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Insolvenzverfahren für Back Pro startet am 1. Juli – für Mitarbeiter sieht es sehr düster aus

Wahrscheinlich am 1. Juli wird das Insolvenzverfahren für die Bäckerei Back Pro, ehemals Westermann in Oberaden eröffnet. Davon geht jedenfalls Zayde Torun, Sekretärin bei der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), aus.

Bäckerei Westermann in Oberaden.
Die ehemalige Bäckerei Westermann in Oberaden.

Betroffen davon sind fast alle der 60 zuletzt verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Immerhin ist für sie jetzt das Konkursausfallgeld rückwirkend gesichert. Trotzdem werden sie herbe Einkommensverluste hinnehmen müssen.

Einige wenige haben inzwischen einen neuen Arbeitgeber gefunden. Für den großen Rest sieht es nach Einschätzung von Zayde Torun düster aus. Auch eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen wie bei der Westermann-Pleite werde kaum möglich sein. Die Gebäude an der Schlenke waren ohnehin nur gemietet gewesen. Rechtlich gehören die Maschinen, sofern sie ohnehin noch nicht abtransportiert worden sind, einer von rund zehn inzwischen von den Eigentümern neu gegründeten Firmen. Wegen nicht vorhandenen Geldes werde der Insolvenzverwalter kaum in der Lage sein, den Müll auf dem Betriebsgelände zu entsorgen. Dabei handelt es sich unter anderem um Reste aus der Backproduktion, die nun vor sich hingammeln.

Teilerfolg vor dem Amtsgericht

Die Filialen von Westermann und der ehemaligen Feldkamp-Kette in Dortmund sind vor dem Zusammenbruch Mitte April ausgelagert worden. Doch wer glaubt, die Bäckereifachverkäuferinnen hätten damit das große Los gezogen. „Bei vielen steht noch die Zahlung des halben Monatslohnes aus dem April aus“, berichtet Zayde Torun. Und für das, was bis dahin unter Back Pro an Überstunden geleistet worden sei, gebe es jetzt keinen Ausgleich. „Eine Verkäuferin hatte es auf 800 Überstunden gebracht. Die sind nun futsch.

Immerhin meldet die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten einen Teilerfolg bei ihren Streitigkeiten vor den Gerichten gegen Peter Feldkamp, der zusammen mit Peter Stahnke im Herbst vergangenen Jahres die Bäckerei Westermann übernommen hatte. Das Amtsgericht Duisburg hat jetzt 58.000 Euro an Arbeitnehmerforderungen von 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegen Feldkamp anerkannt.

Für weitere rund 45.000 Euro steht die Entscheidung noch aus. Hierbei handelt es sich unter anderem um ausstehende Löhne der ehemaligen „Bäckerei Feldkamp, Willi Hat‘s e.K.“ in Dortmund. Für sie hatte Feldkamp vor vier Monaten Insolvenz angemeldet, nachdem er den Backbetrieb in Dortmund stillgelegt und seine Bäcker zur Arbeit nach Oberaden bei der „Back Pro“ geschickt hatte. Doch für sie wie auch für die ehemaligen Westermann-Bäcker gingen wenige Wochen später die Ofen an der Schlenke aus. Geschäftsführer Peter Stahnke meldete auch für „Back Pro“ Insolvenz an. Rund 60 Mitarbeiter im eigentlichen Backbetrieb wurden entlassen, die Verkaufsfilialen ging in neue Gesellschaften über und deren Verwaltung zog nach Dortmund um.

Seitdem wurden laut NGG folgende Änderungen vorgenommen: „Wesentliche Teile der Bäckerei Feldkamp wurden Anfang April 2013 an die Back Pro Filial GmbH, Geschäftsführerin Ulrike Scholzen-Stahnke, verkauft und ein Tag später an eine neue Gesellschaft von Frau Nicola Feldkamp (Snackeria Vier UG) weitergereicht. Diesen Vertrag hat Frank Feldkamp unterzeichnet. Frank Feldkamp ist ebenfalls Inhaber der neuen Gesellschaften (Westermann UG‘s), dem jetzt die Filialen der Bäckerei Westermann gehören.“

„Übrigens hat Frank Feldkamp seinen vorübergehenden Wohnsitz in Duisburg wieder aufgegeben und ist jetzt unter der gleichen alten Adresse wie seine Ehefrau in Dortmund zu erreichen. Mit neuen Karossen einer bayerischen Automarke wurden beide in Dortmund gesehen“, erklärt NGG-Sekretär Manfred Sträter.

Das findet er nicht in Ordnung. „Zwei Insolvenzen, erhebliche Schäden für ArbeitnehmerInnen, Arbeitsagenturen und weitere Gläubiger, aber für Stahnkes und Feldkamps scheint alles in Ordnung“, so Sträter. Und wieder fragt er laut: „Wann wird eigentlich die Staatsanwaltschaft tätig?“