Hafenfeuer lockt zum dichtgedrängten Frieren mit Feuerkunst

Lieber nicht zu nah kommen: Die Feuerkünstler sind unterwegs!

Ganz klar, die Bergkamener haben Entzugserscheinungen. Viel zu lang scheint die letzte Großveranstaltung her zu sein. Selbst wenn die Füße, Nase und Hände abfrieren: Am Wochenende mussten einfach alle raus ins Freie in die Marina. Wo man noch im vergangenen Jahr bequem einen Parkplatz fand und genügend Platz um sich herum hatte, um mit dem Cocktail in der Hand auch ein spontanes Tänzchen zu wagen, ging es jetzt beim Hafenfeuer zu wie in der Sardinenbüchse.

Eiskalt war es am Wochenende – und gemütlich am heiß begehrten Lagerfeuer.

Es hat zwar etwas gedauert, bis es sich herumgesprochen hat. Jetzt müssen sich die Organisatoren aber etwas überlegen, um all die Menschen dort unterzubringen, wo von Freitag bis Sonntag die in diesem Fall außerordentlich gute irische Musik spielte. Hier wurde mancher Zeh bei dem Versuch gequetscht, noch einen freien Quadratzentimeter zu finden, um mit dem Dudelsäcken über den Platz zu flanieren. Auch die Stelzenläufer hatten zumindest am Samstagabend so ihre liebe Not, überhaupt noch einen Weg mit flammenden Fackelkäfigen durch die Menge zu finden.

Überhaupt keine Berührungsängste gab es unter den Zuschauern.

Da waren die Dudelsäcke längst leicht angefroren und für die nackten Keltenbeine hielten auch Feuerkörbe keine Wärme mehr bereit. Mit Handschuhen und Mützen wurden regelrechte Kämpfe um den Platz am Lagerfeuer ausgefochten. Denn von innen wirkte die diversen flüssigen und festen Aufwärmmittelchen auch nicht mehr. Wer sich gar mit rund 200 Gleichgesinnten zu einem Fackelzug in die nähere und finstere Umgebung aufgemacht hatte, der brauchte umso mehr eine feurige Wärmequelle.

Auch die Feuerkörbe waren begehrt, denn nach dem Fackelspaziergang war mancher Körperteil eingefroren.

Wohl dem unter den Besuchern, der mit dickem Winterfell aufwarten konnte. Der mannshohe Bernadiner war eine eigene Attraktion zwischen den Buden, die auch für Hundenasen verlockende Düfte ausströmten. Überhaupt tummelten sich auffällig viele langmütige Vierbeiner in der dicht gedrängten Menschenmenge. Pinguine und Eisbären waren jedoch zum Glück aus Kunststoff und Kunstfell, dafür umso stilechter als Kulisse für Kinderkreativität und spannende Lesungen aus dem Dustertal.

Vielleicht hat der Klimawandel in Zukunft ja ein Einsehen und die Marina friert zu. Dann gäbe es jedenfalls reichlich Platz für alle, die einen Hauch von echtem Winter nicht allein genießen wollen.

 

 




Gemächlich mit Vorfahrt auf der Kabarett-Überholspur unterwegs

Ein Hohelied auf die klimaneutrale Liegeradgeneration.

Die großen Kabarettbühnen kennt sie in- und auswendig. Barbara Ruscher gehört zur ersten Riege der deutschen Humorgarade, insbesondere der weiblichen. Dennoch war es am Freitag eher, als hätten sich die Bergkamener und sie zufällig am Büdchen nebenan getroffen. Einzig Flügel und Lesetisch erinnerten daran, dass der nette Plausch durchaus geplant war. Die größte Begeisterung löste dennoch der unfreiwillige Humor aus.

Auch singen kann Barbara Ruscher, sogar durchaus böse über die AfD und andere politische Auswüchse.

Etwa beim finalen Lob für das „wunderbare“ studiotheater, das ja bekanntlich unter schweren Alterserscheinungen leidet, eine komplette Sanierung benötigt und auch am Freitag wieder technische Besonderheiten offenbarte. Fast rührend mutete auch ihre Verzückung über die Bergkamener Fürsorglichkeit an, die mit WLan und Erfrischungsangeboten für eine bei Künstlern wohl ungewohnte „Pflegestufe im Backstagebereich“ sorgte.

Engagierte Empörung über Helikopter-Eltern.

Nett war ihr als ausgebildete Lehrerin pädagogischer Blick auf rebellierende Retro-Kindergeburtstage mit Sackhüpfen als fast verzweifelte Antwort auf die grassierende Event-Kultur unter Helikopter-Eltern für „bilinguale Klugscheißer“. Die Fifa bekam als Wohltätigkeitsverein mit Inklusionskultur für Sehbehinderte ebenso ihr Fett weg wie große Lebensmittelkonzerne als „Wassa-Massa“ mit weltweit bedenklichem Einfluss auf die Trinkwasserversorgung. Die Live-Übertragung über die skurrilen Auswüchse unter Hooligan-Eltern am Spielfeldrand hatte charmanten Schmunzelfaktor, ebenso der Abgesang auf die Ü40-Drohnen auf E-Bikes und Liegeräder mit Luftpumpe und Klingeling. Mehr aber auch nicht.

Auch gedichtet wird bei Baraba Ruscher – stilecht am Literatentisch.

Ruscher schien ebenso ratlos wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen angesichts des verbreiteten ganz normalen Wahnsinns. Die Merkel-Mandalas für Flüchtlinge, AfD-Songs auf die „Dummheit als nachwachsenden Rohstoff“ und den Anti-Rap mit Hand im Schritt als Zeichen der Empörung, die sich so recht keinen Rat weiß. Schade, dass auch sie dann immer wieder in die untere Humor-Kiste mit Zipfelnormen, Nacktwanderwegen und Apotheken-Begegnungen beim Spiralenkauf griff. So richtig auf die Überholspur kam sie jedenfalls nicht, auch wenn die Gastgeber ihr mit warmem Applaus freundlich Vorfahrt getreu ihres Tourmottos gewährten. Aus spannenden Themen hätte sie, die durchaus bissig hier und dort den Kern in der „Hose mit Schiss“, beim Schulklolied oder bei der Luftprivatisierung im Klimawandel-Hype trifft, mehr als nur eine Nebenbemerkung machen können.

So blieb es bei einem netten Abend mit einem freundlichen Abschied. Und dem mehr als treffenden Hinweis, dass sich das Bergkamener Kabarett-Programm auch im Auge des Profis sehen lassen kann. Hoffentlich nehmen Barbara Ruscher auch jene wörtlich, die kein Abo fürs studiotheater besitzen und spontan eine Karte kaufen. Denn auch dieser Kabarett-Abend hat immerhin den Blick für das geöffnet, worauf wir alle ein ebenso wachsames wie humorvolles Auge haben sollten.




Anfang vom Abschied, Jubiläen und reichlich neue Aufgaben

Faszinierende Poesie mit Glaskugeln und Körperbeherrschung gab es auf der Bühne.Eigentlich hat er noch 10 Monate und der Schwerpunkt sollte auch auf den Jubiläen 2020 liegen. Dennoch war der traditionelle Neujahrsempfang dann doch so etwas wie der Anfang vom Abschied für Bürgermeister Roland Schäfer. Immerhin war es am Sonntag das letzte Mal, dass er geschmückt mit der Amtskette vor Vertretern aller politischen und gesellschaftlichen Fraktionen Rückblick und Ausblick hielt. Als Stadtoberhaupt mit „äußerster Langlebigkeit in der Politik“, wie seine Amtskollegen aus den Partnerstädten doch etwas neidvoll anerkannten.

Ein persönliches Geschenk aus Wieliczka.

Emotional wurde es in den Grußworten aber auch an anderen Stellen. Als sich Patrice Leclerc, der Bürgermeister der französischen Partnerstadt Gennevilliers, für die gegenseitige Unterstützung „auch in schmerzlichen Momenten“ in Erinnerung an die terroristischen Attentate in beiden Ländern bedankte. Sein Wunsch nach „Frieden und Aussöhnung angesichts dieses Jahresbeginns wie wir es in Europa nach dem Krieg geschafft haben“ sorgte für langanhaltenden Applaus. Auch der Bürgermeister von Hettstedt, Dirk Fuhlert, war tief gerührt als er „heute das erste Mal und im Laufe des Jahres noch häufiger Danke“ sagte für die Unterstützung in der Wendezeit und darüber hinaus – vor allem aber für „Herzlichkeit, Verständnis, Freundschaft“. Er sucht noch händeringend mit seinem Städte-Team in seiner relativ wasserarmen Heimat nach einem Trainingsort, um beim Bergkamener Hafenfest mit einem eigenen Boot anzutreten. Auch Artur Kosiol, der Amtsbruder aus dem polnischen Wieliczka, bedankte sich für infrastrukturelle Hilfe, für „das, was von Herzen kommt“ und den Zusammenhalt der Menschen. Auch er will im Verbund der Partnerstädte über die gemeinsamen 30-jährigen Partnerschaftsjubiläen hinaus „kämpfen für Frieden und mehr Sicherheit“

2020 hat es schon jetzt in sich

Bürgermeister Roland Schäfer zum letzten Mal beim traditionellen Rück- und Ausblick des Neujahrsempfangs.

Es folgte der traditionelle Rückblick auf ein erneut ereignisreiches Jahr, aus dem einiges hervorstach. Ein integriertes Klimaschutzkonzept mit 27 Einzelmaßnahmen, eine neue Leitung für die Freiwillige Feuerwehr, die Räumung von 2 Wohnhäusern und Evakuierung von 95 Menschen inklusive heftigen Widerstands mit anschließend doch noch geglückter Sanierung waren einige davon. Umbau des Pestalozzihauses, Bergkamen als erste Stadt mit Erinnerungsampeln für Römer und Bergbau, Einweihung des Ernst-Flüß-Platzes, seit 3 Jahren ein Haushalt ohne Sicherungskonzept, Abriss der Turmarkaden, Umbau des Rathaus-Centers, Neubau des Kauflands, neue Firmenansiedlungen unter anderem auf der letzten freien Gewerbefläche sind weitere Aspekte.

Emotional und sehr persönlich bedankte sich Patrice Leclerc, der Bürgermeister von Gennevilliers.

Die Liste der 2020 zu bewältigenden Dinge ist nicht weniger lang, angeführt vom Jubiläum der Städtepartnerschaften und der Galerie sohle 1 als älteste kommunale Galerie der Republik – beides im Mai. Richtig Arbeit muss in die Machbarkeitsstudie für Sanierung oder Neubau des Rathauses investiert werden, ebenso in dem Umbau des Museums mit Abriss des Zwischentrakts und Neubau eines Begegnungszentrums. Der Breitbandausbau wird ebenfalls eine Herausforderung, bei der die Schulen und Gewerbegebiete an erster Stelle stehen sollen, 2021 die privaten Anschlüsse folgen. Der Neubau der Jahnschule, diverse Offene Ganztagsschulen und Kitas, Abriss der Heideschule und Neubauten, eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung des studio theaters: 2020 hat es in sich. Die Bodenarbeiten in der Wasserstadt Aden laufen, die Ausschreibung für den See ebenso. Der Radverkehr bekommt einen besonderen Stellenwert mit gleich mehreren Projekten. Das Strukturstärkungsgesetz steht ins Haus mit Konzepten für die Stilllegung des Kohlekraftwerks bis 2038. Ein integriertes Handlungskonzept für Bergkamen-Mitte, Fußverkehrs-Check, Neuaufstellung des Lärmschutzplans, Barrierefreie Stadt BK, Kommunale Altenplanung, Integrationskonzept, digitales Beschwerdemanagement: Im Rathaus und in den politischen Gremien wird es 2020 garantiert nicht langweilig.

Musik gab es von den „Franklins“.

Alles andere als langweilig war es auch auf der Bühne des studio theaters. Dort boten die „Franklins“ handfeste Musik. Gefolgt von Kevin Kalvus, der mit Glaskugeln auf seinem Körper echte Poesie formulierte – auch wenn die Musik dazu eine Weile auf sich warten ließ. Freuen dürfen sich die Bergkamener 2020 nicht nur auf die womögliche Fertigstellung des Bahnübergangs an der Jahnstraße, den 2. Bauabschnitt der L821n, weitere Diskussionen zum GSW-Ganzjahresbad und Planungen zur Nachfolgenutzung des Turmarkadengeländes. Es wird auch eine neue Veranstaltung geben: Mittelalterlich geht es beim Bumannsburgfest am 15. und 16. August zu.




Oberadener Weihnachtszauber mit spannenden Eindrücken

Spaß mit Stockbrot am Mini-Lagerfeuer.

Der Bummel über den Oberadener Weihnachtsmarkt fiel in diesem Jahr deutlich kürzer aus. Zumindest im Museum war die Anzahl der Stände drastisch zusammengeschrumpft. Keine Weihnachtswichtel in der historischen Wohnstube, kein Spekulatius mit antiker Maschine in der Untertagewelt des Bergbaus. An weihnachtlicher Stimmung mangelte es dennoch nicht am Wochenende. Und Überraschungsmomente gab es auch.

Wahre Fluten aus Miniatur-Weihnachtslandschaften.

Weniger ist mehr lautet das neue Motto im Stadtmuseum. Nicht nur der Umbau und die Neugestaltung haben jetzt Priorität. Auch die Sicherheit der Ausstellungsstücke und des Mobiliars. Denn jeder Weihnachtsmarkt hinterließ in der Vergangenheit Spuren etwa an den Wänden, an den Stühlen. Jetzt ist es deutlich luftiger zwischen den Ständen.

Selbstgemachte Bücher mit wahrer Kunst.

Unter den angebotenen Weihnachtswaren fanden sich immer noch alte Bekannte. Handgemachte Teddy-Kunst, selbstgestrickte Kunstwerke für den Körper oder wahre Miniatur-Weihnachtswelten. Aber auch neue Eindrücke konnten die Besucher mit nach Hause nehmen. Beispielsweise die ebenfalls in reiner Handarbeit entstandenen Kunstwerke aus Papier am Stand von Bernhard Fahrni. Er ist gelernter Buchbindemeister und vermittelt kleine Botschaften auf den Buchrücken, die als Gästebücher, Notizbücher, Dokumentensammler oder Notenbücher eine unwiderstehliche Strahlkraft aussenden. Auf dem Gästebuch sammeln sich beispielweise „die Gäste hier am Rand, kommen in der Mitte des Titeleinbands zusammen und am anderen Rand verlassen die ersten Besucher die Szenerie wieder“, erzählt der Fachmann. Bei ihm kann man auch in Workshops lernen, wie viel Zeit es braucht, um selbst das Papier herzustellen, alles mit Fadenheftung zusammen zu bringen, wie viel Kunst im perfekten Einband steckt.

Mit der Kamera unterwegs für das Jubiläum der „sohle 1“.

Eindrücke sammelte auch Conny Reißberg zwischen den Weihnachtsmarktständen. Sie war mit der Videokamera samt großem Mikrofon unterwegs und wollte von den Bergkamenern wissen, welche Eindrücke und Erinnerungen sie mit der Galerie „sohle 1“ verbinden. Denn die Galerie wird 50 und dafür soll es auch bewegte Bilder und hörbare Erzählungen geben. Galerieerfinder Dieter Treeck hatte sie schon vor der Kamera, auch den Bürgermeister. Am Wochenende schauten viele Befragte mit ratlosen Gesichtern in ihre Linse bei der Frage, was sie mit der „sohle 1“ verbinden.

Weihnachtliche Eindrücke – vollständig handgemacht.

Schwer hatten es die Weihnachtsmarktbuden und die Bühne auf dem Museumsplatz. Unwirtliches Wetter mit Wind und viel Regen: Die Gäste suchten vor allem am Samstag vor allem Schutz im Trockenen und verpassten Auftritte etwa des Pfarrers samt Gitarre, eine besinnliche Minute mit Stockbrot am Lagerfeuer oder eine Runde Glücksrad beim Sportverein.




Beim Rünther Weihnachtsmarkt fliegen die Funken und Späne

Mit der Kettensäge ging es an die Baumstämme, die sich in Weihnachtsbäume, Sterne und anderes weihnachtliche Dekor verwandelte.

Wer vom Rünther Weihnachtsmarkt Besinnliches erwartet hatte, der erlebte am Wochenende Überraschungen. In der einen Ecke wurde die Kettensäge angeworfen und es flogen die Holzspäne. In der nächsten Ecke drehte sich der Schleifstein und es wirbelten die Funken. An der nächsten Bude sprühten die Augen Feuerkaskaden – je nachdem welche Chilisorte die Besucher erwischten. Und in der Caféteria wirbelten Gliedmaßen und muskalische Noten durch die Luft bei den Tanz- und Musikdarbietungen.

 

Auch der Messerschleifer ließ die Funken fliegen.

Messerschleifer, von der Kettensäge geformte Weihnachtsbäume, gestrickte, bestickte, genähte, behäkelte, gebastelte Weihnachtsdekoration: Vor allem kreativ ging es an den 30 Ständen von der Deele bis zur Scheune auf Gut Keinemann zu, und das drei Tage lang. „Wir haben diesmal einen regelrechten Schärfekrieg“, witzelt der 1. Vorsitzende der Oldtimerremise, Thomas Albrecht mit Blick auf die verschiedenen Schärfegrade an manchen Ständen. Angefangen hat er vor Jahren mit einem vereinseigenen Weihnachtsbasar mit gerade einmal fünf Ständen. Inzwischen ist ein ganzes Team mit dem Planungen für den Markt beschäftigt, der seit dem letzten Jahr den gesamten Stadtteil involviert. Die meisten Stände zeigen Handgemachtes aus der unmittelbaren Umgebung. Einige kommen aber auch aus weiter entfernten Winkeln des Landes, um ihre Kunst feilzubieten.

 

Bergbau-Devotionalien gab es bei Peter Hübner.

Peter Hübner hatte es nicht so weit. Er war einst Strebmeister auf der Zeche Heinrich Robert, zuletzt in der Sicherheitsabteilung beschäftigt. Dort fielen nicht nur unzählige ausgemusterte Grubenlampen an, sondern auch andere Alltagsgegenstände, die seit dem Aus für den Bergbau das Zeug zu Devotionalien haben. Darunter Kohlebrocken, die von einem altgedienten Bergmann in kunstvolle Miniaturbergwerke samt Uhr umgestaltet wurde. Oder alte Pannschüppen, die jetzt mit Zeigern die Zeit anzeigen. Die Ehefrau verlangte, dass all die vielen Sammlerstücke jetzt den Rückzug antreten sollen. „Für den Keller sind sie zu schade, deshalb habe ich einen Stand damit gefüllt“, schildert Peter Hübner.

 

Was tun mit der alten Schraubzwinge? Ganz einfach: In eine schicke Lampe verwandeln.

Einfallsreich ging es auch ein paar Meter weiter zu. Hier hatte sich eine alte Schraubzwinge in eine Lampe verwandelt, ebenso ein mindestens genauso betagter Kupferwasserkessel, ein altes Zigarrenbrett, ein 200 Jahre alter Holzbalken, eine Milchkanne, eine Kafeemühle oder ein Stapel ausgedienter Bücher. Was es auf Flohmärkten schwer hat, neue Besitzer zu finden, bekommt bei Susanne und Karl-Heinz Heitkämper neuen Pfiff. „Wir ergänzen uns da gegenseitig“, erzält Susanne Heitkämper. „Einer von uns sieht etwas und hat die Idee, der andere setzt sie um.“ Auch ausgediente Möbel restaurieren die beiden und geben ihnen einen neuen, zeitgemäßen Look.

Mittelalterliche Malkunst an einem von 30 Ständen.

Feuerfässer und eine ausgetüftelte Lichtillumination, für die sich die Oldtimerremise sogar Rat von den Profis beim Herbstleuchten im Maxi-Park in Hamm geholt hat: Der Verein hat auch bei der zweiten Auflage viel Zeit und Herzblut in den Rünther Weihnachtsmarkt investiert. Thomas Albrecht geht davon aus, dass das auch im nächsten Jahr der Fall sein wird. Gut Keinemann hat zwar unlängst bei der Zwangsversteigerung einen Käufer gefunden. „Der Verein hat aber einen Miet- und Pachtvertrag. Wir gehen davon aus, dass der auch weiterhin Bestand hat“, so Albrecht.




Weddinghofen setzt Duftmarke für die Ökobilanz

Besonders begehrt war ein warmer Platz mit Stockbrot am Lagerfeuer.

Kreative Einfälle gab es wieder an den Weddinghofener Weihnachtsmarktbuden.

Der Weihnachtsbaum auf dem Weihnachtsmarkt in Weddinghofen kommt nicht von ungefähr. Er braucht 9 bis 12 Jahre, bis er aus einem winzigen Korn gewachsen und so groß geworden ist, dass er gefällt, in der Wohnung aufgestellt und mit Schmuck behängt wird. Auch das lernten die Kinder am Samstag. Denn die Initiative „Wir in Weddinghofen“ hat sich wieder etwas Besonderes ausgedacht, um vor Weihnachten „Duftmarken“ zu setzen.

Echte Fanliebe hatte der BvB-Fanclub im Angebot.

In den nächsten Tagen bekommen die Kinder in Weddinghofen jedenfalls ein kleines Pflanzsetz mit Erde und Samen, um dem eigenen Weihnachtsbaum beim Wachsen zuzusehen. „Wir wollen damit den Fokus auf die Ökobilanz und den Umgang mit unseren Ressourcen lenken“, schildert Christian Weischede. Wo „Fridays for Future“ viel mobilisiert, kommt es für ihn auch darauf an, dass die Jugend lernt und die Dinge selbst in die Hand nehmen kann. Demnächst werden unweit im Sauerland wieder massenhaft Flächen mit Weihnachtsbäumen abgeholzt, damit sie in unseren Wohnungen und Häusern für kurze Zeit die richtige Weihnachtsstimmung verbreiten. Wieviel Zeit und Energie darin stecken, das soll diese Aktion vor Augen führen. 250 Pflanz-Sets stehen dafür bereit.

Wem noch ein Adventskalender fehlte, der wurde beim Blauen Kreuz fündig.

Bewegt hat der Weihnachtsmarkt in Weddinghofen im inzwischen 7. Jahr ohnehin einiges. Er lockt nicht nur die Menschen in Massen an, um sich am Lagerfeuer mit Stockbrot zu versammeln und den Glühwein diesmal bei echten winterlichen Kältegraden zu genießen. Gut 20.000 Euro sind im Laufe der Jahre bereits zusammen gekommen, um vor Ort etwas mehr zu bewegen. Die Tafel gehört auch in diesem Jahr wieder zu den Empfängern der Mehreinnahmen. Der Eishockeynachwuchs kann neue Shirts gut gebrauchen.

Evelyn Quaiser mit ihren riesigen Puppen und selbstgemachter Kleidung.

Alle Vereine und Gruppierungen in Weddinghofen wollten auch in diesmal wieder mit einem eigenen unter den insgesamt 13 Ständen dabei sein. AWO, Blaues Kreuz, der BvB-Fanclub mit einem der inzwischen selteneren Siegen im Schlepptau, die Grundschule, die Kitas: Alle waren mit dabei. Auch kurzfristige Gäste wie Evelyn Quaiser aus Unna. Sie hatte von dem Weddinghofer Weihnachtsmarkt gehört, sich beworben und konnte sehr kurzfristig das bereits vollgepackte Auto doch an der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule wieder ausladen. Darin waren Unmengen von Dingen, die sie ausschließlich selbst macht – vom selbstgehäkelten Katzenkorb über Strickwaren für jede Stelle des Körpers bis hin zum Likör und gebastelten Weihnachtsschmuck. Das einzig Zugekaufte waren die riesigen Puppen als Kleiderständer – und die schnurrende elektronische Katze der Tochter als Dekoration.

Besuch vom Weihnachtsmann.

Auch der Weihnachtsmann kam zu Besuch, direkt herübergereist aus Overberge – natürlich mit prall gefülltem Geschenkesack. Der Shanty-Chor gab ein muskalisches Stelldichein, der TuS Overberge ein sportliches. Überall gab es im Hüttenrund mit Lagerfeuer, angelehnt an Asterix unbeugsames Dorf, einiges zu entdecken. Vor allem viel Individuelles, Handgemachtes und fast ausschließlich in Weddinghofen Entstandenes.




In Overberge geht es handgemacht in die Adventszeit

Akrobatisches zeigte die Voltigiergruppe.

Stein für Stein fädelt sie geduldig auf. Egal, wie viele Menschen gerade am Stand Schlange stehen. Unter der beleuchteten Lupe kann sind die winzigen Öffnungen an der Bernsteinperlen riesengroß. Diverse Zangen und andere Werkzeuge liegen bereit, um das Schmuckstück zu vollenden. Ingrid Bergmann macht die Arbeit Spaß. Und zusammen mit Tochter Daniela Bader bildet sie das perfekte Team für den handgemachten Schmuck. Zumal sie ausgerechnet am 2. Weihnachtstag Geburstag hat – in diesem Jahr den 81.

 

Ingrid Bergmann fädelt den Bernstein auf – auch mit fast 81 Jahren.

Wer auf dem Overberger Weihnachtsmarkt genauer hinschaute, der entdeckte überall Geschichten hinter den 35 Ständen. Die Figuren aus Edelstahl und die filigranen Schwippbögen zum Beispiel haben Gefangene eigenhändig hergestellt. In der Justizvollzugsanstalt in Werl entstehen winzige Eichhörnchen, kleine und große Wildschweine oder galloppierende Pferde. Auch der eigene Hund findet sich hier gleich für mehrere Besucher originalgetreu in der Figurenmenge, was zu hart ausgefochtenen Bieterkämpfen führt.

 

Die „Ehrlich-Sisters“ zauberten und verzauberten..

Die Voltiegiergruppe türmt sich unerschütterlich zu ganzen Menschenpyramiden auf dem Pferdesattel auf – auch wenn einige von ihnen krank das Bett hüten müssen. Da werden ganze Zauberstücke einstudiert, damit die „Ehrlich-Sisters“ ihren vielbeklatschten Auftritt haben. Der Weihnachtsschmuck stürzt aus einer wahren Flut aus der Tasse auf die Untertasse – selbstverständlich handgemacht. Direkt daneben flammt die Kerze in der selbstverzierten Bergbaulampe auf, einen Stand weiter gibt es selbstgemachte Konfitüren und Liköre oder Honig aus der eigenen Imkerei. Nichts, was hier angeboten oder präsentiert wird wird, ist nicht selbstgemacht.

Nach dem Weihnachtsmarkt ist vor dem nächsten

Die Feuerzangenbowle der Feuerwehr durfte nicht fehlen.

Damit das auch im 13. Jahr reibungslos klappt, hat Ortsvorsteher Uwe Reichelt monatelang geplant, organisiert und selbstmontiert. Als am Samstag der letzte Besucher mit wärmender Feuerzangenbowle im Bauch nach Hause ging, fing seine Arbeit erst an. Mit ein paar Helfern hieß es: Beleuchtung abbauen, aufräumen, die Buden für den Abtransport vorbereiten, Kassensturz machen. Viel bleibt unterm Strich nicht übrig, wenn alle Unkonsten vom Strom über die Versicherung abgerechnet sind. Und nach dem Weihnachtsmarkt ist vor dem nächsten: Die Planungen für 2020 schließen sich nahtlos an.

 

Zum ersten Mal dabei: Die Realschule mit einer Tombola.

Viel mehr geht jedenfalls auch im nächsten Jahr nicht. Die Kapazitäten der Overberger Grundschule sind restlos ausgeschöpft. 75 Prozent der Standbeschicker sind „Wiederholungstäter“ und halten dem Weihnachtsmarkt ebenso die Treue wie die stetig gewaltige Anzahl von Besuchern. Kein Wunder, sind hier doch alle Vereine und Verbände aus dem Stadtteil mit von der Partie. Darunter einige zum ersten Mal wie der Fair Trade-Stand, die Initiative „Senioren helfen Senioren“ der Polizei oder die Realschule mit einer eigenen Tombola.




Tag des Apfels feiert strahlendes Jubiläum

Die Apfelpresse leistete Akkordarbeit für die Apfelsaftproduktion.

Es konnte fast dem Lichtermarkt Konkurrenz machen – zumindest mit der Dichte der Menschen pro Quadratmeter. Das inzwischen 25. Apfelfest auf der Ökologiestation zog am Samstag wahre Menschenmassen an. Nicht nur, weil der Oktober noch einmal alles gab mit praller Sonne und blauem Himmel. Sicherlich zog auch das silberne Jubiläum magisch an. Und: Der Apfel hat es den Besuchern schlicht angetan, inklusive neu entdeckter Naturverbundenheit jenseits von aktuellen Klimadebatten.

Bienenkörbe für den guten Zweck – und als Dekoration.

Das merken nicht nur jene, die traditionelle Bienenkörbe an ihrem Stand anbieten. Hergestellt von Müttern in Bangladesch als Grundlage für ein neues selbstbestimmtes Leben, sind die Körbe ein Stück Nostalgie und Zeichen für die Verbundenheit mit den bedrohten Wildbienen. Als Insektenhotels bieten sie auch anderen bedrohten nützlichen Helfern Schutz. „Man merkt schon, dass die Leute naturverbundener und naturbewusster sind“, meint die Fachfrau am Stand.
Vielleicht drängen sich auch deshalb besonders viele Menschen um Konfitüren, die mit selbstgepflückten Löwenzahnblüten und Holunderbeeren aus dem eigenen Garten hergestellt werden. Tannenbaumschmuck aus Holz von Bäumen, die besonders schonend mit Schafen gepflegt werden. Gulasch vom Heckrind und frisches Fleisch vom schottischen Hochlandrind, das im benachbarten Werne auf der grünen Wiese weidet. Chilisuppe aus essbaren Brotschüsseln. Auch das sind Ergebnisse der intensiveren Auseinandersetzung mit unserer Lebensweise.

Auch die Pomologen waren als Apfelexperten gefragt.

Und die Frage, was eigentlich genau am Apfelbaum im Garten hängt. Denn das wissen viele Apfelbaumbesitzer nicht. Deshalb bringen sie auch im 25. Jahr ihre Äpfel an den Tisch der Pomologen, die als Apfelexperten dem Obst auf den Grund gehen. „Auch heute waren wieder Exemplare dabei, die wir nicht sofort bestimmen konnten und die vielleicht zu den seltenen alten Apfelsorten gehören“, berichten sie. Da werden sogar komplette digitale Fotoalben vom Apfelbaum und seinen Früchten mitgebracht, um Antworten zu finden. Der allgegenwärtig diskutierte Klimawandel zeigt übrigens auch hier seine Spuren. Etwa wenn die Fachleute Gärten besuchen, in denen sich kuriose Folgen der letzten trockenen Sommer an den Bäumen zeigen. „Einige Bäume sind auch schlicht gestorben am Wassermangel, weil die Wasserquellen versiegt sind.“

Äpfel konnte auch jeder in natürlicher Form mit nach Hause nehmen.

Die Apfelernte war in diesem Jahr normal bis bescheiden, wissen die Apfelexperten. Im kommenden Jahr sollte es deshalb wieder mehr Äpfel geben. Im Jubiläumsjahr hat es jedenfalls gereicht für eine gute Ausbeute an „2019er Jus des Pommes Grand cru classé“ an der Saftpresse, für Apfelkuchen beim traditionellen Wettbewerb und für prall gefüllte Apfeltüten für den Verkauf. An den 60 Ständen lockten auch andere Attraktionen wie Kürbisse in allen Variationen, selbstgezüchtete Lilien aus dem eigenen Garten in der privaten Blumenbörse, selbstgedrehte Seile oder eine Schmusestunde mit kuschligen Kaninchen im Zelt des Kaninchenzuchtvereins. Dazu gab es Livemusik von der Steeldrum Marching Band und viel gute Laune.

Viel mehr Besucher dürfen es allerdings nicht mehr werden, denn die Infrastruktur geriet am Samstag einigermaßen an ihre Grenzen. Die Parkplätze wurden mehr als eng – egal ob für vier oder zwei Räder.

 




GSW-Lichtermarkt fasziniert mit Feuerinferno und himmlischen Lichtengeln im Menschenmeer

Tolle Akrobatik in magischem Licht auf dem Stadtmarkt.

Sie stehen mit großen Augen in der Kirche vor den Engeln mit den Geigen und können es kaum fassen, dass auch noch riesige Lichtkegel aufflammen. Wenn das Wesen mit den leuchtenden Schmetterlingsflügeln in einem Meer aus Kerzen wieder eine Riesenseifenblase in den Nachthimmel schickt, jauchzen sie verzückt im Chor auf. Den funkelnden Einhörnern fassen sie ungeniert an die Stelzenbeine und mit den Pinguinen tanzen sie über die Wiese. Gerade die Kinder ließen sich voll und ganz von der Magie des Lichtermarktes in den Bann schlagen – mit Haut und Haaren.

Die geigenden Engel spielen exklusiv für faszinierte Kinder.

Dass kleine Lichtkegel zu lieblicher Musik über die Bühne tanzen können und Körper sich an langen Tüchern in Lichtmeeren winden war dabei genauso faszinierend wie ein wirbelnder Feuerball oder funken schlagende Feuertrommeln. Selbst den Erwachsenen bleiben die Münder offen stehen, als  sich Flammen aus Kelchen zu Kunstwerken zusammentropften und sich Fackeln mit Menschen in riesigen Reifen drehten. Der eine entdeckte das Subtile im perspektivischen Lichtviereck im Stadtwald und das Spirituelle im elektronischen Lichtdidgeridoo. Die Kinder tobten einfach mit Lichtschwertern unbeschwert mitten durch die dichtgedrängten Mengen, formten Herzen auf der Lichtleinwand, ließen kleine Hasen als Lichtgraffiti durch die Nacht hoppeln und jagten den Seifenblasen in den Lichtkegeln hinterher.

Spektakuläres Feuernferno auf dem Stadtmarkt.

Ganz leicht war es nicht, das alles barrierefrei zu genießen, denn der Lichtermarkt war schlichtweg rammelvoll. Vom Stau bei den Einhörnern schob man sich zumeist im Pulk weiter vorbei an den Stelzenschmetterlingen und den Ständen mit Lichtspielzeugen, an denen Verkauf im Akkord geleistet wurde. Da konnte schon mal ein Stück frittierter Blumenkohl auf den Schuhen oder ein Flammkuchen auf dem Saum der Jacke landen, denn die Ellbogen waren im Dauereinsatz. Der goldenen Oktober war zurück und mit ihm eine fast laue Herbstnacht, die das Flanieren gemütlich machte. Anstrengend wurde es allerdings, einen Platz bei den Highlightshows mit den Angelstrings in der St. Elisabeth Kirche oder bei der Wonderland-Show auf dem Stadtmarkt zu ergattern, der wenigstens einen Hauch von freier Sicht ermöglichte. In letzter Sekunde spätestens erhob sich ein Meer aus Smartphones, um alles live für die Verwandt- und Bekanntschaft mitzufilmen.

Kinder malen im Stadtmarkt ihre eigenen Lichtgraffiti.

Als Besucher musste man also einigermaßen wild entschlossen sein, um von allem einen entspannten Eindruck zu bekommen. Denn es kostete vor allem Zeit, um sich von einem Höhepunkt zum nächsten zu schieben. Da fehlten auch dem Geistlichen in der Kirche schlicht die Worte angesichts von Menschenmengen, die stehende Ovationen für die Zugabe der geigenden Engel forderten. Die holten das Publikum auf die Bühne und gingen vor besonders faszinierten Kindern für eine spontane Extradarbietung in die Knie. Auf dem Stadtmarkt konnten Augen und Hirn den vielen gleichzeitig wirbelnden Licht- und Feuereffekten fast nicht folgen. Am Ende hatte man das beklemmende Gefühl, definitiv nicht alles gesehen zu haben, denn das Auge konnte sich nur mühsam von sich im Licht schlängelnden Körpern in der Luft lösen, während andere Körper im Hintergrund in Lichtreifen herumwirbelten und Feuerzauberer im Vordergrund ein wahres Inferno anrichteten.

Wunderschöne Walkalcts mit fantasievollen Kostümen.

Aufregend war er also allemal, der GSW-Lichtermarkt. Aber auch ganz schön anstrengend. Wer besonders aufmerksam war, der konnte sich übrigens ganz nebenbei nicht nur den besten Halloweenschmuck sichern, sondern auch die begehrten Lions-Club Adventskalender. Denn Weihnachten kommt ja bekanntlich auch viel schneller als man denkt…

 




Beim Tag der Chemie bei Bayer zählt nicht nur das richtige Ergebnis

Genau hinschauen am Rührwerk.

Die Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Die Schraube löst sich einfach nicht“, stöhnt die Schülerin mit vor Kraftanstrengung verzerrtem Mund. Jetzt ist Teamwork gefragt, um den Deckel vom Druckfilter zu öffnen und an den Inhalt heranzukommen. Denn genau das ist beim Tag der Chemie auf dem Bayergelände gefragt. Ob im Technikum, in der E- und Metallwerkstatt, im Labor oder bei der Werkfeuerwehr: Planvolles Vorgehen, Teamwork, saubere Durchführung und Aufräumen sind genauso wichtig wie das richtige Ergebnis.

Teamwork ist gefragt.

Was das Rührwerk da genau mit stetiger Genauigkeit durchpflügt? „Keine Ahnung“, geben die beiden Schülerinnen zu. Sie müssen vor allem herausfinden, wieviel davon gerade gerührt wird und welche Parameter sich dahinter verstecken. Das ist gar nicht so einfach. Eine Fachfrau erklärt den Besuchern währenddessen, dass die Rührwerke digital gesteuert sind und Fermente beinhalten. Hier ist also Mikrobiologie im Spiel. Die meisten der Erwachsenen, die sich hier neugierig umschauen, würden garantiert an der Aufgabe scheitern, mal eben ein Programm für die digitale Steuerung zu schreiben. Die Zwölftklässler, die über den Laptops die Köpfe zusammenstecken, haben damit überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. Für sie ist es eine hochspannende Herausforderung.

Spaß mit Pipette und Reagenzglas.

Die Faszination ist schon bei den Jüngsten riesengroß, wenn Sie mit Pipetten und Reagenzgläsern der Glukose und der Zitronensäure in den Lebensmitteln auf der Spur sind. Die ganz normalen Besucher stehen hier bereits leicht ratlos daneben. Das Staunen geht dort ins Grenzenlose, wo die älteren Schüler rätselhafte Kabelenden an noch rätselhaftere Geräte schrauben und dazu auch noch am PC Hieroglyphenartiges kreieren, was am Ende wie durch Zauberhand eine ganze Apparatur in Gang setzt.

Schwierige Herausforderungen mit Spaß-Faktor

Ganz schön knifflig: Den richtrigen Dreh in der Metallwerkstatt finden.

Andere spielen lieber „Schnick, Schnack, Schnuck“, während ihre Mitschüler eifrig die richtige Menge einer Chemikalie zusammensetzen, um die Lösung für die Aufgabe in der anorganischen und organischen Chemie zu finden. Dass es dafür Punktabzüge gibt, löst dann doch leichtes Entsetzen aus. Zumal die Konkurrenz nicht schläft: „Vier Gruppen mit voller Punktzahl – das ist großartig“, sagt derjenige, der hier im Labor den Überblick beim Schülerwettbewerb hat. Nebenan in der Metallwerkstatt schaut sich ein Bayer-Azubi eine Weile entspannt an, wie sich ein Schüler mit Feuereifer aber mit dem völlig falschen Werkzeug an der Stahlplatte zu schaffen macht. Er schreitet ein, bevor alles Verloren ist: „Was spricht denn dagegen, das andere Werkzeug auszuprobieren?“, fragt er. Eine kleine Diskussion entsteht und am Ende wird die Kerbe, die an die richtige Stelle gehört, dann doch noch ganz passabel.

Ans Eingemachte ging es für die höheren Jahrgänge – Programmieren inklusive.

Die Aufgaben, die sich das Bayer-Werk für die Schülerinnen und Schüler von 50 Schulen ausdachte, hatten es beim Tag der Chemie einmal mehr in sich. Weil sich das längst herumgesprochen hat, die Herausforderung außerdem mehr als Spaß macht und man ganz nebenbei in spannende Berufe hineinschnuppern kann, war der Andrang auch am Samstag wieder riesengroß. Zumal eine stattliche Belohnung für die Gewinner lockt: Die fünf erstplatzierten Teams jedes Jahrgangs wurden mit Geldprämien in Höhe von 500 bis 2.500 Euro ausgezeichnet. Insgesamt wurden somit 22.500 Euro an die teilnehmenden Schulen ausgeschüttet.

Die Siegerteams:

Klasse 6

1. Platz Archigymnasium (Soest)
2. Platz Ursulinengymnasium (Werl)
3. Platz Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasium (Hemer)
4. Platz Pestalozzi-Gymnasium (Unna)
5. Platz Friedrich-Bährens-Gymnasium (Schwerte)

Klasse 9

1. Platz Städtisches Gymnasium Kamen
2. Platz Anne-Frank-Gymnasium (Werne)
3. Platz Friedrich-Bährens-Gymnasium (Schwerte)
4. Platz Max-Planck-Gymnasium (Dortmund)
5. Platz Pestalozzi-Gymnasium (Unna)

 

Stolz auf den zweiten Platz kann das Team vom Städtischen Gymnasium Bergkamen sein.

Jahrgang 12

1. Platz Gymnasium Lennestadt
2. Platz Städtisches Gymnasium Bergkamen
3. Platz Gesamtschule Fröndenberg
4. Platz Reinoldus- und Schiller-Gymnasium (Dortmund)
5. Platz Gymnasium Schloss Overhagen (Lippstadt)




Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen: Römerfest platzt fast aus allen Nähten

Ganz schön zur Sache ging es bei den Gladiatoren in der Arena.

Profis und Azubis: Wer wollte, konnte sich auch als Gladiator versuchen.

„Ich kann nicht mehr“, stöhnt ein Gladiator-Azubi und stützt die Arme auf den Knien auf, um zu verschnaufen. Sein Ausbilder zückt derweil das Schwert und setzt zum finalen Stoß an. In der Arena seinen Mann zu stehen, ist nicht so einfach wie gedacht. Aber Spaß macht es trotzdem. Erst recht, wenn sich danach die Profis mit Netzen und Dreizack packende Duelle liefern. Wie beim Römerfest im Römerpark.

Zubehör beim Medicus.

Das Leben war vor knapp 2.000 Jahren vor und hinter den Mauerwänden des Römerlagers allerdings nicht immer so spannend. Exerziert wurde hier stundenlang, die Waffen mussten geputzt werden und es gab reichlich Langeweile in den friedlichen Zeiten, die nur Würfel und Essen vertreiben konnten. Gerochen hat es mit Sicherheit auch nicht gerade prickelnd, deshalb mussten wohlriechende Öle her. Und wenn es dann wirklich mal zum Kampf kam, waren die nicht eben vertrauenserweckenden Künste des Medicus gefragt. Der legte haarsträubende Instrumente bereit, um sich auch schon mal am offenen Gehirn oder am Auge meist wenig erfolgreich den Verletzungen zu widmen.

Waffen der besonderen Art.

Für die meisten der unzähligen Besucher war es am Wochenende trotzdem faszinierend, einen Blick in das mögliche Alltagsleben eines römischen Lagers zu werfen. Da wurden Kettenhemden zusammengesetzt, filigrane Gürtelschnallen erstellt. Hier töpferte jemand, dort spannte ein Legionär die Armbrust und peilte das schon reichlich zerlöcherte Ziel an. Spielzeuge gab es, Lederutensilien für das Marschgepäck, Unmengen Waffen und auch Kostproben dessen, womit man sich seinerzeit jenseits von Chips und Schokolade die Mägen füllte.

Mit dem Griffel und Armbrust in eine andere Ära

Legionäre auf dem Durchmarsch.

Wer sich auf modernen Gummisohlen den Weg durch die Menge bahnte, der wurde im Stechschritt von einer halben Kohorte auf genagelten Ledersandalen überholt. Ein einer Ecke wurde der schlampige Legionär für falsche Reaktionen auf die Kommandos zusammengestaucht, in der anderen Ecke versuchten sich Mutige daran, mit einem Griffel lateinische Buchstaben ins Wachs zu schnitzen. Sich hier zu konzentrieren fiel allerdings schwer. Auf der einen Seite rauschten Streitwagen im Gleitflug vorüber. Auf der anderen standen die Soldaten für die Waffenschau Spalier.

Auch das Feuermachen will gelernt sein.

Fast auf jedem Grashalm gab es etwas zu entdecken. Sei es der Blick in die Zelte der italienischen Legionäre, die eigens aus Rom angereist waren. Oder eine Fachsimpelei zwischen holländischen Statisten und jenen, die eigentlich als Seefahrer gegen die Feinde des römischen Reiches antreten. Legio XIX Chors III. Legio XXI Rapax, Amor Mortis, Classis August r Chors I Nervana hießen die Truppen, hinter denen 70 Akteure aus Köln, Moers, Xanten, Dresden oder Augsburg zwischen fast 50 Zelten steckten. Ein kunterbuntes Treiben, das auch die Organisatoren vom Stadtmuseum zeitweise überforderte. „Wir haben bei 1.000 aufgehört zu zählen“, schildert Mitarbeiter Thossa Büsing den Andrang am ersten Tag. Am Sonntag strömten noch mehr auf das Gelände.

Düfte ausprobieren macht ebenfalls Spaß.

Schließlich wächst auch das Römerfest stetig und zeigt immer mehr Attraktionen. Mancher Akteur ist dabei so engagiert, dass er schlicht das Trinken bei spätsommerlichen Temperaturen vergisst und kurzzeitig den Boden unter den Füßen verliert. Keiner der kleinen Besucher verließ jedenfalls das Gelände ohne ein Schwert, einen Schild oder andere Andenken an ein aufregendes Wochenende in längst vergangenen Zeiten.