Durst ist Alarmzeichen – Bei Hitze das Trinken nicht vergessen

Ausreichend trinken – das ist bei sommerlichen Temperaturen für das körperliche und geistige Wohlbefinden wichtig. Der Grund: Bei hohen Temperaturen wird viel geschwitzt. Dadurch verliert der Körper jede Menge Flüssigkeit und Salze.

Doch nicht nur das: Intensives Schwitzen „macht das Blut dick“, was zu einer langsameren Blutzirkulation führt. Folgen sind z. B. Konzentrationsschwäche und Müdigkeit. Dann gilt es gezielt gegenzusteuern und dem Körper zu helfen, sich zu erholen.

Tipps zum Durstlöschen

„Als Durstlöscher und zum Auffüllen der ausgetrockneten Flüssigkeitsdepots des Körpers eignen sich Leitungs- und Mineralwasser oder auch Fruchtsaftschorlen“, rät Amtsarzt Dr. Roland Staudt. Alkoholische Getränke wirken harntreibend und sollten deshalb möglichst gemieden werden. Getrunken werden sollte eine Flüssigkeitsmenge zwischen 2,5 und drei Litern. Hierbei darf es auch mal Kaffee oder Tee sein. Jedoch sollten größere Mengen an Koffein, wegen möglicher Blutdruck erhöhender Wirkung und möglicher Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten, vermieden werden. Eine Menge von etwa 5 Tassen (ca. 500 mg Koffein) ist in der Regel unbedenklich.

Ganz wichtig: Treten Symptome eines Sonnenstichs wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindelgefühl und Kopfschmerz auf, gehört das Trinken von Leitungs- oder Mineralwasser neben kühlen Kopfwickeln zu den wichtigsten Maßnahmen.

Durst vorbeugen: regelmäßig trinken

Die beste Vorbeugung ist die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme. „Wer durstig ist, leidet bereits unter Wassermangel“, betont Dr. Staudt. Diesen Hinweis sollten gerade ältere Menschen beherzigen, denn mit zunehmendem Alter wird „ausreichend trinken“ gerne vergessen.

Ein Tipp, um das Trinken nicht vergessen, hat der Amtsarzt für die warmen Sommertage noch: „Bereiten Sie schon morgens die zu trinkende Flüssigkeitsmenge vor und stellen Sie sie gut sichtbar hin. Das verringert den Aufwand und hilft als Gedächtnisstütze.“ PK | PKU




Raus aus der Hitze: LWL-Museen bieten Abkühlung

Die Sonne brennt, das große Schwitzen will kein Ende nehmen. Gut, wenn man sich da abkühlen kann. Noch besser, wenn die Hitze-Auszeit auch noch Spaß macht: Die Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) bergen zahlreiche Orte, in denen es nicht nur kühl, sondern auch ziemlich interessant ist. Es geht hinter dicke Klostermauern, in unterirdische Stollen und auf erfrischend nasse Spielplätze.

Im Besucherbergwerk der Zeche Nachtigall sollte man auch im Sommer eine Jacke tragen.
Foto: LWL/Appelhans

Im Besucherbergwerk des LWL-Industriemuseums Zeche Nachtigall in Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis) herrschen ganzjährig kühle zwölf Grad. „Da sollte man auch im Sommer eine Jacke mitnehmen“, sagt Michael Peters, Leiter des LWL-Industriemuseums. In das Bergwerk gelangen Besucher nur im Rahmen von Führungen, die mehrmals täglich angeboten werden. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde – Zeit genug also, um der brütenden Hitze zu entkommen.

Wer lieber unter freiem Himmel Abkühlung finden möchte, sollte sich den Wasserspielplatz am LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop (Kreis Recklinghausen) notieren. Kinder können dort mit Wasser und Schiffen experimentieren und dabei das Geheimnis der schwebenden Schiffe lüften. Auf dem hölzernen Floß, das durchs Wasser gezogen wird, sind natürlich auch Erwachsene willkommen.

Viel ruhiger als auf dem Wasserspielplatz geht es in Lichtenau (Kreis Paderborn) zu: Hinter dicken Mauern ist es im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur Kloster Dalheim nicht nur angenehm kühl, sondern auch still. Davon profitiert nicht nur der Körper, sondern auch der Geist. Das weitläufige Gelände mit seinen 7,5 Hektar sowie der neue Spielplatz, der viele schattige Plätzchen bietet, eignen sich besonders für ein Picknick.

Angenehm kühl ist es im Kreuzgang des Klosters Dalheim. Foto: LWL/Alexandra Buterus

Tief hinab in die Erde und weit zurück in die Geschichte geht es im LWL-Museum für Archäologie in Herne: In einer unterirdischen Ausstellungshalle eröffnet sich dem Besucher eine riesige Grabungslandschaft. Über 10.000 Funde enthüllen die Menschheitsgeschichte in der Region Westfalen – von der Eiszeit bis in die Gegenwart. Richtig eisig ist es glücklicherweise nicht im Museum. „Aber da die Exponate eine konstante Temperatur brauchen, ist hier alles klimatisiert“, sagt Dr. Josef Mühlenbrock. Angenehme 20 Grad sind es auch in der Halle für Sonderausstellungen. Hier korrigiert zur Zeit die Sonderausstellung „Irrtümer & Fälschungen der Archäologie“ populäre, aber überholte Thesen zu vergangenen Epochen und deckt spektakuläre Betrugsfälle der Archäologie auf. Dabei erfahren die Besucher nicht nur, warum ein Irrtum oder eine Fälschung anfangs durchaus überzeugen konnte. Interaktive Angebote vermitteln auch, welchen Erkenntnisgewinn die Forschung inzwischen erzielt hat. Mit Sicherheit kein Irrtum ist die Tatsache, dass es sich hier auch bei großer Hitze draußen gut aushalten lässt.

Einer alten Legende nach soll im historischen Quellkeller unter dem LWL-Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn eine Gruppe von Wasserdrachen leben. Eine geheimnisvolle Aura umgibt den Keller, in dem die Paderquellen entspringen, allemal. Schließlich ist er fast 1.000 Jahre alt. Einen schnellen Frischekick erhalten Besucher heute, wenn sie ihre Hände in das etwa elf Grad kalte Quellwasser halten. Zum Trinken eignet es sich nach heutigen Maßstäben allerdings nicht. Im 9. Jahrhundert war man da weniger zimperlich: Karl der Große, berühmtester Bewohner der Kaiserpfalz, hat sich bestimmt den ein oder anderen Schluck genehmigt. „Damals hatte man wohl einen stärkeren Magen“, sagt Dr. Martin Kroker vom Museum in der Kaiserpfalz. Er empfiehlt auch einen Besuch der Ausstellungsräume: „Dank der dicken Mauern ist es hier ganzjährig angenehm kühl.“

Ursprung zahlreicher Sagen und Erzählungen: Die Paderquellen im kühlen Quellkeller des Kaiserpfalz-Museums.
Foto: LWL/Burgemeister

Angenehme Temperaturen statt brütender Hitze gibt es auch im LWL-Museum für Naturkunde in Münster, das die neue Sonderausstellung „Das Gehirn – Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“ und im Planetarium des LWL-Museum. Im Sternensaal haben die Besucher stets einen blauen, wolkenlosen Himmel, eine sternenklare Nacht bei angenehmer Klimatisierung und jeder Menge zu Erleben. Und das Beste – einen Sonnenbrand muss hier niemand befürchten und das Deodorant bekommt auch mal eine Pause. „Sehen sie mit Ihren Kindern auf drehbaren Planetariumssesseln in die unendlichen Weiten des faszinierenden Universums“, rät Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs. „Im Planetarium fliegen die Zuschauern unter anderem bei ‚Faszination Weltall‘ zur Sonne, um das kühle Weltall geht es bei ‚In der Tiefe des Kosmos‘, und der Außerirdische Gulp versucht die Erde in einen Sack zu packen, um sich keinen ‚Erd-Sonnenbrand‘ zu holen. Auch im Museum selbst ist es deutlich angenehmer als bei der Hitze draußen. Zudem ist im kühlen Sonderausstellungsraum bei rund 22 bis 24 Grad Raumtemperatur derzeit die Sonderausstellung über das Gehirn zu sehen, die unter anderem auch eine Lichtdusche zeigt.

Vom dunklen Keller geht es wieder in die Sonne: Auf 90 Hektar ist im LWL-Freilichtmuseum Detmold (Kreis Lippe) eine historische Kulturlandschaft entstanden. Wem es beim Erkunden des Areals zu heiß wird, der findet in den über 100 Gebäuden Unterschlupf. „In großen Fachwerkhäusern bleibt es generell relativ kühl“, sagt Ruth Lakenbrink vom LWL-Freilichtmuseum. So kann es die Besucher zum Beispiel im Osnabrücker Hof selbst bei hohen Temperaturen schon mal frösteln. Im kleinen Bächlein auf der Fläche „Spielen am Dorfrand“ kann man zwar nicht schwimmen, als nasser Kinderspielplatz ist es aber allemal empfehlenswert. Wer nun dennoch Durst auf ein kaltes Getränk hat, findet unter den Sonnenschirmen im Biergarten des Restaurants „Im Weißen Ross“ ein schattiges Plätzchen.

Viel Schatten bietet auch das LWL-Freilichtmuseum Hagen: Entlang des Museumswaldes führen zahlreiche Spazierwege unter hohen Bäumen vorbei an mehreren Teichen und Bächen. „Hier weht auch an heißen Tagen ein angenehm frisches Lüftchen“, sagt Uta Wenning-Kuschel vom LWL-Freilichtmuseum. Auch in den Werkstätten hinter Fachwerk- und Bruchsteinmauern ist es im Sommer stets kühler als draußen. Hilft das alles nichts, taucht man einfach seine Füße in das kühle Nass des Wasserspielplatzes. Wenning-Kuschel hat außerdem noch einen Tipp: „Wer schon morgens um neun Uhr kommt, kann die erfrischende morgendliche Waldluft genießen und drei bis vier Stunden auf dem Gelände verbringen, ohne in die heiße Nachmittagszeit zu kommen.“ Für einen anschließenden Mittagssnack bieten sich im Anschluss die über einem kleinen Bach gelegenen Museumsterrassen, der Biergarten mit Schatten spendenden Sonnenschirmen oder die stets kühle historische Braustube an.

 




155,9 Mio. Euro vom LWL für soziale Aufgaben im Kreis

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat im Haushaltsjahr 2017 rund 201,3 Millionen Euro (2016: 188 Millionen Euro) im Kreis Unna ausgegeben. Der Kreis zahlte im selben Jahr einen Mitgliedsbeitrag von 102,6 Millionen Euro (2016: 96,1 Millionen Euro) an den Kommunalverband. Die Differenz stammt im Wesentlichen aus Bundes- und Landesmitteln. Das erklärten jetzt die in der LWL-Landschaftsversammlung vertretenen Abgeordneten des Kreises.

Mit dem größten Teil des Geldes unterstützte der LWL behinderte und pflegebedürftige Menschen. Insgesamt flossen 155,9 Millionen Euro (2016: 117,8 Millionen Euro) in diese sozialen Aufgaben, beispielsweise an die Hellweg Werkstätten in Bergkamen und an WfbM Caritas Nordkirchen.

In der Landschaftsversammlung ist der Kreis Unna durch Wilhelm Jasperneite (CDU), Marco Morten Pufke (CDU), Brigitte Cziehso (SPD), Sascha Alexander Kudella (SPD), Ursula Lindstedt (SPD) und Werner Sell (Die Linke) vertreten.

„Menschen mit Behinderung sollen durch die finanzielle Unterstützung möglichst gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, wie es das neue Bundesteilhabegesetz fordert“, heißt es in einer Erklärung der Abgeordneten. Zu einem normalen Leben gehöre auch das Wohnen in den eigenen vier Wänden: Der LWL fördert daher das Ambulant Betreute Wohnen als Alternative zum stationären Leben im Wohnheim. Im vergangenen Jahr unterstützte der Kommunalverband deshalb 1.232 (2016: 1.165) Menschen im Kreis Unna dabei, alleine oder mit anderen in der eigenen Wohnung leben zu können.

2017 zahlte der LWL im Kreis Unna für 936 (2016: 940) Wohnheimplätze. Außerdem finanzierte er 1.667 (2016: 1.650) Arbeitsplätze in Werkstätten für Menschen mit wesentlicher Behinderung. Betriebe, die – gemessen an ihrer Mitarbeiterzahl – zu wenige schwerbehinderte Menschen beschäftigen, entrichten eine Ausgleichsabgabe. Aus diesen Mitteln investierte das LWL-Integrationsamt im vergangenen Haushaltsjahr 1,9 Millionen Euro (2016: 2 Millionen Euro), um Menschen mit Behinderung ins Arbeitsleben zu integrieren, ihren Arbeitsplatz den eigenen Bedürfnissen entsprechend anzupassen oder zu erhalten.

245 (2016: 241) Kinder mit Behinderungen aus dem Kreis Unna besuchten 2017 einen Förderschulkindergarten oder eine Förderschule des LWL. Rund 3,4 Millionen Euro (2016: 3,3 Millionen Euro) zahlte der Landschaftsverband dafür, dass 466 (2016: 465) behinderte Kinder zusammen mit ihren Altersgenossen ohne Behinderung eine von 168 (2016: 170) Regel-Kindertageseinrichtungen besuchen konnten.

An Entschädigungsleistungen zahlte das LWL-Amt für Soziales Entschädigungsrecht 2017 etwa 4,8 Millionen Euro (2016: 5,2 Millionen Euro). Zu den Leistungsempfängern gehörten unter anderem Kriegsopfer und Hinterbliebene.

Im Kreis Unna arbeiteten im vergangenen Haushaltsjahr 85 (2016: 80) Menschen im Dienste des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, nämlich in den Außenstellen der LWL-Kliniken Dortmund und Hamm.

 




Keine „chemische Keule“ gegen Wespen

Wespen: Ein Sommer ohne sie ist kaum denkbar. Vor allem Garten- und Balkonbesitzer fragen sich jedes Jahr aufs Neue, wie gefährlich die Tiere sind und wie man sie wieder los wird. Tipps gibt der Fachbereich Natur und Umwelt – denn Wespe ist nicht gleich Wespe. Viele Arten sind harmlos.

„Wespen bestäuben durch das Sammeln von Nektar Pflanzen und fangen zusätzlich Fliegen, Läuse und andere lästige Insekten“, sagt Peter Driesch vom Fachbereich Natur und Umwelt. „Für das Naschen an Kuchen, Limonade, aber auch Gegrilltem sind nur zwei Arten verantwortlich: die deutsche und die gewöhnliche Wespe.“

Tipps zum Schutz

Kuchen, Limonade, vergorenes Obst und sonstige Zuckerquellen gewinnen hierbei für beide Arten vor allem zum Spätsommer bzw. Herbst an Bedeutung, wenn die Wespenkolonien beginnen Vorräte für den Winter anzulegen. Im Hochsommer treten beide Arten jedoch noch überwiegend als Nützlinge auf, die mit den erbeuteten Insekten ihre Brut aufpäppeln.

Beide Arten bilden mit 3.000 bis 5.000 Tieren relativ große Völker und nisten in Hohlräumen jeder Art in Haus und Garten. Im Gegensatz zu anderen harmlosen Arten bauen diese beiden Plagegeister auch relativ große Nester.

Wespennester entfernen?

Die Untere Landschaftsbehörde empfiehlt, die Nester nicht mit der „chemischen Keule“ zu bekämpfen. Oft reicht es, einen Abstand von zwei bis drei Metern zum Nest zu halten und Erschütterungen z.B. durch Rasenmähen zu vermeiden. „Auch sollte die Anflugbahn zum Nest nicht versperrt werden, und die Insekten nicht durch Stochern in Einfluglöchern provoziert werden“, rät Driesch. Professionelle Hilfe ist bei der Entfernung von Nestern nur in den seltensten Fällen notwendig. Bei einer Umsiedlung ist unter Umständen auch die Untere Landschaftsbehörde zu beteiligen. PK | PKU




Kürbisse schnitzen auf dem Hof Ligges

Pflücken, schnitzen, staunen: Rund 200 verschiedene Kürbissorten wachsen auf den Äckern der Familie Ligges in Wasserkurl. Auf einer Roter Rucksack-Tour des SPD-Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek am Donnerstag, 23. August, von 15 bis 17 Uhr erfahren große und kleine TeilnehmerInnen, wie erstaunlich vielseitig das sogenannte Fruchtobst ist. Dafür geht es raus auf’s Feld, wo die Kürbisse nicht nur gepflückt, sondern auch ausgehöhlt und mit gruseligen Fratzen versehen werden können. Spielt das Wetter nicht mit, findet die Aktion im ehemaligen Pferde- und Bullenstall auf dem Hof statt. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Treffpunkt: Kürbishof Ligges, Afferder Str. 1, 59174 Kamen

Aus organisatorischen Gründen muss die Teilnehmerzahl für den Ausflug begrenzt werden. Daher bittet das Bürgerbüro von Oliver Kaczmarek interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer um eine zügige Anmeldung. Gerne telefonisch unter Tel. 02303 2531450 oder per E-Mail an oliver.kaczmarek.ma05@bundestag.de




Weingenuss mit Abenteuerreise und viel Rebensaft

Ein gutes Glas Wein trinken, während sich der Sonnenuntergang im Wasser spiegelt: Das ist in Bergkamen längst Tradition. Die Marina ist in diesem subtropischen Sommer nicht nur ein Geheimtipp für alle, die es gern mediterran lieben. Einmal im Jahr zieht sie beim „Weingenuss am Wasser“ auch Weinliebhaber an. In diesem Jahr mit besonders exotischen Versuchungen.

Wer beim 7. Weingenuss am Wasser einen Platz finden wollte, musste früh kommen.

Polnischer Wein: Eine Premiere auf dem Weinfest.

Dass es in Polen exquisiten Wein gibt, wissen wohl nur besonders eingefleischte Liebhaber des Rebensafts. Die Bergkamener entdeckten das auch nur durch Zufall. „Bei einem Besuch im vergangenen Jahr brachten die Gäste aus Wieliczka eigenen Wein mit. Der stammte von einem Weingut in der Nähe, das wir uns auch angeschaut haben“, erzählt Bürgermeister Roland Schäfer. Die Besonderheit: Der Wein wird biologisch-dynamisch angebaut, die Eigentümer reisen durch ganz Europa und sind Koryphäen in ihrem Fachbereich. Weiß- und Rotwein, Apfelwein und Seifen: Am polnischen Stand herrschte reger Andrang.

Auch zum ersten Mal dabei: Wein aus Silifke.

Ebenso neugierig waren die Bergkamener auf die zweite Weinpremiere. Der türkische Wein kam mit einiger Verspätung und hatte eine kleine Abenteuerreise im Gepäck. Auch diese Spirituose entdeckte die Stadtverwaltung bei einer Resie in die türkische Partnerstadt Silifke und einem Besuch auf einem Weingut. Letztere sind in der Türkei dünn gesät und eine echte Rarität. Man vereinbarte einen Verkauf auf dem Bergkamener Weinfest und leitete alle erforderliche Bürokratien ein. Die sind für außereuropäische Produkte und insbesondere für Spirituosen nicht eben wenige.

 

Abenteuerliche Weinreise durch halb Europa

Kiwi-Saft und Wein aus Neuseeland.

Es musste ein Importeur gefunden werden, der Wein geprüft werden, es waren besondere Etiketten erforderlich. Es war schließlich auch eine Spedition gefunden. „Wir bekamen täglich eine Lagebeschreibung und waren ständig informiert, wo sich der Wein gerade in Europa befand“, schildert Thomas Hartl, Leiter der zentralen Dienste. Alles lief wie geschmiert. Bis sich abzeichnetete, dass es am Freitag zeitlich mehr als eng wurde. Ein Sprinter wurde nach Nürnberg geschickt, um den Wein in Empfang zu nehmen. Das gelang allerdings erst am späten Nachmittag. Mitten im Ferienverkehr kam der Wein erst spät in der Nacht in Bergkamen an. Am türkischen Weinstand musste man sich derweil mit Raki aushelfen. „Wir haben ganz schön gezittert – aber am Ende hat es ja doch noch geklappt“, resümiert Thomas Hartl.

Auch die Klassiker aus Deutschland wurden eingeschenkt.

Leichter hatte es da der Wein mit der größten Entfernung. Der Rebensaft aus Neuseeland hat mit dem Neuseelandhaus seit vielen Jahren einen festen Abnehmer in Bergkamen. In diesem Jahr bereichert um Kreationen mit Kiwisaft, die zusätzlich für farblichen Augenschmaus sorgten. Aber auch die klassischen deutschen Weine durften auf dem Platz in der Marina nicht fehlen.

Stammgast beim Weingenuss: Die S.O.S. Mobilband

Auch ohne die Weinprozente war die Stimmung famos. Gleich am ersten Abend wagten die Bergkamener beim ersten musikalischen Besuch von „Massimo & Anna“ ein Tänzchen am Ufer der Marina. Die S.O.S Mobilband ist längst eine Institution und musizierte auch schon mal auf den Tischen mitten in der Besuchermenge. Für einige Besucher ging es auch auf dem Handy mediterran zu. Etwa wenn die Bekannten und Verwandten Impressionen ihrer Urlaubsreise in den Süden über soziale Netzwerke teilten. Oder wie im Falle des SPD-Fraktionsvorsitzenden Bernd Schäfer, dessen Tochter aus Portugal gerade einen Sieg bei den Wettkämpfen der europäischen Universitäten in Coimbra in Portugal im Damenhandball bejubelte.

„Kabellos“ geht es am Sonntag mit Jazz und Evergreens weiter. Und natürlich mit reichlich Wein, viel Sonne und guter Laune. Bis 18 Uhr sind die Stände geöffnet. Übrigens erstmals bereits ab 12 Uhr, nachdem die Gäste im vergangenen Jahr schon mittags auf den Bänken saßen auf ein Weinglas hofften.




Drei Tenöre und das BOB: Bergkamener bejubeln das Klassik Open-Air

Tolles Ambiente beim Klassik Open-Air vor dem Rathaus auf dem Platz der Partnerstädte.

Und hopp: Die drei Freunde und Tenöre begeisterten auch mit akrobatischen Einlagen.

Kinder, die ihre Köpfe durch die Geländer stecken und mit offenen Mündern auf die Bühne starren. Jugendliche, die vom Parkhausdeck aus applaudieren oder mit Kopfhörern im Ohr plötzlich neben der Bühne stehen. Zufällige Passanten, die sich aus heiterem Himmel mit Hunderten von Gesichtern konfrontiert sehen und zur Salzsäule erstarren, während direkt neben ihnen ein Tenor alles aus seinen Stimmbändern herausholt. Klassik unter freiem Himmel ist in Bergkamen immer ein besonderes Erlebnis mit unvorhergesehenen Einlagen. Auch am neuen Platz.

Zur Musik mit Wein gurgeln: Auch das ist Open-Air-Flair.

Denn auch auf dem Platz der Partnerstädte waren es vor allem die Zwischenfälle, die den besonderen Charme des Musikabends ausmachte. Da marschierte einer der Tenöre schon mal selbst aufs Parkdeck, um die Lärmeinlage von Jugendlichen zu beenden. Er brachte sie kurzerhand mit. Da wurden hinter der Bühne fleißig Online-Beiträge gepostet, während auf und vor der Bühne die Stimmung immer besser wurde. Auch wenn schon mal ein Teil der Saite vom Geigenbogen riss oder das Mikrofon erst ein wenig zu spät eingeschaltet war: Da flogen die Tenorbeine beim Cancan hoch, da wurde endlich der Wein auf die Bühne gereicht, damit nicht nur angestoßen, sondern auch passend zur Musik gegurgelt werden konnte. Da wurden Tenöre an den Beinen in die Luft gehoben, es wurde geschunkelt und gestampft. Vor allem aber schraubten sich die Stimmen angefeuert vom Publikum in ungeahnte Höhen.

Mit dem BOB in Stimmung kommen

Das Blasorchester Bergkamen machte den Anfang dieses besonderen Klassik-Abends.

Angefacht hatte bereits das Blasorchester Bergkamen die hochsommerliche Stimmung auf dem Platz der Partnerstädte. Mit Mary Poppins, der Eisprinzessin oder Carmen ging es munter durch die Klassikwelt. Fantasia, Rossini, die diebische Elster: Der Auftakt war bereits ein eigener Musikhöhepunkt, der die Bergkamener von den Besucherstühlen holte. Tenor Stefan Lex beobachtet das begeistert und voller Respekt: „Ein tolles Orchester“, kommentiert er am Rand der Stufen, die an diesem Abend zur Bühne wird. „Der neue Platz gefällt mir auch fast noch besser als der alte in der City. Das Ambiente ist toll und die Akustik hervorragend!“

Je später der Abend desto besser die Stimmung.

Vor allem aber faszinierte ihn und seine zwei Tenor-Freunde Michael Kurz und Thomas Heyer das Publikum. „Ihr seid das beste Publikum der Woche – ach was, des Monats!“, jubelten sie in die Mikrophone, nachdem geschlossen mitgeklatscht, gestampft und gesungen wurde. „Bergkamen ist die Kulturhauptstadt 2018“, setzten die Sänger noch einen drauf und stießen mit ihren Weingläsern an. Sie wussten, was sie sagten: Schon einmal standen sie beim „Sommer in Bergkamen“ auf der Klassikbühne unter freiem Himmel. Schon einmal tobten die Besucher. So auch an diesem Abend.

Mehr als nur eine Zwischeneinlage: Die Damen vom Ensemble Pomp-A-Dur sorgten für Augen- und Ohrenschmaus.

Es war allerdings auch nicht schwer, angesichts des Programms in Stimmung zu kommen. Mozart, Verdi, Bizet, Lehar, Brahms, Strauss: Das waren nur einige der großen Namen, deren Kompositionen den Bergkamenern in die Glieder fuhren. „Wien bleibt Wien“, die „Zigeunergeigen“, „Dein ist mein ganzes Herz“, „La donna e mobile“: Das meiste kannten auch die eher Unbeleckten unter den Zuhörern. Gehen lassen wollten die das Trio mit dem Ensemble Pomp-A-Dur dann auch nach mehr als zwei Stunden nicht. Immer wieder waren Zugaben gefordert. Da war die Sonne längst untergegangen, als noch einmal „O sole mio“ durch die lauwarme Sommerluft schwappte. Vielleicht ja bis zum nächsten Mal…

 

 




Bei der Poololympiade sind die Kleinsten die Mutigsten

Augen zu und ab ins Kühle nass: Das Ziel liegt am Ende des Hindernisparcours unweigerlich im Wasser.

„Heute Abend bin ich heiser und taub“, stellt die Schwimmmeisterin lachend fest. „Aber was soll’s: Die Kinder und Jugendlichen haben riesengroßen Spaß, das zählt!“ Doch vorher müssen noch ein blutendes Knie und ein Stich im Fuß versorgt werden. Denn an diesem Samstag ist Großkampftag im Wellenbad in Weddinghofen. Die Temperaturen sind auf Rekordniveau. An der Kasse bilden sich bereits Schlangen. Die Poolparty beginnt und mit ihr ein gigantischer Wasserspaß an einem vorbildlichen Hochsommertag.

Der Balanceakt geht auch schon mal daneben. Dann einfach wieder rauf und weiter geht’s.

„Im letzten Jahr waren wir hier mehr Helfer als Badbesucher“, erinnert sich der Organisator von den GSW. „Im Jahr davor war es einfach nur kalt.“ Jetzt hat sich das sommerliche Blatt vollständig gewendet. Seit Wochen ist der Sommer kaum zu bremsen. Der Rasen im Wellenbad hat sich in trockenes Heu verwandelt. Die Sonne knallt vom Himmel und die Stimmung ist euphorisch angesichts der riesigen mit Luft gefüllten Hindernisstrecke, die dort im Sportbecken auf dem Wasser schwankt. Die Poolparty hat kaum begonnen, da sind bereits 100 Lochkarten an die kleinen und größeren Teilnehmer verteilt.

Das macht Spaß: Die Kleinsten sind die Mutigsten auf unsicherem Untergrund.

Dabei ist das, was da zu bewältigen ist, gar nicht so leicht. Klettern, Krabbeln, Springen, Rutschen, Balancieren: Das alles auf mehr als wackeligen und glitschigen Luftpolstern, die auf den Wellen tanzen. Mancher steht wie angewurzelt vor der bedrohlichen Herausforderung und geht erst einmal ein paar Sekunden lang in sich. Andere stürmen voller Begeisterung drauflos ohne einen Hauch von Angst. Mal landet der Vorsichtige mit einem gewaltigen Klatsch im Wasser, Mal der Draufgänger. Sie alle haben aber eines gemeinsam: riesengroßen Spaß!

Ist auch eine Herausforderung: Mit dem Kettcar den Parcours bewältigen.

Zwischendurch locken ein leckeres Eis, eine Pommes oder einfach nur ein entspanntes Sonnenbad. Dann geht es schon wieder weiter zur nächsten Herausforderung. Kanus stehen aufgeblasen bereit für den Geschicklichkeitsparcours. Mit Schwimmflossen an den Füßen ist der Wasserbiathlon zu bewältigen – die Zielpunkte mit der Wasserpistole zu treffen, ist dabei noch die geringere Herausforderung. Zielwerfen und Klettcarparcours: Wer an diesem Tag im Wellenbad nicht ausgelastet war, hatte selbst Schuld.

Eines jedenfalls steht fest: Die Kleinsten waren an diesem Tag die Mutigsten. Und auch diejenigen, die so etwas in einem anderen Leben in einem anderen Land mit anderer Kultur noch nie gesehen hatten. Sie stürmten restlos begeistert und völlig unbekümmert einfach drauflos und sammelten dabei nicht nur wertvolle Erfahrungen, sondern vor allem riesengroßen Spaß.




Mini-Zirkusstars begeistern in der Manege

Die Nagelplatte ist ein Kinderspiel. Auf dem Scherbenteppich hüpfen sie, als wäre er aus Watte. Sie turnen in luftiger Höhe und balancieren federleicht über Seile. Die Kinder der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule in Rünthe sind todesmutige Artisten. Seit genau einer Woche.

Fakirkunst vom Feinsten im vollbesetzten Zirkuszelt.

Clowneske Seiltänzerei, die begeistert.

Keines von ihnen hat zuvor jemals Schwerter in eine Kiste gesteckt oder mit Feuerfackeln jongliert. Als Clowns waren die wenigsten je in einer Manege und brachte Hunderte von Zuschauern zum Lachen. Was sie in den vergangenen sieben Tagen gelernt haben, ist mehr als nur Zirkuskunst. Da steckt einiges für’s Leben drin, wenn gemeinsam im Schwarzlicht getanzt oder am Trapez unter der Zirkuskuppel der eigene Schweinehund überwunden wird.

Feurige Darbietungen.

Manche Lehrer kommen zu uns und fragen, was wir mit den Kindern gemacht haben – viele von ihnen zeigen hier ganz verblüffende Fähigkeiten“, schildert Zirkusdirektor Lars.  Wer sonst im Sportunterricht fast panisch am Kurselkopf scheitert, der springt in der Manege wie ein Floh über das Seil. Schüchterne und Zaghafte entfalten als lustige Clowns schauspielerische Unterhaltungstalente. „Die Kinder erfahren hier viel über sich selbst – und wir über sie“, erläutert Schulleiterin Heike Prochnow. „Wir erleben hier auch, dass der Zusammenhalt in den Gruppen noch viel enger wird – und das jahrgangsübergreifend“, ergänzt sie. „Die Kinder müssen sich in der Manege aufeinander verlassen – das schweißt zusammen.“

In der Zirkusmanege bei Null anfangen

Gemeinsame Performance im Schwarzlicht.

Genau das ist das Konzept von Zirkus Phantasia. Seit das Zirkusteam am Samstag vor einer Woche sein Zelt mit der Hilfe von 60 Eltern aufgebaut hat, gelten ganz andere Regeln als im Schulalltag. „Wir brechen die Klassenverbände auf“, erzählt der Zirkusdirektor. „Die Angst bleibt draußen vor dem Zirkuszelt. Kinder werden heute oft unterschätzt. Wir lassen sie hier einfach machen“, schildert er. „Das ist für viele auch eine Chance. Wir kennen sie nur so, wie sie bei uns in der Manege stehen – nicht aus dem Klassenraum und auch nicht aus ihrem familiären Umfeld. Sie können bei uns quasi bei Null anfangen.“

Mutig und hochkonzentriert mit der Feuerfackel.

Der Zirkusdirektor ist gelernter Schauspieler und Regisseur, hat im Heidepark Soltau Aufführungen inszeniert. Dann heiratete er in die Zirkusfamilie ein. Jetzt ist die Arbeit mit Kindern nach eigenen Konzepten seine Welt. Eine Welt, in der die 215 Kinder der Schule mit Haut und Haaren abgetaucht sind. Übrigens schon zum zweiten Mal. Viele ehemalige Zirkusartisten, die schon vor vier Jahren das Projekt mitgemacht haben, waren jetzt unter den Zuschauern. Das Erlebnis prägt – über Jahre hinweg. Deshalb ist das nächste Zirkusprojekt auch schon gebucht, für das Jahr 2021.

Am Samstag halfen die Eltern wieder mit, um das Zirkuszelt abzubauen. Für viele war dabei eine große Portion Wehmut im Spiel. „Es wird komisch sein, wenn die Wiese hier leer sein wird“, meint die Schulleiterin.




Bergkamener Künstler schlagen Brücken und setzen wieder eine Wegmarke

Wegmarken setzen sie jährlich. Ausschließlich mit Kunst. In diesem Jahr sind es Briefe im Briefkastenschlitz, Schläuche am offenen Herzen, gleich mehrere Flugzeuge am Berliner Himmel oder Dortmunder Bauwerke. „Brücken“ lautet die Wegmarke 2018 und damit das Thema der Jahresausstellung der Künstlergruppe Kunstwerkstatt sohle 1.

Knoten mit Taschentüchern: spannend war die Ausstellung in der Ausstellung von den Preisträgern des Wettbewerbs der Kunstwerkstatt sohle 1.

Dieter Treeck schlug bewährt vielschichte verbale Brücken zum Auftakt der Vernissage im Bergkamener Stadtmuseum.

Einige Brücken haben es nicht an die Ausstellungswände geschafft. Sie sind im Mund von Dieter Treeck geblieben. Zum Glück, denn so konnte er auf bewährt süffisante Weise der Vernissage im Stadtmuseum noch seine persönliche Note mit auf den Weg geben. Immerhin hatte er seine ganz eigene „Brückenkatastrophe“ als Röntgenbild verewigt. Auch für die übrigen verbalen Brücken fand er lebhafte sehr persönliche Bilder. So warten in Budapest bereits poetische Brücken auf Dieter Treeck. In einem der berühmten Cafés, wo er schon vor einiger Zeit einen literarischen Brückenschlag auf eine bekleckerte Serviette kritzelte. Oder der dichterische Brückenschlag mit Künstlerkollege Egon Piepenbrink, der mit einer Zufallsbekanntschaft auf Lanzarote begann und in einem Faxduell der Gedichte mit mehr als 2000 Produkten endete.

Da werden auch symbolisch zwischenmenschliche Brücken geschlagen.

Ausloten, strapazieren, interpretieren sollen die Künstler die jährliche Wegmarke, so der Beigeordnete Marc Alexander Ulrich. Brücken bauen, schlagen, verbinden: Das sind nur einige Ergebnisse, die es bei dieser Herausforderung an die Ausstellungswände geschafft haben. Da sind die optimistischen Brücken, die sich ein wenig verrückt aus rostigem Stahl erheben. Da sind Brücken der Hoffnungslosigkeit, von denen die Menschen ins Nichts purzeln. Die eingestürzte Brücke von Mostar, Brücken, die aus Schläuchen zum Herzen geschlagen werden oder die Luftbrücke von Berlin: Es sind historische Schlaglichter, Momente aus dem Alltag, Symbole und direkte Abbildungen, die in allen Materialien, Formen und Farben in der Galerie sohle 1 zu sehen sind.

Die Preisträger und Teilnehmer des Wettbewerbs „Knoten“.

Doch die Ausstellungseröffnung hatte neben der brückenschlagenden musikalischen Begleitung des Hammer Duos „Kim und Partner“ noch mehr zu bieten: Eine Ausstellung in der Ausstellung. „Wir wollten endlich den Knoten der Isolierung und Abgeschiedenheit durchschlagen“, schildert Vorstand Silke Kieslich die Motivation, einen Wettbewerb samt Preis auszuloben. Anlass dafür war das 20-jährige Bestehen der Kunstwerkstatt im vergangenen Jahr. „Knoten“ lautete dabei das Thema. Beteiligt haben sich viele. Mit Wanderstockknoten, Knoten gegen das Vergessen als Mobilé, Weiberknoten, Knotenpunkten oder Versen in Taschentuch-Knoten bewarben sich die Teilnehmer, die überwiegend Frauen waren. Die drei Preise gehen an: Ilse Hilpert, Margarete Eppendorf und Elisabeth Lea. Weitere Werke werden von Elke Bussemeier, Karin Felgenhauer, Sigrid Geerlings-Schake, Dieter Paetzold und Germaine Richter gezeigt.

Briefe als Brücken der anderen Art.

Es gab aber auch noch einen traurigen Moment bei der Vernissage. Ein Gedenkmoment war den kürzlich verstorbenen Gründungsmitgliedern Gisela Schmidt und Theodor Wiese gewidmet. Die Jahresausstellung endet mit der Finissage am 22. Juli.




Finale beim Hafenfest mit schwimmenden Bienen und kenternden Häusern

Die echten Bienen hielten sich beim Hafenfest zum Glück zurück. Die schwimmenden dagegen gaben richtig Gas. Zwei Wochen lang haben die Nachwuchs-Imker des Imkervereins Bergkamen-Wischerhöfen gesagt, genagelt, getackert, geklebt und genäht, um eine idyllische Blumenwiese auf das Hafenwasser zu zaubern. Denn beim Flying Dutchman-Wettbewerb geht es nicht nur um den offensichtlichen Spaß. Da ist auch eine politische Message mit im Spiel.

Die Flying Dutchman bei ihrer Parade durch das Hafenbecken.

Die Bienen und Imker sind auf ihrer Wiese auf dem Weg ins Ziel.

„Wir wollen natürlich auch auf die Situation der Bienen aufmerksam machen“, erzählt der Sprecher. Die fleißigen Obstproduzenten haben es gerade nicht leicht: Milben, Pestizide, eigenartige Viren. Dagegen gibt es immer mehr jüngere Menschen, die das Imker-Metier begeistert. Der Verein erlebt gerade einen Generationenumbruch und freut sich über 50 Mitglieder. Da macht es umso mehr Freude, zum ersten Mal in dieser Konstellation in See zu stechen. Dass es dabei schon mal eine Ladung Wasser aus der benachbarten Neandertalergemeinschaft oder vom sinkenden Haus gibt, gehört bei diesem Wettbewerb zum guten Ton.

Viel los war auch am zweiten Tag beim Hafenfest. Für die Lebensretter vom DRK, der Feuerwehr, dem THW und der DLRG waren die Einsätze bei Hilfeleistungen dennoch übersichtlich.

Wer nun den lautesten Applaus geerntet hat und damit zum Sieger gekürt wird, ist eigentlich völlig egal: Gewonnen haben irgendwie alle. Auch die Bienen, denn einigen von ihnen wurde es mit den Menschenmengen dann doch zu bunt und sie stachen zu. Das bescherte den Helfern vom DRK eine von wenigen Hilfeleistungen. Fünf Erstversorgerteams waren über das Gelände verteilt, dazu gab es zwei Unfallhilfsstellen, zwei Rettungswagen und unzählige Boote von der DLRG und vom THW. „Es war im Verhältnis gesehen relativ ruhig“, interpretiert ein DRK-Leiter die Zahlen. 30 Einsätze am Samstag, darunter 5 ernstere Vorfälle mit Rettungswageneinsatz sind bei solchen Menschenmengen fast normal. Kreislauf, Schnittwunden, Blasenpflaster: Es waren eher die kleineren Hilfeleistungen, die gefragt waren.

Früh übt sich, wer später mal Bootsbesitzer sein will. Auch dazu gab es Gelegenheiten genug.

Kein Wunder, war das Wetter doch bis auf den Freitag hochsommerlich bombastisch und die Stimmung entsprechend gelöst. Irish Folk, Shanty Musik, musizierende Boote und eine musikalische Einheit für die Kinder: Es waren einmal mehr Heerscharen von Menschen auch im Piratenlager oder auf der Wiese mit dem Kinderspaß unterwegs. Zusätzlich hatten einige Boote ihre Kajüten geöffnet und zur Besichtigung eingeladen. Wer das nötige Kleingeld dabei hatte, konnte sich also spontan mit einem schwimmenden Untersatz versorgen. Oder wenigstens einmal in einem nagelneuen Exemplar Probe sitzen. Rundfahrten mit der Santa Monica, ein Drachenboot-Rennen nach dem nächsten: Es war auch am zweiten Tag schwer, alle Programmpunkte zu erwischen.

Zum Glück gibt es ja das nächste Hafenfest, um das Versäumte nachzuholen…