1

Individuelles Fallmanagement: Zuhause alt werden

Im Alter möglichst lange in den vertrauten vier Wänden wohnen – das wollen die meisten. Im Kreis Unna ist das kein Wunschgedanke. Rund 75 Prozent aller Pflegebedürftigen leben zuhause. Ein neues Angebot soll jetzt noch mehr Menschen ermöglichen, möglichst lange in der gewohnten Umgebung zu bleiben.

„Dass so viele Pflegebedürftige ambulant zuhause versorgt werden können, ist auch ein Ergebnis der bedarfsorientierten Arbeit der Planer und Berater“, sagt Torsten Göpfert, Sozialdezernent beim Kreis Unna. „Im Kreis ziehen alle an einem Strang, um die Pflege im gewohnten Umfeld so lange wie möglich zu organisieren.“

Kreis hilft, wenn es eng wird
Zugegeben: Der neue Ansatz, den der Gesetzgeber mit dem Pflegestärkungsgesetz gewählt hat, ist nicht ganz uneigennützig. Denn eine Heimunterbringung ist teuer. Das kann sich nicht jeder leisten und beantragt Hilfe zur Pflege. Diese wiederum werden aus Mitteln der Sozialhilfe nach dem Sozialhilfegesetzbuch gezahlt.

Das belastet einerseits den Kreis-Haushalt, aber noch viel Wichtiger: Es ist in erster Linie eine große Belastung für die Pflegebedürftigen. Vor allem, wenn eine Heimunterbringung eigentlich noch gar nicht notwendig ist.

Neuer Baustein für Grundsatz „ambulant für stationär“
Deshalb nutzt der Kreis einen neuen Baustein für den Kreis-Grundsatz „ambulant vor stationär“: das individuelle Fallmanagement. Der Gesetzgeber hat dieses Instrument eingeführt, um die ambulante Pflege weiter zu stärken.

Das bedeutet konkret: Wer mit Pflegegrad zwei oder drei einen Pflegeheimplatz haben möchte, bei dem wird künftig zunächst geprüft, ob das wirklich notwendig ist. Hintergrund ist, dass nicht jeder die ihm zur Verfügung stehenden Hilfen, Beratungs- und Unterstützungsangebote kennt. Wer einen Heimplatz sucht, hat mitunter noch gar nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die es gibt, um länger in den eigenen vier Wänden versorgt werden zu können.

Berater helfen
„Wir haben Pflegemanager, die wissen, welche Angebote es gibt und wie ein individueller Versorgungsplan es den Pflegebedürftigen ermöglichen kann, länger in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben“, sagt Stefan Eggert.

Die Pflegeberaterinnen kommen zu den Bedürftigen nach Hause, beraten und ermöglichen so auch eine neue, günstige Perspektive. Start ist im April 2019.

Wer mehr wissen möchte, für den hat den Kreis Unna Informationen unter www.kreis-unna.de (Suchwort „Heimnotwendigkeit“) zusammengestellt. Dort sind Ansprechpartner und der Informationsflyer für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu finden, der auch in den Beratungsstellen im Kreis ausliegt. PK | PKU