Spurensuche mit einer außergewöhnlichen Wegmarke und Mindestabstand in der „sohle 1“

Begrüßung unter freiem Himmel – mit Masken, Mindestabstand und blauem Trennungsband.

Normalerweise gibt es mindestens eine Performance und mindestens etwas Poetisches, vor allem wenig Sauerstoff und mehr Gäste als Platz zur Eröffnung der Jahresausstellung der Künstlergruppe „sohle 1“. Diesmal stellte ein Virus allerdings alles auf den Kopf. Dabei war das, was man sich einfallen lassen musste, um auflagenkonform überhaupt in die Nähe der Kunstwerke zu kommen, schon fast eine Performance für sich.

Blaue Bänder begrüßten auch an der Fassade die Gäste.

Ausgerechnet im 50. Jahr der städtischen Galerie „sohle 1“ als älteste kommunale Kunstgalerie überhaupt hinterließ all das getreu dem Jahresmotto mindestens unvergessliche Spuren in der ungewöhnlichen Geschicht. Das Eröffnungspublikum war extrem ausgedünnt und sammelte sich mit Masken und Mindestabstand unter freiem Himmel. Das „blaue Band“ wurde in Doppelfunktion zur Begrüßung ausgerollt: Eigentlich ein Kunstwerk in Anlehnung an das stadtprägende Element, trennten die blauen Streifen nun Eingangs- und Ausgangszone. Die durfte hinter der wiederum mit blauen Streifen geschmückten Fassade nur betreten, wer das passende Kärtchen ergatterte. Alle anderen mussten im Wartebereich ausharren, bis die erlaubte Besucherzahl wieder aufgefüllt werden durfte.

Poesie von Dieter Treeck gibt es diesmal virtuell.

Der Bürgermeister ließ es sich trotzdem nicht nehmen, nicht nur virtuell per Dauerschleife präsent zu sein, sondern auch real die Gäste zu begrüßen. Immerhin feiert die einzigartige Galerie als Urmutter der kurz darauf gegründeten Künstlergruppe Jubiläum. Von einer Baracke und dem Keller einer alten Villa führte die eigene Wegmarke in die City und schließlich ins heutige Museum. Die Gebäude-Spuren sind inzwischen verwischt oder verschwunden. Nicht aber die künstlerischen Spuren. „Das Anliegen war und ist es, moderne Kunst zu vermitteln. Das ist mehr als gelungen. Bergkamen ist auch längst auch eine Stadt der Kunst“, betonte Roland Schäfer.

Gemalt, gezeichnet, fotografiert, modelliert, gedruckt, gelesen: In allen Facetten präsentieren die Künstlerinnen und Künstler ihre Spurensuche.

Die Spuren der diesjährigen „Wegmarke“ hinterlassen ihre eigenen Eindrücke. Darunter sind Spuren des Virus, biographische und historische Spuren, Spuren der Zeit in zerstörten Zechenfenstern, Spuren des wahren Ichs im Spiegel, überdimensionale und ganz winzige Fußspuren im Stein, zerfurchende Spuren in der Landschaft oder leicht verrückte Spuren im Miniaturlabor des Alchemisten. Die Künstler gingen in Wäldern auf Spuren der zerstörerische Borkenkäfer, an der Ostsee entdeckten sie Spuren des Klimawandels, im Stein Spuren der Erdentstehung, in Obstkisten Spuren der Globalisierung oder ganz schlicht Spuren im Sand und des Urlaubs in poetischen Betrachtungen von Dieter Treeck, der ebenfalls virtuell auf dem Bildschirm liest.

Eine spannende Spurensuche, die ab Dienstag auch von einem Katalog begleitet wird. Wer ebenfalls künstlerische Spuren entdecken will: Jeden Sonntag um 11 Uhr gibt es Führungen. Und online stehen Interviews sowie die Rede des Bürgermeisters bereit.

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