Leserbrief (-Mail): Ein bisschen mehr Einheitsgewerkschaft, bitte!
Reinhard Fehling hat am Freitag die Kundgebung zum 1. Mai in der Römerberg-Sporthalle besucht und danach folgenden Lesebrief geschickt:
„Ein bisschen mehr Einheitsgewerkschaft, bitte!
Was für ein Wetter, was für ein großer Maiumzug, eine wie gut gefüllte Halle! Anzeichen dafür, dass es Menschen gibt, die manches in diesem Lande für verbesserungswürdig halten und bereit sind, dafür zu kämpfen!
Aber muss es wirklich so sein, dass man eher das Gefühl hatte, auf einer SPD – Veranstaltung als auf einer der Gewerkschaften zu sein. Die sollen doch bekanntlich Mitglieder aus allen Parteien zusammenführen (außer der AFD natürlich, die gewerkschaftlich ihren eigenen Klüngel unterhält). Müssen denn wirklich alle SPD-Granden bis hinauf zum Hauptredner Klingbeil sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und mal mehr, mal weniger Mitreißendes vom Stapel lassen.
Und: Man muss mit Bürgermeister Heinzel (CDU) und seiner merkwürdigen Rede nicht übereinstimmen und auch mit der linken Jugend auf den Rängen nicht, die statt aktueller sozialer Forderungen eine undifferenzierte, ältere Parole auf ihr Pappschild geschrieben hatte, aber muss man deswegen Buhen, in Reden Nachkarten oder das Pappschild entreißen. Solche Meinungsäußerungen müssen ertragen werden oder will man unter sich bleiben?
Als Gewerkschafter hätte man Lars Klingbeil z.B. mal fragen können, ob das 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum (und mehr) nicht den Riesenaufträgen für die Rüstungsindustrie zuzuschreiben ist. Es war immer Aufgabe der Gewerkschaften, mit den Forderungen und Interessen der Beschäftigten im Rücken die jeweils Regierenden zu kritisieren.“
Es passte ins Bild, dass das Steigerlied mit allen 7 Strophen gesungen wurde, aber das gute alte Lied der Einheitsgewerkschaft ‚Brüder, zur Sonne zur Freiheit‘ nicht. ‚In eins nun die Hände‘ – das hätte mir gefallen! Oder wurde es ganz am Ende doch noch gesungen? Ich war da schon draußen in der Riesenschlange zur Erbsensuppe.



