Wohnberatung im Kreis Unna schlägt Alarm – bezahlbare barrierefreie Wohnungen sind Mangelware

Eine Hebebühne kann für rollstuhlfahrer den Zugang zu Balkon und Wohnung einfacher machen.

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt im Kreis Unna hat sich in den letzten Jahren zugespitzt und wird sich in den nächsten Jahren für bestimmte Zielgruppen noch dramatisch verschlechtern. Der Masterplan Wohnungsbau vom Kreis Unna stellt fest, dass 41% der Haushalte Einpersonenhaushalte sind und auf jede kleine Wohnung unter 60 qm derzeit 2 Singlehaushalte entfallen. Zwischen 2013 und 2022 nahm die Zahl der geförderten, mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen um 21% ab, bis 2030 werden 46 % der heute noch preisgebundenen Wohnungen aus der Bindung fallen. Besonders betroffen davon sind Haushalte von Alleinstehenden sowie Menschen mit Pflegebedarf oder mit Behinderung mit geringen Einkommen.

„Diese Entwicklung bemerken wir in den Beratungs- und Unterstützungsanfragen, die wir erhalten seit einigen Jahren“, weiß Brigitte Sawall von der Wohnberatung im Kreis Unna zu berichten. „Hatten wir 2016 noch kreisweit 47 Wohnungssuchende pro Jahr, so ist die Anzahl 2025 auf 134 gestiegen. Und das betrifft nicht nur den Kreis Unna, auch die anderen Wohnberatungs-stellen in NRW berichten von einer ähnlichen Entwicklung“ Weiter führt sie aus „Es sind insbesondere die persönlichen Schicksale und die steigende Hoffnungslosigkeit, die uns teilweise berühren. Ein damals 35-jähriger Rollstuhlfahrer hat sich 2014 an uns gewandt, mit der Bitte ihm zu helfen. Obwohl er bei allen Wohnungsgenossenschaften und auf der Dringlichkeitsliste der Kommune eingetragen war, konnte er erst 2022 eine eigene Wohnung beziehen. Bis dahin musste er sich aus Platz- und Kostengründen die Wohnung und das Bett mit seiner Mutter teilen. Ich denke auch an den 50-jährigen von ALS-betroffenen türkischen Familienvater mit seiner Frau und seinen 5 Kindern, die in der 4. Etage ohne Aufzug wohnen und denen wir nicht helfen konnten, eine kostengünstige, barrierefreie Wohnung innerhalb der Mietobergrenze zu finden. Erfahrungen aus der Beratung zeigen, dass Haushalte mit höherem Einkommen und ohne zusätzliche Hürden, etwa sprachlicher oder sozialer Art, oft leichter, zeitnah eine geeignete Wohnung finden.“

Da angesichts der Wohnungsmarktlage nicht alle Menschen umziehen können, ist es umso wichtiger, dass der Kreis Unna und die Landesverbände der Pflegekassen die Wohnberatung im Kreisgebiet fördern, da diese kostenlos Tipps gibt, wie die Wohnung – oft mit sehr einfachen Mitteln – sicherer, bequemer und praktischer gestaltet werden kann. Bei einer Gehbehinderung wird schnell eine Stufe zu einer unüberbrückbaren Hürde. Und doch kann man meist sich mit einfachen Mitteln – z.B. einer Rampe oder einem zusätzlichen Griff das Leben erleichtern. Manchmal reichen schon kleinere Veränderungen. Manchmal aber sind auch Umbauten wie z. B. der Einbau einer bodengleichen Dusche oder die Veränderung des Hauszugangs erforderlich, um auch weiterhin in den eigenen 4 Wänden leben zu können. Auch in diesen Situationen kann die Wohnberatung Hilfestellung bieten, über Finanzierungsmöglichkeiten beraten und die Veränderungen begleiten. „Ziel unserer Arbeit ist die Erhaltung der größtmöglichen Selbständigkeit sowie die Vermeidung von Unfällen und unnötigen Heimeinzügen“ erklärt die Wohnberaterin.