Pärchen im Dauer-Clinch: Strafrichter als „Therapeut“
von Andreas Milk
Der Strafrichter als Paartherapeut: Das ist vielleicht keine so gute Idee. Dennoch haben Vorkommnisse zwischen dem Bergkamener Malik T. (Namen geändert) und seiner aktuellen Jetzt-doch-wieder-Freundin Maria F. schon mehrfach Stoff für hiesige Juristen geboten. Jetzt war es wieder so weit: Malik T. war im Kamener Amtsgericht wegen drei Fällen von Körperverletzung angeklagt.
Losgegangen war alles an einem Tag im vergangenen Juli mit einem Besuch der Kaufland-Filiale in Bergkamen-Rünthe. Dort soll T. Maria F. – die zu dem Zeitpunkt seine „Ex“ war – gekniffen und ihr dadurch ein Hämatom zugefügt haben; später, auf der gemeinsamen Autofahrt zu Maria F.s Wohnung, habe er ihr mit einem Handykabel auf den Oberschenkel geschlagen; noch später, in der Wohnung, habe er sie geschubst, ihr ein Kissen aufs Gesicht gedrückt und gedroht, sie umzubringen.
Immerhin die Sache im Kaufland gab Malik T. ohne Umschweife zu. Allerdings: Er habe Maria F. nicht weh tun wollen – sondern „klar machen, dass es reicht“. Schon vorher hatte es zwischen den beiden gekracht, und dieser Streit setzte sich in dem Supermarkt fort. Für T. war das besonders belastend, weil er früher dort gearbeitet hat. Kollegen hätten ihn also wiedererkennen können. Im Auto habe er Maria F. dann bloß beruhigen wollen, damit sie durch ihr aufgekratztes Verhalten keinen Unfall auslöst. In ihrer Wohnung schließlich sei sie ausgerutscht und mit dem Becken gegen eine Couch geprallt.
Und heute, sieben Monate danach? „Wir sind auf dem besten Weg, dass es wieder perfekt läuft“, sagt Malik T. Auch Maria F., die ja gegen T. Anzeige erstattet hatte, meint: „Wir sind auf dem Weg der Besserung.“ Malik T. sei an und für sich ein toller, fürsorglicher Mensch – aber einer, „der blitzschnell zu ’nem Monster werden kann“. Sie wolle ihn nicht bestraft sehen, sondern, dass er Hilfe kriege.
Auch Malik T. ist bewusst, dass was passieren muss. Er suche nach einem Therapeuten. Einen Termin zu bekommen, sei schwierig. Der Richter empfahl ihm, es beim Verein „Die Brücke“ in Dortmund zu versuchen: Er hat Präventionsangebote für Männer mit Hang zur Gewalt. Strafrechtlich ist der Fall erledigt, sobald Malik T. als Buße 1.000 Euro an die Westfälischen Kinderdörfer gezahlt hat. Das Verfahren wird dann eingestellt. Sollte er das nicht hinkriegen, wird es brenzlig. Auch aus einem früheren Prozess ist noch eine Geldstrafe auf Bewährung in der Welt. Sie könnte zusätzlich drohen, falls T. die Zahlung der Buße vermasselt.