Streit um Abstand: Schläge in der Kassenschlange
von Andreas Milk
Ein Bergkamener (19) und seine beiden Halbschwestern (19 und 26) haben sich die Anklagebank im Kamener Amtsgericht brüderlich geteilt. Der Grund: ein Fall von Körperverletzung bei Lidl an der Parkstraße im September 2024. In der Kassenschlange soll das Trio einen Kunden attackiert haben. Der erlitt Prellungen im Gesicht und an den Rippen. Drei Monate habe er Schmerzen gehabt, sagte er im Prozess.
Er hatte damals hinter dem 19-Jährigen und den beiden jungen Frauen gestanden. Die Situation war angespannt: Der 19-Jährige hatte wohl das Gefühl, der andere Mann sei ihm ein bisschen zu nah gekommen. Das will er ihm auch zu verstehen gegeben haben – „ganz höflich“. Daraus habe sich ein Streit entwickelt und aus dem Streit eine Art Ringkampf. Der angegriffene Mann lieferte eine andere Version: Die Attacke sei grundlos gewesen und mit Beleidigungen verbunden. Der 19-Jährige habe ihn mit der Faust geschlagen, die beiden Frauen hätten ihn zu Boden gezogen. Eine Kassiererin bestätigte: Alle drei hätten auf den Mann eingeprügelt. Ein Lidl-Kunde gab zu Protokoll, es habe zuvor sehr wohl eine kurze Debatte ums Abstandhalten gegeben. Der 19-Jährige habe sich nach dem Angriff auf den Kontrahenten schnell wieder beruhigt.
Strafrechtliche Folgen hat das Ganze letztlich nicht. Das Verfahren gegen den 19-jährigen Hauptangeklagten wurde eingestellt, weil er nach September ’24 in anderer Sache rechtskräftig zu einem einwöchigen Jugendarrest verurteilt worden ist – das soll genügen, waren sich Richter und Vertreter der Staatsanwaltschaft einig. Und auch das Verfahren gegen die Halbschwestern ist ohne Urteil erledigt. Sie sind bislang nicht vorbestraft.