Familientreffen auf Anklagebank: Prügel, Bedrohung, Beleidigung

von Andreas Milk
Familientreffen auf der Anklagebank: Das Bergkamener Ehepaar Manfred und Gabi F. und die erwachsene Tochter Mandy F. (alle Namen geändert) nahmen vor dem Kamener Strafrichter Platz. Die Familie ist im Amtsgericht der Nachbarstadt schon lange bekannt und bietet den Juristen zuverlässig Beschäftigung. Diesmal ging es um eine Prügelei, um Bedrohung und Beleidigung, geschehen 2024 und ’25. Kurz zusammengefasst: Manfred und Gabi F. sollen gemeinsam mit Tochter Mandy einen Nachbarn verkloppt haben – unter anderem mit Hilfe einer gläsernen Obstschüssel, die der Nachbar vorm Haus neben allerhand Gerümpel für die Müllabfuhr bereitgelegt hatte. Mandy F. habe außerdem einem Bekannten ihres Sohnes gedroht, ihm das Genick zu brechen und seine Freundin auf den Strich zu schicken. Diese Freundin soll sie noch als Nutte bezeichnet haben. Völlig nebensächlich dagegen: ein Ladendiebstahl von Manfred F. in Hamm. Da stahl er Parfüm für einen Zehner. Das gab er vor Gericht zu. Dieses Delikt blieb aber auch das einzige, das im Prozess flott „aufgeklärt“ werden konnte: Manfred F. bekam eine Geldstrafe dafür.

Freigesprochen wurden er und seine Frau Gabi sowie Mandy F. dagegen für die mutmaßliche Attacke auf den Nachbarn. Denn es gab dazu zwei widersprüchliche Versionen, was Angriff und Verteidigung betrifft. Da gilt: Im Zweifel für die Angeklagten. Fest steht nur, dass überhaupt geprügelt wurde. Manfred F. erzählte, der Nachbar sei „wie ein Tier“ über ihn her gefallen. Der Nachbar erklärte, er sei von Manfred F. grundlos angegriffen worden, und das auch noch von hinten. Eine unbeteiligte Frau, die damals die 110 gewählt hatte, konnte zum Hergang nichts Konkretes sagen: Sie war zu weit weg.

Mandy F. kassierte eine Geldstrafe für die Nummer mit dem Genickbruch und der Nutte. Dazu gab es in der Verhandlung Aussagen der Betroffenen. Und die schienen dem Richter glaubhaft.