Hartnäckig ohne Führerschein: Haft auf Bewährung

von Andreas Milk
Der Richter wurde in der Urteilsbegründung überdeutlich: „’ne Scheißidee“ habe der Angeklagte am 3. Februar auf der Straße Am Hauptfriedhof gehabt. Diese Idee bestand darin, rund 500 Meter vor dem Ziel seine Frau auf dem Fahrersitz abzulösen, obwohl er keinen Führerschein mehr hat. Auf diesen wenigen Metern fuhr er dann auch noch zu schnell – und wurde erwischt.

Schon rund ein halbes Dutzend Mal ist der Mann aus Bönen von diversen Amtsgerichten in Nordrhein-Westfalen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden. Dass er sich im Februar in Bergkamen ans Steuer setzte, begründete er nun vor dem Kamener Strafrichter so: Er habe sich erst hinten im Wagen um seine schreiende kleine Tochter gekümmert. Die habe sich von ihm aber partout nicht beruhigen lassen. Darum hätten er und seine Frau die Plätze getauscht.

Besonders unangenehm für das Paar: Die Justiz hat das Auto beschlagnahmt. Dabei ist das Fahrzeug nicht mal abbezahlt: Es soll knapp 25.000 Euro wert sein, die Gesamtkosten der Finanzierung sollen bei mehr als 38.000 Euro liegen. Fast 23.000 Euro sind noch offen. Die Ratenzahlungen sind bis Herbst 2033 terminiert. „Wir haben riesengroße Schwierigkeiten“, sagt der Bönener. Gerade seine Frau brauche ein Auto, um mit dem Kind mobil zu sein.

Gute Nachricht für Mutter und Tochter: Den einkassierten Wagen rückt das Gericht wieder raus. Nicht so gute Nachricht für den Vater: sechs Monate Haft – ausgesetzt allerdings auf Bewährung. Dazu kommt eine 24-monatige Führerscheinsperre. Obendrein wird der Mann Standgebühren für die zwangsweise „Unterbringung“ des Autos zahlen müssen. Er bereue, was passiert sei, erklärte er. „Das darf nie mehr stattfinden.“