Führerschein-Verzicht mit 86 – und Tochter „meine Allerbeste“

von Andreas Milk
Der ehemalige Bergmann Klaus F. (86, Name geändert) hat’s beim öffentlichen Gerichtstermin einfach mal ausgesprochen: „Das ist meine Allerbeste“ – sagte er und meinte damit seine Tochter. Die hatte sich als moralische Stütze zu ihm auf die Anklagebank gesetzt. F. musste sich wegen Fahrerflucht verantworten. Auf dem Bergkamener Westenhellweg, kurz hinter der Kraftwerkseinfahrt, war der Kamener im Dezember abends um halb zehn mit seinem Opel in die Leitplanke gerasselt – und weitergefahren. Eine Autofahrerin hinter ihm machte sich Sorgen wegen seiner unsicheren Fahrweise. Sie rief die Polizei. Die stoppte schließlich den alten Mann und brachte ihn nach Hause.

„Ein ganz schlechter Tag“ sei das gewesen, erklärte er jetzt im Gericht. Eigentlich sei er fit und selbstständig, schmeiße seit dem Tod seiner Frau auch allein den Haushalt. Seine Tochter hörte es – und legte dem Vater aber doch nahe, auf einen Vorschlag des Richters einzugehen. Der lautete: Führerschein freiwillig abgeben – im Gegenzug Straffreiheit per Verfahrenseinstellung.

So wurde es also am Ende gemacht, und Klaus F. – „ich werd‘ ja nicht jünger!“ – verließ den Saal ohne Fahrerlaubnis, aber ganz zufrieden. Seine Tochter hatte angeboten, für Fahrdienste bereit zu stehen. F.s Mobilität bleibt also gewährleistet. Die Alternative wäre schmerzhafter gewesen: F. wäre verurteilt worden – und hätte nach Ablauf einer Sperrfrist den Führerschein wahrscheinlich eh niemals wiedergesehen. Denn rausgerückt hätte der Kreis Unna ihn wohl erst nach Absolvieren des so genannten Idiotentests – (nicht nur) für einen Mann, der auf die 90 zu geht, eine hohe Hürde.

Neben der Tochter bekam im Gericht auch die Autofahrerin vom Westenhellweg ein dickes Lob, und zwar vom Richter. Dass sie im Dezember nicht einfach weitergefahren war, sei ihr hoch anzurechnen.