LOL explodiert mit Körpergeräuschen und Publikumsexzessen

Grönland-Invasionen, Totschläge in Zügen, aktuelle innenpolitische Kapriolen? Fehlanzeige. Wenn LOL mit vier Comedians das studiotheater bis auf den letzten Sitz füllt, will das auch niemand hören. Da ist hemmungsloses Ablachen gefragt, über lautstarke Verdauungsergebnisse, die Folgen von Maschinengebären und Beat-Box-Marathons. Der ganz normalen Alltagswahnsinn eben, denn ernst geht es im Alltag sowieso ständig zu. Dass die Bergkamener dabei zum eigentlichen Hauptdarsteller mutieren, hat sich auch unter den Bühnen-Akteuren längst herumgesprochen. Am Freitag waren alle Beteiligten deshalb in Hochform.

Immer ein Renner ist die Frage, was man in Bergkamen überhaupt unternehmen kann. Und natürlich der Lokalpatriotismus, der sich zwischen Rünthern, Overbergern, Methleranern und Bockum-Hövelern hemmungslos entfaltete. In den ersten Reihen brachten unter der Regie von Moderator Ben Schafmeister neben Thermomix-Tanja, MILF-Agnes und diversen Aperol-Bitches auch die langanhaltenden Folgen einer Ferienlager-Liebe die Stimmung schon nach Sekunden auf den Siedepunkt.

Katharina Block sprang für eine erkrankte Kollegin ein und servierte als alte LOL-Bekannte schon mal Gehörtes mit mütterlichem Spielplatz-Traum, Sandkuchen-Buffet mit Katzenkacke und Dick-Pic-Sehnsucht. Danach verwandelten sich Feuerwehrmann Frank auf der Bühne und Jochen als 79-jähriger reicher Frauenschwarm in der 2. Reihe zu durchaus talentierten Nebendarstellern. Dann übernahm Thomas Schmid mit seiner Bergkamen-Premiere das Ruder, heizte den Regional-Krieg mit Kamener-Kreuz-Psychologie noch ein wenig an und versuchte mit einer missratenen meditativen Therapie vergeblich, die Midlife-Krisis angesichts der Deutschland-Post vom Rentenbund wegzupuzzlen. Gut, dass man beim Beat-Box-Exzess von Kevin O’Neal eigentlich nur noch über das Kevin-Trauma und die Frage nachdenken musste, wie so viele Geräusche gleichzeitig aus allen Körperöffnungen gewaltige Rhythmen produzieren können.

In der zweiten Runde mit umgekehrter Reihenfolge waren viele schon an ihren Zwerchfell-Grenzen angelangt. Manche Zuschauerin lachte sich derart in Ekstase, dass auf der Bühne gar nichts mehr ging. Kein Wunder, kam doch nicht nur die Körbchen-Größe aus der 2. Reihe zur Sprache. Mit dem Mikro unternahm der Beat-Boxer eine beeindruckende Körper-Rundreise durch seinen „angewachsenen Instrumenten“, die im Atemlos-Marathon und der Insel mit zwei Bergen mündete. Der Kölner Kollege strandete in greiser Vorfreude im Furzalter an der Kasse, wo letztlich doch wieder SB-Terror mit Probezeit und Scan-Kriminalität lauerten. Mit der einzigen Bühnen-Frau gab es zum Abschluss noch eine Portion Menopausen-Hormon-Horror mit Klapprad- und sexistischen Kuschel-Exkursen.

Material genug, um sich vom Publikum mit stehenden Ovationen und überschäumendem Jubel belohnen zu lassen. Keine Frage: LOL ist längst der unangefochtene Kulturprogramm-Renner für inzwischen auch alle Altersklassen.