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Ebay-Nepp mit Spielekonsole: 1 Angeklagter – 3 Versionen

von Andreas Milk
Der 22-jährige Bergkamener Marcel M. (Name geändert) verbüßt derzeit eine Jugendstrafe. Es gibt aber schon ein neues Verfahren, diesmal nach Erwachsenenstrafrecht: M. soll bei Ebay eine Spielekonsole („Nintendo Switch“) für knapp 300 Euro verkauft – die Konsole aber nicht an die Kundin verschickt haben. Eine eher banale Geschichte, für die M. bei einem Gerichtstermin im Juni und nun wieder in dieser Woche verschiedene Erklärungen bot. Und um es gleich zu sagen: Fortsetzung folgt Ende des Monats, dann – vielleicht – mit einem Überraschungszeugen, der alles aufklärt.

Im Juni hatte Marcel M. erst behauptet, ein Paket mit der Konsole über den Paketdienst Hermes verschickt zu haben, und zwar für einen Versandpreis von fast 18 Euro. Unfug, sagte damals der Richter – diesen Tarif gebe es bei Hermes gar nicht. In Version zwei gab M. zu, doch kein Paket verschickt zu haben. Aber er habe auch niemanden bei Ebay abgezockt: Das habe er angesichts seiner guten finanziellen Lage gar nicht nötig.

Version Nummer drei – die nun beim kommenden Termin übernächste Woche zu prüfen sein wird – dreht sich um einen angeblichen früheren Mitbewohner M.s. Der soll hinter dem Nepp mit der Spielekonsole stecken. Er soll als Zeuge zur Verhandlung geladen werden. Ist an der Sache was dran, droht Marcel M. aber schon der nächste Ärger: Möglich, dass er wegen Strafvereitelung angeklagt wird, weil er im Laufe des Verfahrens von dem ehemaligen Wohnungsgenossen nie etwas gesagt hatte.