1

Standortsicherung: Bulten investiert 2017 rund 2,7 Mio. Euro in sein Werk in Rünthe

Wenn Bergkamener mit dem Auto unterwegs sind, können viele sicher sein, dass auch ein Stück Heimat mitfährt. Es sind Schrauben jedweder Art, die an der Industriestraße in Rünthe durch das Bergkamener Zweigwerk des schwedischen Unternehmens Bulten für die Automobilindustrie hergestellt werden. Pro Jahr verlassen rund 260 Millionen Stück die Produktion. Mit ihnen werden nicht nur Karosserieteile zusammengehalten, sie geben auch manchem Motor den festen Halt.

Besuch bei Bulten in Rünthe (v. l.): Roland Schäfer, Jörg Neveling, , Stephan Stegemeyer und Frank Weizel.
Besuch bei Bulten in Rünthe (v. l.): Roland Schäfer, Jörg Neveling, , Stephan Stegemeyer und Frank Weizel.

Schrauben made in Rünthe
Schrauben made in Rünthe

Bürgermeister Schäfer begutachtet den Ford-Motor.
Bürgermeister Schäfer begutachtet den Ford-Motor.

Bürgermeister Roland Schäfer sah sich am Donnerstagmorgen zusammen mit Simone Krämer und Walter Kärger von der Wirtschaftsförderung der Stadt Bergkamen vor Ort an, wie diese Schrauben hergestellt werden. Kurz nach der Begrüßung durch die Werksleitung gab es für sie und sicherlich auch für den Wirtschaftsstandort Bergkamen eine gute Nachricht. Bulten wird in Rünthe im kommenden Jahr rund 2,7 Millionen Euro für die Errichtung einer neuen Beschichtungsanlage investieren. „Dadurch werden langfristig die Arbeitsplätze in Rünthe gesichert“, betonte Managing Direktor Jörg Neveling. Diese Beschichtungsanlage gibt den Schrauben einen besonders wirksamen Korrosionsschutz.

Blick in Innere einer Schraubenpresse
Blick in Innere einer Schraubenpresse

Eine „Schraubenfabrik“ gab es bereits kurz nach der Eröffnung des ehemaligen Rünther „Industriegebiets“ in den früheren 70er Jahren. Unterlagen, die das Datum näher bezeichnen könnten, sind möglicherweise 1992 bei dem Großbrand, der das Werk in Schutt und Asche legte, ebenfalls vernichtet worden. 1995 baute dann Bulten das Werk neu auf. „Es war die erste Ansiedlung von Bulten außerhalb Schwedens“, berichtete Neveling. Damals hatte das Werk einen Umsatz von wenigen Millionen D-Mark. Everling geht davon aus, dass in diesem Jahr die 90 Millionen Euro wieder erreicht werden.

Zurzeit sind im Bergkamener Bulten-Werk 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, die in drei Schichten arbeiten. Dazu gehören jedes Jahr vier bis fünf neue Auszubildende. Gern würde das Unternehmen in den gewerblichen Berufen mehr einstellen, doch viele Kandidaten seien ungeeignet.

Große Drahtrollen: das Rohmaterial für die Schrauben.
Große Drahtrollen: das Rohmaterial für die Schrauben.

Die Schrauben werden von großen Maschinen nahezu automatisch hergestellt. Deshalb sind in der Produktionshalle nur wenige Mitarbeiter zu sehen. Das Lohnniveau sei in Deutschland sehr hoch, sagte Jörg Neveling. Mitarbeiter im polnischen Zweigwerk erhalten nur ein Viertel von dem, was in Rünthe monatlich ausgezahlt wird. Da die Autoindustrie zudem von Jahr zu Jahr weniger an ihre Zulieferer zahlen will, müssen die geringeren Einnahmen pro Stück durch eine höhere Produktivität ausgeglichen werden.

Eine andere Strategie ist, Komplettlösungen anzubieten wie für den neuen Ford Fiesta in Köln. Hierbei handelt es sich um rund 400 Teile. 60 Prozent kommen aus Rünthe. Dabei handelt es sich natürlich um Schrauben. Die anderen 40 Prozent wie Gummistopfen und Kunststoffteile werden von anderen Firmen hinzugekauft.

Mit großem Interesse wird in Rünthe natürlich die aktuelle Diskussion um die Elektrifizierung von Autos verfolgt. Im Eingangsbereich des Verwaltungstrakts steht auf einem Sockel ein „aufgeschlitzter“ Ford-Motor. An ihm kann auch der Laie genau erkennen, was die Schrauben alles zusammenhalten müssen. Die neuen Elektromotoren müssen zwar auch befestigt werden, für sie werden aber längst nicht so viele Schrauben benötigt. Jörg Neveling, der Produktionsleiter Frank Welzel und der Leiter Kundenbetreuung und Logistik Stephan Stegemeyer ließen aber beim Besuch des Bürgermeisters keine Zweifel aufkommen, dass sie sich nicht dieser Herausforderung annehmen würden.