„In die Köpfe schießen“: Bedrohliches per WhatsApp

von Andreas Milk
Wüst, was der 36-jährige Bergkamener Erdal R. (Name geändert) seiner Ex-Frau per WhatsApp geschrieben haben soll: zum Beispiel, dass er ihren Eltern „in die Köpfe schießen“ werde. Telefonisch habe er zudem die Frau und den gemeinsamen Sohn (12) mit dem Tod bedroht. Jetzt saß R. als Angeklagter im Kamener Amtsgericht. Und die Juristen sahen sich mit einer vollends kaputten Familie konfrontiert.

Erdal R. beteuerte, an den Vorwürfen sei nichts dran. Von den WhatsApp-Nachrichten gibt es zwar Screenshots. Aber diese Nachrichten habe seine Frau selbst fabriziert – einfach, indem sie auf seinen Laptop zugegriffen habe. Im Browser sei sein WhatsApp-Zugang hinterlegt gewesen; die Mitteilungen seien mitnichten von seinem Handy gekommen. Hintergrund des Ganzen sei der Scheidungsprozess gewesen, verbunden mit einem Sorgerechtsstreit. R.s Verteidiger sagte, die Strafanzeige wegen Bedrohung sollte seinem Mandanten zusätzlich schaden. Fotos von gemeinsamen Unternehmungen dagegen bewiesen, dass R. und sein Sohn sich gut verstehen.

Umso erstaunlicher die Aussage von R.s Ex-Frau im Prozess: Sowohl sie selbst als auch der Sohn hätten wegen R.s Ausrastern Zusammenbrüche erlitten. Darum sei der Kleine auch bereit, in dem Strafverfahren gegen den Vater auszusagen.

So weit wollten es die übrigen Prozessbeteiligten nicht kommen lassen: Das Verfahren gegen Erdal R. wurde eingestellt, mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft. Es herrschte Einigkeit: Die Sache weiter zu treiben, würde noch mehr Schaden anrichten. Und von einem Jungen dieses Alters einen Auftritt im Prozess gegen seinen Vater zu verlangen, wäre wohl das Letzte.