwartet gestorben. Über 31 Jahre hatte er zunächst als Stadtdirektor und danach als hauptamtlicher Bürgermeister die Geschicke der Stadt geprägt.

Dabei war sein Start in Bergkamen alles andere als einfach. Die Auswirkungen der Machenschaften um die damalige „Bergkamener Berufsausbildungsgesellschaft“ drohte die Stadt finanziell zu ruinieren. Es wurden Rückforderungen vonj Fördermitteln in Millionenhöhe erhoben.

Dass es dann nicht ganz so schlimm kam, war auch Schäfers Verdienst, der am 8. Dezember 1988 durch den Rat zum Stadtdirektor einstimmig bei zwei Enthaltungen gewählt wurde. Der gleiche Stadtrat hatte vorher seinen Vorgänger wegen der „bbg-Affäre“ abgewählt.

Die Wahl Schäfers war im Nachhinein betrachtet ein ausgesprochener Glückgriff. Dabei brachte er hervorragende Voraussetzungen mit. Bei der Bezirksregierung in Arnsberg war der Volljurist als Dezernent tätig gewesen, bevor er am 16. Februar 1988 zum Innenministerium des Landes NRW in Düsseldorf als Referent in der Kommunalabteilung wechselte. Offen ist, warum es ihn nur rund 10 Monate später ausgerechnet nach Bergkamen zog. Vielleicht spielte hier Klaus Mathiesen eine Rolle. Der SPD-Politiker war damals nicht nur der hiesige Landtagsabgeordnete, sondern auch Minister für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft in der Landesregierung von Johannes Rau.

Die zweite große Herausforderung für Schäfer und die Stadt Bergkamen waren die Auseinandersetzungen um die geplante Schließung der drei Schachtanlagen. Über 10.000 Bergbauarbeitsplätze standen auf dem Spiel. Die Reaktion waren massive Proteste der Bergleute und der Bergkamener Bürgerinnen und Bürger, die den Niedergang des Bergbaus zwar etwas verlangsamte, aber nicht aufhalten konnte.

Immerhin gab und gibt es Fördermittel für die Gestaltung des Strukturwandels, an der sich Roland Schäfer mit aller Kraft beteiligt hatte. Beispiele für diese Projekte sind die Marina in Rünthe und die Wasserstadt Haus Aden.

Eine andere Herzensangelegenheit des Bürgermeisters war die Entwicklung von Städtepartnerschaften. Kurz vor Weihnachten 2025 beteiligte sich Roland Schäfer noch an einer Bürgerreise nach Hettstedt. Die Stadt in Sachsen-Anhalt hatte ihn 2021 zum Ehrenbürger ernannt wegen seiner Verdienste. Bergkamen hatte nach der Wiedervereinigung Hettstedt bei der Reorganisation der Verwaltung massiv unterstützt. Weitere partnerschaftliche Beziehungen wurden in den ersten Jahren seiner Amtszeit als Stadtdirektor mit Wieliczka in Polen, Gennevilliers in Frankreich und Tasucu (heute Silifke) gegründet.

Als weitere Schwerpunkte seiner Arbeit nannte Roland Schäfer die Kommunalisierung der Versorgung mit Strom, Erdgas, Fernwärme, Telekommunikation und Trinkwasser durch die GSW und die Kommunalisierung der Straßenreinigung und der Abfallentsorgung durch Gründung des EBB, die Verbesserung der Wohnungssituation und Erhöhung von Bürgerorientierung und Servicequalität der Verwaltung.

Dass ihm dies weitestgehend gelungen ist, zeigt auch die große Anteilnahme, nach dem die Nachricht von seinem Tod die Runde am Neujahrstag durch Bergkamen machte. Ein weiteres Indiz ist sein hoher Stimmenanteil bei den drei Wiederwahlen 2004, 2009 und 2014. Nur bei der ersten Direktwahl zum hauptamtlichen Bürgermeister musste er am 1. Oktober 1999 in die Stichwahl.

Als Roland Schäfer 2020 in den wohlverdienten Ruhestand ging, sagte er neckisch, er werde jetzt seine freie Zeit nutzen, Leserbriefe zu schreiben. Das tat er natürlich nicht. Zwar verfolgte er, soweit es möglich war, jede Sitzung des Bergkamener Stadtrats, öffentlich vernehmbare Kommentare gab es darüber aber nicht von ihm.

Roland Schäfer hinterlässt eine Lebenspartnerin und zwei Kinder. Bergkamen trauert mit ihnen. (Mehr über Roland Schäfer ist auf seine Homepage zu erfahren: http://www.schaefer-bergkamen.de)

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