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IGBCE hat in 125 Jahren die Gesellschaft bewegt und verändert

IGBCE steht in Bergkamen für mehr als nur Gewerkschaft. Solidarität, Zusammenhalt, Einstehen füreinander und gemeinsam kämpfen: Auch das steht hinter den vier Buchstaben. Die sind in Oberaden sagenhafte 125 Jahre alt. Auch nach eineeinviertel Jahrhunderten steckt hier vor allem eines drin: große Emotionen. Selbst nachdem der Bergbau längst Geschichte ist.

Der Bergmannschor und das Steigerlied verstanden sich von selbst.
Der Bergmannschor und das Steigerlied verstanden sich von selbst.

Deshalb haben noch immer 890 Bergkamener einen Mitgliedsausweis für die Oberadener Ortsgruppe. Deshalb sind die Maikundgebungen immer noch politische Großereignisse. Deshalb kam kürzlich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, um im Barbara-Stollen des Stadtmuseums zu gratulieren und zu staunen. Deshalb war am Samstag zur offiziellen Jubiläumsfeier in der Aula der Realschule auch die Tischreihe für die Ehrengäste randvoll mit honorigen Ehrengästen.

Volles Haus in der Aula der Realschule zum offiziellen Gewerkschaftsjubiläum.
Volles Haus in der Aula der Realschule zum offiziellen Gewerkschaftsjubiläum.

Der Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek, der Landtagsabgeordnete Rüdiger Weiß, Bürgermeister Roland Schäfer, Lothar Wobedo als IGBCE-Bezirksleiter: Sie alle und viele Jubiläumsredner mehr wissen, wie groß die Bedeutung der Gewerkschaft auch nach 125 Jahren noch für die Gesellschaft allgemein und für die Oberadener insbesondere ist. Deshalb hielt sich der Vorsitzende Willi Null auch bescheiden mit Worten im Hintergrund, damit die vielen Grußredner auf dem Podium genug Zeit und Raum hatten.

Gewerkschaft gestern und heute

Viele Gastredner und ein bescheidener Vorsitzender im Hintergrund.
Viele Gastredner und ein bescheidener Vorsitzender im Hintergrund.

Aus der Not heraus seien die Bergbaugewerkschaften entstanden, erinnerte Lothar Wobedo. Insbesondere die soziale Absicherung, der Kampf um gerechte Bezahlung, um Arbeitsschutz und Sicherheit unter Tage: Am Anfang ging es um die pure Existenz in der Auseinandersetzung mit den großen Bergbau-Gesellschaften. Im Vergleich zwischen Gestern und Heute provozierte der Bezirksvorsitzende: „Wie groß muss die Not sein, um sich zu solidarisieren?“, fragte er mehrdeutig. Das Streben nach Profiten, neue Gesetzgebungen allerorten: „Die Gesellschaft hat sich verändert und wir müssen Antworten darauf finden“, betonte er.

Ganz andere Seiten der Gewerkschaftsarbeit vor Ort hob Bürgermeister Roland Schäfer hervor. Ob Geschichtskreis, Barbara-Stollen oder Tag des Bergmanns: Die IGBCE setzt in Oberaden noch immer starke gesellschaftliche Akzente, die nicht nur den Stadtteil prägen. Der Vorsitzende Willi Null ist an diesem Ehrentag dennoch nachdenklich: „Auch unsere Mitglieder werden immer älter“, greift er die Impulse der vielen Jubiläumsredner auf. „Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich die Jugend vom PC weglocken und auch für unsere Belange begeistern lässt.“

Als der Kampf um den Bergbau mobilisiert hat

Ist noch immer kämpferisch: Der Ehrenvorsitzende Bernhard Grüner (l.).
Ist noch immer kämpferisch: Der Ehrenvorsitzende Bernhard Grüner (r.).

Wie sehr die IGBCE ganz Bergkamen bewegt hat, verkörpert Bernhard Grüner als Ehrenvorsitzender in Reinkultur. Noch immer braust er auch mit seinen 87 Jahren auf, wenn er an die 60er Jahre denkt. „Keiner hat damit gerechnet“, sagt er, wenn er sich an die 5000 Menschen und die Massendemonstration gegen die geplante Stilllegung von Haus Aden im Jahr 1967 erinnert. Dass sich die Kumpel mit inbrünstigem Kampf gegen endlose Feierschichten, existenzielle Verdienstausfälle und gegen den Verlust ihrer Arbeitsplätze gegen die Bergwerksgiganten wehren: Das war neu. Immerhin waren die Bergleute aus allen Winkeln des Landes angeworben worden, als Arbeitskräfte rar waren. Jetzt, in der Krise, stand ihre neue Heimat und Existenz auf dem Spiel.

Die Gewerkschaftsfahne aus den 50er Jahren.
Die Gewerkschaftsfahne aus den 50er Jahren.

„Der Kampf hat großes Aufsehen erregt – und er hat sich gelohnt“, sagt Grüner mit einem Seitenblick auf die Gewerkschaftsfahne aus den 50er Jahren, die über seinem Kopf hängt. Der Bergkamener Widerstand hat Schule gemacht, ein Umdenken bewirkt und Bernhard Grüner zu einer Legende nicht nur in Oberaden gemacht.

Soziales Engagement ist für die IGBCE auch nach 125 Jahren Ehrensache. Selbst die Jubiläumsfeier dient dem guten Zweck, wenn die Besucher den Blumenschmuck auf dem Tisch gegen ein Entgelt erwerben können. Das Geld geht an eine Oberadenerin, die Kindern damit Weihnachten ein Geschenk bereitet, die sonst keine Gaben kommen. Musik und Tanz, herzhafte Gulaschsuppe und viele angeregte Gespräche: Es wurde noch lange das stolze Jubiläum gefeiert.