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Sommerakademie mit Besuch aus „Down Under“

Antoinette (r.) berät sich mit der Schwester ihrer Freundin, wie sie mit ihrem ersten Bild weitermachen soll.

Dass die Teilnehmer sogar aus Australien anreisen, um bei der Sommerakademie mit Haut und Haar in Kunst einzutauchen, gab es in mehr als zwei Jahrzehnten noch nicht. Schon gar nicht, um zum ersten Mal im Leben überhaupt einen Pinsel über die Leinwand zu bewegen. Antoinette macht genau das jetzt eine Woche lang. Zusammen mit ihrer Jugendfreundin und deren zwei Schwestern.

Sie alle stammen eigentlich aus Holland. Aufgewachsen sind sie aber gemeinsam in Australien. Sie besuchten zusammen die „primary school“ und drückten die Schulbank. Jetzt, viele Jahrzehnte später, treffen sich Antoinette und Cora wieder – in Bergkamen auf der Ökologiestation. „Dafür habe ich Urlaub genommen“, erzählt Antoinette. Sie wohnt bei ihrer Freundin in Schwerte – und malt zusammen mit ihr und ihren Schwestern tagsüber in Bergkamen. „Mein Vater war Maler, hat Porträts und Landschaftsgemälde geschaffen“, erzählt Antoinette. „Ich selbst habe nie gemalt. Es ist für mich hier das erste Mal und eine große Herausforderung, meine Freundinnen müssen mir dabei helfen“, sagt sie lachend und betrachtet kritisch die Bäume, die gerade auf ihrer Leinwand entstehen.

Auch die Aquarell-Malerinnen sind schon am ersten Tag der Sommerakademie mehr als kreativ.

Ein paar Meter weiter haben ebenfalls verschlungene Lebenswege Zori Bollmann an die Bergkamener Staffelei geführt. Sie ist vor fünf Jahrzehnten aus Jugoslawien nach Deutschland gekommen. „Eigentlich wollte ich nur eine Weile fort, meine Scheidung verarbeiten“, sagt sie. Sie lernte ihren heutigen Ehemann kennen und blieb bis heute. Als gelernte „Schuhstepperin“ hat sie die Kunst im Blut. „Ich habe schon alles gemacht“, sagt sie. Malen, Schmuck, Bildhauern – nichts ist ihr fremd. In Hamm ist sie schon seit zwölf Jahren im Kurhaus aktiv, bei der Sommerakademie macht sie seit fünf Jahren mit. Jetzt als Rentnerin – „endlich mit einem eigenen Atelier“, sagt sie.

Lina (l.) mit ihrer Oma Vera und ihrem ersten Bild.

Generationen bringt das Zeichenteam derweil an den Tischen im Inneren der Ökologiestation zusammen. Hier versucht sich Lina (14) an ihrem ersten Bild, das in der Drattage-Technik entsteht. Vor einigen Jahren hat sie schon einmal als jüngste Teilnehmerin mit „Welpenschutz“ an der Sommerakademie teilgenommen. Damals bei den Druckgrafikern. Weil sie gern zeichnet, ist es diesmal etwas Neues. Oma Vera (68) hilft hier. Sie hat bei der Sommerakademie „schon alles durchprobiert“ und ist immer nur hier ganz und gar Künstlerin. Gemeinsam mit der Enkelin macht es noch mehr Spaß.

Die Regenschauer hielten auch die Holzbildhauer nicht davon ab, engagiert zu starten.

82 Teilnehmer verwirklichen sich in diesem Jahr wieder als Künstler oder probieren sich in der Holz- und Steinbildhauerei, in der Druckgrafik, mit dem Aquarell, beim Zeichnen und in der freien Malerei aus. „Wir sind wieder ausgebucht“, ist Organisator Michael Bub zufrieden. Zum ersten Mal gibt es diesmal keine Kinderbetreuung. „Wir hatten nur eine Anmeldung von zwei Schwestern, die sich inzwischen anders orientiert haben“, so Bub. Wer sehen möchte, welche Kreativität die Künstler in einer Woche entfalten: Am kommenden Samstag findet das Abschlussfest samt Präsentation der Werke statt.