Wiedersehen mit alten LOL-Bekannten

Ein munteres LOL-Team mit alten Bekannten bei der 9. Auflage im studio theater.

Es ist immer ein bisschen wie ein großer Kindergeburtstag für Erwachsene: Harmlos, albern, stellenweise gefährlich und es gibt ständig knallbunte, lustige Überraschungen. Auch das 9. Gastspiel von „LOL“ in Bergkamen blieb diesem Standard am Freitag treu. Längst ist das Comedy Start-Up aus den bescheidenen Anfängen im Stadtmuseum herausgewachsen: Die Plätze im studio theater reichten wieder einmal nicht aus. Es war ausverkauft.

Hielt die Fahne des Publikums beim Schweden-Urlaub hoch: Matthias.

Das könnte auch daran liegen, dass hier weit und breit kein Sterbenswörtchen über Politik zu hören ist. Eine Woche vor einer höchstwahrscheinlich umwälzenden Bundestagswahl ein echtes Kunststück. Es schien auch niemand die im sonstigen Alltag dominierenden Sorgen über bedenkliche Wahltendenzen zu vermissen: Das Publikum amüsierte sich königlich, engagierte sich mit Feuereifer als Stichwortgeber vor oder als Geräuschkulisse auf der Bühne und lieferte rekordverdächtige Lachanfälle. Dabei waren fast alle Akteure alte Bekannte.

Till Frömmel als Nordlicht im Friesennerz.

Einen eigenen Höhepunkt bildete einmal mehr derjenige, der eigentlich „nur“ moderieren sollte. Till Frömmel watschelte als Nordlicht stilecht im Friesennerz auf die Bühne, entlarvte lokale Rivalitäten und echte Ehe-Rekorde ebenso im Publikum wie Talente als Geräusch-Imitator. Matthias ging stellvertretend für das gesamte Publikum mit ihm auf Urlaubsreise nach Schweden, schickte ihm Möwen im Stimmbruch, verstopfte Dampfer, kaputte Wellen und Entenfische im Kampf mit queeren Robben hinterher.

Hat immer das Publikum scharf im Blick: Toby Freudenthal.

Ein LOL-Wiedersehen gab es mit Tobias Freudenthal aus Köln, der schon bei einem der ersten Bergkamen-Stopps dabei war. Mit ihm ging es kreuz und quer durch ein Leben ohne Ehre, immer dicht am Break-Even-Point der Stoppellänge hart am Wind der Ostsee, der „aus einem CDUler einen Punker-Linken macht“. Es gab Begegnungen mit End-Gegnern im Schnarchen und einen exzessiven Ritt durch den alltäglichen Irrsinn der falsch betonten Wörter.

Ganz schön anti: Josepha Walter.

Ihre Bergkamen-Premiere gab Bühnenschauspielerin Josepha Walter als personifiziertes Anti-Ausrufezeichen mit erst eineinhalb Jahren Comedy-Erfahrung. Ihre ZDF-Fernsehgarten-Gebärmutter hinterließ ebenso verblüffte Totenstille beim Publikum wie ihre kinderhumorfreie Zone, die Hinrichtung der Zukunft mit Liegefahrrad auf dem Campingplatz, sexistische Einparkversuche und Therapieexkursionen.

Ein echtes Stimmwunder ist Alice Köfer.

Alice Köfer ist ebenfalls eine alte Bekannte in Bergkamen. Sie hat sich schon als Teil eines Trios in der Kabarett-Reihe einen Namen gemacht. Wer hier dabei war, konnte noch einmal ihre musikalischen Künste bewundern. Immerhin Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock, beherrscht sie nicht nur isländische Lieder, die sich rückwärts als „Alle meine Entchen“ entpuppen. Sie beteiligt sich auch aktiv an Zoom-Meetings im Zug, liebt die Dead-Lines bei Löffellisten und die Tempo-90-Welle an der Siegessäule mit Car-Sharing. Immerhin inspiriert von der aktuellen Politik war ihre eindrucksvolle Vertonung der Wärmepumpen-Bauteile mit dem Piaf-Kompressor, dem Streisand-Kondensator, dem Cyndi-Lauper-Expansionsventil und Carla-Bruni-Verdampfer.




Doc Esser räumt mit Chia-Samen und Gesundheitsmärchen auf

 

Macht auch an der Gitarre eine gute Figur: Arzt, Moderator, Kabarettist, Buchautor und Podcaster Doc Esser.

Am Ende beklatschten alle begeistert die eigenen Gesundheitssünden. So mancher soll direkt im Anschluss bei der Entsorgung von Tiefkühlpizza-Stapeln beobachtet worden sein. Andere wurden am nächsten Tag beim Metzger und beim Kauf von frischem Sauerkraut ertappt. Keine Frage: Doc Esser brauchte im studio theater nur knapp drei Stunden, um die Gesundheitsgewohnheiten der Bergkamener elementar zu wandeln. Mit viel Musik, Mitklatsch-Gymnastik und stehenden Ovationen.

Voller Begeisterung bei der Sache, wenn es um Studien und Gesundheitsaufklärung geht.

Schließlich ging es hier unter dem Motto „Gesund gestorben ist trotzdem tot“ um nichts Geringeres als das eigene Ableben. Als Jahresauftakt ein perfekter Coup, auch für die guten Vorsätze und das schlechte Gewissen. Ausnahmslos jeder fühlte sich ertappt und entlarvt: Zu wenig Sport, zu viel schlechtes Essen, zu großer Glaube an Werbung, Studien und Gesundheitsmärchen – und Großeltern, die es auch nicht besser wussten. Heinz-Wilhelm Esser ging allem an die Substanz, worin sich der Normalsterbliche gemütlich eingerichtet hatte.

Konzentriert mit kompletter Band im Rücken.Dass er dazu mit der „Magnum“-Titelmelodie Einzug im studio theater hielt, war gleichsam Programm. Unerbittlich fahndete er nach den Mängeln und Makeln im allgemeinen Gesundheitsgefüge. Seine Verbündete war die vierköpfige Band aus hochkarätigen Musikern, die gut gelaunt das Loblied auf den Privatpatienten anstimmten. Immerhin war hier eine First-Line-Behandlung versprochen jenseits vom siechenden Gesundheitssystem mit garantiertem Facharzttermin und schaffbaren Wegen zum nächsten Krankenhaus.

Sag ich doch: Doc Esser genießt die Überraschung seiner Zuhörer.

Die alten weißen Männer der Medizin von Prof. Brinkmann bis Dr. Best und Dr. Sommer wurden beerdigt und Galilei samt Paracelsus als Vorreiter der Studien gefeiert, „in einer Zeit, wo viele Männer Behauptungen von sich geben“. Aber es gibt noch Hoffnung: Sport macht schlau, auch wenn viele Fußballer-Zitate eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen. Das Loblied auf das Grugabad feierte die letzten verbliebenen einer hinweggekürzten Sportstättenkultur. Finger weg vom Rotwein, auch wenn es beim Hausarzt noch nicht angekommen ist. Dafür ist Kaffee wieder erlaubt, selbst wenn fast keine Studie dazu irgendeine Basis erlaubt.

Mit Zuschauern auf der Bühne beim Gesundheitsquiz althergebrachtes Gesundheitswissen entrümpeln.Richtig Spaß machte das Gesundheitsquiz, bei dem sich die Zuschauerinnen auf der Bühne zwar gut schlugen, aber ebenso oft beim Raten um das richtige Oma-Gesundheitsrezept daneben lagen. Besser nicht Luft an die Wunde und kaltes Wasser auf die Verbrennung lassen. Vitamin C-Vorräte nützen gar nichts bei Grippe und mit nassem Haar sollte man tatsächlich lieber nicht in den eiskalten Winter marschieren. Auch dem Superfood bereitete Doc Esser einen gründlichen Garaus: Chiasamen sind randvoll mit todbringenden Bioziden, wenn sie erschwinglich um den halben Erdball hierher gekarrt werden. Dann doch lieber Leinsamen und frisches Sauerkraut vom Metzger, die sind auch viel gesünder.

Und: Immer schön auf die Seele achten, sonst hat alle Resilienz und Selbstwirksamkeit samt Ambiguitätstoleranz in der neurogenen Plastizität keine Chance. Wem das nicht gelingt: Einfach mal lachen. So wie am Freitag mit Doc Esser. Gern bald wieder!




Erste LOL-Runde schaut tief in die Comedy-Abgründe

Alle drei Hauptakteure der ersten LOL-Runde beim Abschluss-Applaus auf der Bühne.

Kein Trump, keine Ampel, kein Scholz-Lindner-Desaster: Wohltuend sinnfrei kam der erste LOL-Abend der Saison in einem fast ausverkauften studio theater daher. Die Botschaft der vier Comedians war glasklar: „Kein Bock auf den Scheiß“ und „Geh mir nicht auf den Sack“ gab es zuhauf und bis zu einem gewissen Grad auch zu Recht. Ob Ablacher im Genitalbereich wie am Fließband allerdings das richtige Mittel in aktuell eigenartigen Zeiten sind, mag jeder selbst entscheiden. Lustig war es allemal. Bis zu einem gewissen Grad.

Der Reiz der Comedy-Reihe: Man hat keine Ahnung, was überhaupt auf einen zukommt. Die Hauptakteure bleiben unbenannt, bis sich der Vorhang hebt oder ganz Neugierige sich in den Sozialen Medien schlau machen. Diesmal blieb der Aha-Effekt überwiegend aus. Die meisten kannten Jakob Heymann, Katharina Block, Tobias Born und Michal nicht. Dabei sind sie dort, wo sich echte Fans von Stand Up-Comedy tummeln, durchaus ein Begriff. Eines hatten sie jedenfalls alle gemeinsam: Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, legen die Finger auf die nicht immer ganz offensichtlichen Wunden und sind mehr oder weniger heftig durchgeknallt.

Multitalent Jakob Heymann am Flügel als Singer-Songwriter, Dichter und Wortjongleur.

Jakob Heymann war eigentlich „nur“ der Conférencier: Er sollte moderierend die Bühne für die eigentlichen Hauptdarsteller ebenen. Er nahm es wörtlich, kam mit Gedichten, Anekdoten und Chansons im von Kopf bis Fuß selbstgestrickten Outfit herangeschlurft und verteilte hinter der Softie-Fassade tief eindringende Spitzen. Mit dem Pfeiflied verbreitete er therapeutische Wirkung, das politische Sommerhitlied eignete sich tatsächlich prächtig zum Mitsingen gegen alle Traumzerstörer dieser Welt. Auch der Pädagogen-Song am Flügel durfte nicht fehlen. Er war der heimliche Star des Abends.

Katharina Block beugte sich tief hinab in manchen Alltagsabgrund.

Katharina Block stürzte sich betont schielend und kurzsichtig als Juristin mit fünf Kindern ins mehrfache soziale Abseits, buddelte sich den Malle-Urlaub in den Sandkasten und kämpfte gegen anhängliche Daddies mit Schaukel-Defekt. Vor allem in der zweiten Hälfte ging es dann aber doch etwas zu oft und zu tief in die DickPic-Abgründe mit Tiny Häusern im Unterleib. Dort fühlte sich auch Tobias Born als betont queer-

Tobias Born kam im Glitter-Outfit.

feministischer Comedy-Vertreter pudelwohl: Mit Kindheitstraumata verursacht von ungeouteten Schreinermeistern mit Toy Boys (Pumuckl), nicht-binären Latex-Kreaturen (Sams) und „dicken Eiern als Gegengewicht für sehr hohle Köpfe“ vor allem bei alten weißen Männern. Ob prüfungsrelevante Hoffnungslosigkeit der weiblichen Sexualität oder Eierlikör-Party-Rausch mit Kinderwunsch-Kati: Gegen Ende war es dann doch too much.

Michal rappte und hip-hopte sich durch den ganz normalen Wahnsinn.

Ein ganz besonderer Geschmacksfall war „Michal“, die sich verklemmt zwangslässige Party-Maus, die sich mit HipHop auf kaputte Heizkörper, Multivitamin-Songs und Gangster-Rap im Hundekopf mutig ganz dicht an die Grenzen heranwagte.

Die Bergkamener machten keinen Unterschied: Sie nahmen alles bereitwillig und dankbar, wie es kam und hatten unüberhörbar großen Spaß. Für jeden gab es begeisterten Beifall und zum Schluss frenetischen Abschiedsapplaus für alle. Karten für die nächste Auflage am 14. Februar dürften jedenfalls wieder knapp werden.




Lichtermarkt geht elementar unter die Haut

Poetische Lichtkunst in der Kirche.

Wem die letzten verregneten und kalten Lichtermärkte noch in den Knochen steckten, rieb sich am Freitag bei T-Shirt-Temperaturen die Augen. Überall Menschen. Wo sich ein Lichtereignis anbahnte, war kein Durchkommen mehr. Walking Acts mit Licht oder Percussion oder als Orchester auf Rädern: Sofort bildeten sich Menschentrauben. Wer zu spät kam, musste mehrere Runden drehen, um einen Parkplatz weitab vom Hauptgeschehen zu ergattern.

Fantastische Walking-Acts.

Man musste schon auf Zack sein beim randvollen Lichtermarkt-Programm. Denn wer sich zu viel Zeit ließ, der bekam manche Attraktion nur aus der Ferne mit. Vor dem Zelt mit Zaubershow drängte sich eine ganze Menschentraube. Seifenblasen und Pyrografie fiel bei manchem dem Hauptprogramm zum Opfer. Denn in der St. Elisabeth-Kirche und auf dem Stadtmarkt musste man sich schon frühzeitig einen Platz sichern.

Feurige Show unter dem Marktdach.

Das lohnte sich allemal. Die kunstvolle Lichtmalerei von „Lukero“ Krč nahm die Zuschauer mit auf eine poetische Reise in die Erdentstehung vom „Urknall“ bis zu dem, was uns heute blühen mag. Der Appell „Save the planet“ jagte vielen einen Schauer über den Rücken und sorgte für tosenden Applaus. Den beantwortete der Künstler wortlos mit einem großen grünen Herzen. Die Vorstellungen waren so begehrt, dass die Kirchentüren manchem vor der Nase geschlossen wurden.

Foiah-Volk und leuchtende Elemente

Da flogen die Feuerbälle.

Noch drubbeliger ging es auf dem Stadtmarkt zu. Hier quetschen und drängten sich die Zuschauer, um die feurigen Auftritte des „Foiah-Volks“ mit urigen Ritualen rund um die sechs Meter hohe Feuerskulptur zu erleben. Da flogen Feuerkugeln durch die Luft, wurden Feuerspeere geworfen, Feuerfontänen gespuckt und im wahrsten Sinne mit dem Feuer getanzt.

Leuchtende Bäume, Kreativaktionen der Jugendkunstschule, Lichtkunstführungen für die ganz Unternehmungslustigen und Märchen in der Stadtbibliothek: Wer hier alles erleben wollte, musste sich ganz schön ranhalten. Da brauchte man locker viereinhalb Stunden, bis das Feuerwerk das Spektakel wieder beendete.

Auf dem Rückweg blinkte jedenfalls manches Gefährt und fast jeder Fußgänger fröhlich in vielen bunten Farben. Fast so elementar wie das Motto dieses Lichtermarktes, der einmal mehr viel zu bieten hatte. Erst recht in Zeiten, die mit klammen öffentlichen Kassen jetzt zunehmend auch der Kultur den Hahn abdreht.

Ein Video gibt es hier

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Eckenga zieht im studio theater nicht nur die Wärmepumpe blank

Ganz besondere Lektüre aus frischen Druckfahnen: Eckengas Biografie „Gesang der Köttelfische“.

Endlich mal kein hilfloses Herumhantieren mit dem Realitätswahnsinn. Wo selbst große Kabarett-Namen aktuell in flachen Wortsümpfen einsinken, steht Fritz Eckenga im studio theater souverän über den Dingen. Er schickt Putin, Palästina und Thüringen einfach knallhart dorthin, wo sie hingehören: In die Strafecke, abgewatscht mit deutlichem Sarkasmus. Die fein gereimte Ironie hebt er sich für das auf, was vielleicht noch heilbar ist: Die ganz alltägliche Hirnschmelze hinter der Wärmepumpe. Und die ist schon schlimm genug.

Dem Nervenzusammenbruch nach Programm-Albträumen nah.

Wenn Howard Carpendale beim Intro Metallica ablöst, sind die Begrenzungspfähle schon gesetzt. Es geht vom Drehhocker mit Fast-Nervenzusammenbrüchen und stehender Anbetungsakrobatik weiter an den Schreibtisch und dann auch ganz flugs ab in die Tonne. Mit Eckenga steigen die Bergkamener in eine Geschwindigkeitsachterbahn, bei der mancher gelegentlich aus der Kurve fliegt. Gerade noch wird sachte sinniert, dann geht auch schon ein Sturzbach aus Satzgebilden ungebremst hernieder. Hemmungsloses Headbanging kann ohne Vorwarnung nahtlos auf die beschauliche KI-Gedicht-Rezitation folgen. Dabei passt der äußere Rahmen selten zum Inhalt. Auf Zack muss der bleiben, wer hier am Ende noch eine Inhaltsangabe zustande bringen will.

Ihr seid gemeint: Fritz Eckenga zieht blank.

Denn Fritz Eckenga zieht unablässig „blank“ und „die Buchse runter“ für „relevantes Kabarett“. Den zu hohen Wirklichkeitsverbrauch kuriert der Humor-Heilpraktiker mit Einblicken in seine tiefsten Kabarett-Albträume vom Nachttischzettel. Es geht um „Authenzität pur“ mit Weiterbildung in den Konzerthallen der gleichnamigen Pop-Gruppe. Dabei finden sich nicht nur die verlorenen Indigenen, sondern es brechen auch verkrustete innere Strukturen auf. Spätestens bei einem Blick in die Memoiren zeigt sich, dass früher beim Angeln an der Emscher auch nicht alles besser war zum „Gesang der Köttelfische“, mit Zäher-Zosse-Deputat und Grubengaulhufhorngebiss aus der Kaue.

Ungechipt im KI-Gedichte-Albtraum unterwegs

Als Humor-Heilpraktiker unterwegs: Fritz Eckenga.

Nenas Wunder geschehen nur im Corona-Verschwörungswahnsinn mit ungechipter Freiheitskämpfer-Fangemeinschaft oder als Momentum mit Ausnahme-Plural beim Live-Fußballkommentar der Wurst-Bruderschaft. Die plästernden Wortverluste zu Starkregenereignissen und Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnungen erfordern dann doch dringend endlich mal ein echtes Gedicht – auf Deutschland und den Abgesang, die Retraumatisierung, die Blutsdeutschen und eine Caren Miosga, die aus der Wacken-Wolke steigt. Da hilft nur noch die Erdung mit Ruhrplatt-Sprachkurs mitten im Publikum.

Probieren geht eben über Transformieren. Deshalb durfte Fritz Eckenga auch nicht schnell zurück in die Umkleide, wo er in der Pause bereits das Borussia-Spiel verfolgte. Es mussten noch einige Zugaben mit Abschiedsgedichten samt erschreckender Rassismus-Aktualität von zwei Jahre alten Werken her. Und ein Autogramm am Büchertisch, dorthin kam er fast direkt von der Bühne.

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Klaus-Peter Wolf begegnet in Bergkamen seiner Autoren-Anfangszeit

War mit viel Spaß, Humor und Anekdoten bei der Sache: Klaus-Peter Wolf.

Dass scheinbar alle 13,5 Millionen Käufer seiner Bücher und 110 Millionen Zuschauer der Verfilmungen seiner Krimis ins studio theater stürmen, damit konnte der Erfinder der Ostfriesland Krimis rechnen. Eindeutig überrascht war Klaus-Peter Wolf von seiner Vergangenheit, die ihn auf der Bühne von „Mord am Hellweg“ am Samstag einholte. Ein kleines, abgegriffenes Heftchen erschien plötzlich aus dem Nichts, mit der Hand zusammengeheftet aus Matrizen. Veröffentlicht in der „Proleten-Presse“ für 3 Mark. Sein erster Erfolg.

Herbert Knorr holt die Rarität aus der Anfangszeit für eine ganz persönliche Signierstunde hervor.

Aus der Jackentasche zog die Rarität niemand anders als der Ideengeber des größten internationalen Krimifestivals persönlich. Herbert Knorr hatte diebische Freude daran, das verblüffte Gesicht des längst erfolgreichen Krimiautors zu beobachten, als er das betagte Werk viele Jahrzehnte nach seiner Entstehung signierte. Erstanden hatte Knorr das Buch zu einer Zeit, „als Klaus-Peter Wolf noch niemand kannte“. Der erzählte hingerissen, wie er damals in dem Gelsenkirchener Verlag mit Helfern unentwegt um den Tisch im Wohnzimmer rannte, in dem der Verlag seinen Sitz hatte. „Wir sammelten alle Seiten mit der Hand auf und hefteten sie zusammen“, erzählt er. Höchstselbst klapperte er dann alle Gelsenkirchener Buchhandlungen ab, um sein Buch auszulegen. Als es wenige Tage später vergriffen war und Nachschub angefordert wurde, war er einfach nur stolz.

Lange Schlangen im Foyer des studio theaters: Alle wollten eine Unterschrift und ein Selfie.

Heute ist er mehr als das. „Wir sind erfolgreich und haben auch noch Spaß dabei – das ist ein Tabubruch!“, witzelte er und schüttelte sich gemeinsam mit Lebensgefährtin Bettina Göschl vor Lachen. Drei Filme werden gerade gedreht, zwei Drehbücher entstehen, drei Bücher sind in diesem Jahr erschienen. Krimis, Romane, Kinderbücher: Nach einem preisgekrönten und bewegten Schriftstellerleben genießt Wolf den Erfolg in vollen Zügen. Davon erzählte er auch im studio theater mit voller Begeisterung. Etwa wie er während der Fahrt nach Bergkamen mit Bettina Göschl den Fall des nächsten Krimis diskutierte, und die Abfahrt verpasste. Oder wie beide ihre Meinungsverschiedenheiten zwischen die Buchseiten verlegen, ihr persönliches Erfolgsrezept.

Viele Anekdoten und ganz persönliche Einblicke

Auch Körpereinsatz war bei der Lektüre gefragt.

So dauerte es satte 40 Minuten, bis Klaus-Peter Wolf überhaupt zum ersten Buch griff und die Lesung eröffnete. Dazu gab es immer wieder heitere Anekdoten, etwa die Hintergründe zu den Sätzen auf den ersten Seiten. Das sind „gekillte Darlings“: Sätze, die er persönlich liebt, die aber herausgekürzt werden mussten. Oder wie es zuhause zugeht, wenn er sich mit Leib und Seele in seine Protagonisten hineinversetzt und plötzlich weiblich herumstarkst oder seinen Tee ganz anders trinkt. Oder wie er ein ganzes Drehteam mit durchdringendem Deichregen und Kluntje mit Sahne nachhaltig „einnordet“, damit die Filme über seine Bücher auch den richtigen Zungenschlag bekommen.

Am Ende war es fast nicht mehr wichtig, worum es in den verschiedenen Büchern, aus denen er vorlas, eigentlich ging. Wo die Ermittlerin an der falschen Haustür klingelt und mitten in einem Ehestreit landet. Wie Gendern, Gleichberechtigung und „Dickpics“ zusammenhängen, ein Jugendbuch die eigene Sicht des Sohnes zum Seitensprung des Vaters offenbart oder ein Gang ins Wasser auf Wangerooge enden kann: Wolf las aus mehreren Büchern vor und amüsierte sich dabei mindestens so königlich wie das restlos gefüllte studio theater.

Bettina Göschl hatte neben ihren Büchern als Co-Autorin und Lebensgefährtin auch wunderbares Liedgut im Gepäck.

Eine besondere Note bekam die Lesung auch durch die Lieder von Bettina Göschl. Sie gab nicht nur das Titellied der Filme zum Besten, inklusive Entstehungsgeschichte des Summens bei einer Teepause mit durchnässtem Filmteam. Ein Liebeslied an Ermittler Frank Weller war ebenso dabei wie ein wundervolles Lied auf ihren Lebensgefährten und seinen verschiedenen Verwandlungen beim Schreiben.

Am Ende gab es tosenden Applaus und Unmengen verzückter Besucher, die ein signiertes Buchexemplar glücklich an die Brust pressten – Selfie für die Ewigkeit inklusive. Es gibt noch weitere spannende Krimi-Lesungen mit Mord am Hellweg in Bergkamen: am 13. Oktober mit Jan Beck in der Trauerhalle am Parkfriedhof, am 20. Oktober als Klima Thrill Abend mit mehreren Autoren in der Ökologiestation und am 4. November mit Ingo Bott und Arno Strobel im Stadtmuseum.




Sehr erfreut: Therapie- und Biografie-Stunde mit Ingolf Lück

Mischung aus Schauspiel und Comedy: Multitalent Ingolf Lück gab tiefe Einblicke auf der Bühne des studio theaters.

Ein bisschen Therapiestunde. Ein wenig Kalaurer-Geplauder an der Supermarktkasse. Zwischendrin mal eine bitterböse Abrechnung. Dann ging es wieder hinter oder vor den Tisch im Klassenraum. Der Start in die Kabarett-Saison des studio theaters mit Ingolf Lück war so etwas wie eine Biografie-Stunde als Erklär-Spiel mit Comedy- und Schauspieleinlagen. Ein launiger Auftakt mit einem routinierten Branchen-Hasen, der seinen Promi-Status nicht ernsthaft hinter Jogginghose, zerrissenem Pulli, grauem Haupt und Lesebrille zu verstecken versuchte.

Mimik und Gestik: Auch das war zum Einstieg in die Kabarett-Saison ein Highlight.

Der Schauspieler, Moderator, Komiker, Regisseur und Synchronsprecher schien punktuell absichtlich mit dem Vorhang im Bühnenhintergrund verschmelzen zu wollen. Denn allzu viele im Publikum warteten ganz offensichtlich auf eine Tanzeinlage, auch wenn der „Let’s Dance“-Sieg inzwischen einige Jahre zurück liegt. Dennoch ging es mit „I wanna dance with somebody“ und offensichtlichen musikalischen 80er-Jahre-Reminizenzen an den Formel Eins-Einstieg auf die Bühne. Immerhin gab es ein paar Anekdoten aus der Tanzshow für die allzu Erwartungsfrohen. Ansonsten prägten das Altern, Einblicke in das Privatlebeben und die aktuelle Lage in allen Bereichen den Abend.

Ganze Hingabe auf voller Bühnenbreite.

Da Pulli und Jogginghose perfekt vom Hintergrund absorbiert wurden, konzentrierte sich alles automatisch auf die rastlose Mimik und ständig in allen Himmelsrichtungen agierenden Händen. Schmerz, Wut, Verzweiflung und Empörung ergossen sich auf die Bühne, wenn sich die Zählhilfe an der Supermarktkasse aufdrängte, die Machtübernahme der Thüringer AfD Böses ahnen ließ und der Rückfall der Grünen hinter die Ideale der 80-er zusammen mit den AfD-Kanzlerabsichten Sympathien für CDU-Kandidaten in ungeahnte Höhen schnellen ließen. Die Bergkamener Ganztagsbetreuung mit Mettbrötchen war da ein echter Lichtblick. Da trägt sich die Vintage-Patina gleich leichter.

Genau hinschauen und hinhören war bei Ingolf Lück gefragt.

Veggie Days mit Fleischsalat, von Nazis gemolkene Milch aus Brandenburg, Zyklopen-Bauern mit Reichsflagge und tiefe Einblicke in die Seele des Ostwestfalen, bei dem sich Ost und West gegenseitig aufheben und das restliche „falen“ zur Mentalität wird, verdeutlichten: „Heute wird’s richtig ernst“. Mit Selbstsuboptimierung ging es zurück auf die Schulbank zu rektalen Kaugummi-Psychosen. Da endet man schnell in einem schlechten Haschisch-Trip mit Einhörnern im Dunkeln. Die überzivilisierten Barbaren mit Haaren auf dem Rücken waren nach der Pause nur die logische Konsequenz. Die Möglichkeiten wurden zur Wirklichkeit und Veith, der personifizierte Vater-Horror und Freund der Tochter, lebte gefährlich angesichts von Rolltreppen mit Falltüren und Schlössern ohne Schlüssel an störenden Rädern im Regionalexpress. Da war das Zettelknibbeln an der Banane als optionaler Kassenterror noch die sanfteste Rachevision am ganz normalen Gegenwartswahnsinn.

Natürlich verlangten die Bergkamener eine Zugabe und noch eine. Dass nur wenige Abo-Inhaber in der Pause gegangen waren, war für Ingolf Lück ein weiterer Erfolg, denn daran misst sich der wahre Promi-Status. Sehr erfreut, Herr Lück!




Interkulturelle Woche startet mit fröhlichem Fest der Vielfalt

Eigens eingeübt: Syrischer Tanz.

Gar nicht so leicht, auf einem schmalen Band zu laufen. Und die Kugel in einem Teller mit Rillen genau in die Mitte zu bugsieren, kann auch eine Herausforderung sein. Kaffee wird ganz anders als gewohnt direkt ins Wasser gemischt, in heißen Sand gestellt und gerührt. Mit offenen Mündern schauen Kinder verschiedener Nationen zu, wie Kinder einer anderen Nation leichtfüßig das Pflaster des Herbert-Wehner-Platzes in ein großes kollektives Tanzfest verwandeln – mit haargenau synchronen Schritten. Das nennt sich Vielfalt. Und die kann mitreißend sein.

Beleibt: Balanceakt am Stand der Eiskunstläufer.

Genau das war das Anliegen des Vielfaltsfestes, das am Sonntag die interkulturelle Woche auf dem Nordberg einläutete. Zahra Kazkaz ist seit März Integrationsmanagerin und ist immer noch „fasziniert, wie viele Menschen sich gemeldet haben, um sich hier einzubringen“. In Bergkamen leben traditionell viele Nationen miteinander. Das haben nicht zuletzt Industrialisierung und Bergbau begründet. Egal, ob sie aus der Türkei, aus Afghanistan, aus Griechenland, Italien, Syrien oder der Ukraine kommen: Sie wollen zeigen, dass ein Miteinander auch mit unterschiedlichem Hintergrund friedlich, tolerant, offen, respektvoll und vor allem vielseitig sein kann.

Der Kinderchor in Aktion.

„Dass hier so viele mitmachen, ist ein Signal, dass wir zusammenhalten“, ist sich Zahra Kazkaz sicher. Sie hatte jedenfalls keine Mühe, ein imposantes und kunterbuntes Programm für dieses Auftaktfest auf die Beine zu stellen. Die Gruppen und Vereine standen vor der Bühne Schlange, um hier Vielfalt eindrucksvoll in Szene zu setzen. Mit türkischer Musik, Gesang im Kinderchor oder Tänzen, die eigens eingeübt wurden. Und vor allem mit vielfältigen Begegnungen.

Lecker; Türkischer Kaffee und andere Köstlichkeiten.

Die entstanden oft hinter den Kulissen. Etwa in der Ausstellung im Haus Frieden, die Bilder von Geflüchteten unter dem Titel „Aufbruch und neue Wege“ zeigte. Wie Betroffene das erleben, was für viele Bergkamener unvorstellbar ist: Krieg, Tod, Vertreibung, Flucht, Heimatverlust und Neuanfang: Hier gab es mehr als genug Gesprächsstoff. Ihre eigene Sprache fanden die Kinder im Angebot der städtischen Spielgruppen im Pestalozzi-Haus. Spiel ist universell und der vermutlich einfachste und beste Weg für Integration.

Egal ob Eiskunstlauf, Naturfreunde, Kinderchor der Friedenskirche, Bildungswerk, Kinderhospiz, oder Angebote für pflegende Angehörige und Omas gegen Rechts: Hier konnte jeder etwas für sich entdecken. Vor allem auch leckere kulinarische Vielfalt mit der niedrigsten Schwelle, um aufeinander zuzugehen und sich besser kennenzulernen. Die Interkulturelle Woche geht mit einem vielfältigen Angebot in Vereinen und Institutionen bis zum 30. September weiter. Das ganze Programm gibt es hier.

Vielfaltsfest1
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Der Kinderchor zeigt, wie toll gemeinsamer Gesang sein kann.
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Eigens eingeübt: Syrischer Tanz.
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Beliebter Balanceakt am Stand der Eiskunstläufer.
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Lecker: Türkischer Kaffee und andere Köstlichkeiten.
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Beim Römerfest ging es nicht nur in der Arena zur Sache

Nachwuchsgladiatoren verbreiten schon mit vier Jahren Respekt in der Arena.

Das Blut läuft, kaum dass die Spitze des Schwerts die Nase berührt hat. Der Kampf in der Arena ist abgebrochen. Die Nase ist angebrochen. „Das habe ich ein Mal im Monat, ist nicht schlimm“, sagt der Retiarius und hat mit dem modernen Taschentuch im Gesicht noch die Muße, Netz und Dreizack ordentlich aufzusammeln. Es ist Römerfest und es geht im Schatten der Holz-Erde-Mauer auf dem Gelände des einstigen Römerlagers zur Sache.

Auch Frauen zeigten im Sand der Arena, dass sie in der Antike gelegentlich die Oberhand hatten.

Leander lässt das Geschehen völlig kalt. Der Vierjährige steht mindestens zum vierten Mal in einer Arena und stürzt sich ebenfalls mit Netz und Dreizack unerschrocken auf einen fünf Mal so großen ausgewachsenen Kämpfer. Wenn er zum Gladiator wird, heißt er Priopas. Den Namen hat er ebenso von seinem Vater geerbt wie die Leidenschaft für das antike Spektakel. Sein Vater ist der Museumsleiter und hat all das organisiert. Mark Schrader hat an diesem Wochenende sein zweites Leben als Gladiator an den Nagel gehängt, jetzt ist der Nachwuchs dran. „Es tun einfach die Knochen weh – und ich möchte Zeit für die Kinder haben“, sagt er. Denn auch seine ebenfalls vierjährige Tochter Laetitia zieht es zur Geschichte und in die Arena. Viel zu tun, auch in der Freizeit.

Das Marschgepäck steht im Zeltlager bereit.

Die füllt sich für alle, die an diesem Wochenende auf dem Gelände in die Rollen von Gladiatoren, Legionären, germanischen Hilfskriegern und Handwerkern schlüpfen mit uralter Geschichte. Egal ob sie gebürtige Amerikaner, Belgier, Italiener oder Niederrheiner sind. Nichts, was hier zur Schau getragen wird, ist nicht originalgetreu. Fast alles orientiert sich an archäologischen Funden und wurde vor gut 2000 Jahren so in Oberaden getragen, benutzt, verwendet, hergestellt oder einfach nur angeschaut. Das reicht von der kleinsten Niete am Rüstungsteil bis zur Tinte im Fässchen.

Dokumentenechte Schreibkultur mit Ewigkeitsgarantie

Antike Schreibkunst konnte live beobachtet werden.

Einen Gallapfel hat der Junge aus Bergkamen jedenfalls noch nie gesehen. Er schaut sich das Produkt der Wespe, das am Eichenblatt als Nisthöhle wächst, neugierig an. Denn das runde Ding wird zermahlen, mit Essig vermengt, mit Rost angereichert und verwandelt sich mit Wasser und Gummi Arabicum in eine Flüssigkeit, die auf dem Papyrus erst schmutzig braun und mit der Zeit rabenschwarz wird. Sie bleibt mehr als 2000 Jahre frisch und dokumentenecht. Die Rezeptur hat sich deshalb bis heute kaum verändert. Damit zu schreiben, ist mit dem Kiel einer Gänsefeder auf rubbeligem Papier allerdings wiederum eine echte Kunst.

Beeindruckend: Reiterin und Reiter rüsten sich für die Lagerpatrouille.

Jetzt rüsten sich die Reiter der germanischen Hilfstruppen. Sie brauchen einen Schemel, um in voller Rüstung auf ihre Pferde zu kommen. Die eisernen Masken werden oben im Sattel auf die Gesichter gesetzt. Zum Schluss kommt der Köcher mit den riesigen Pfeilen dazu und ein gewaltiger Speer. Dann reiten sie los. Patrouille. Alles ist originalgetreu, von der kleinsten Schlaufe am Sattel bis zum Verzierungselement am Gürtel. Sie reiten an dem Legionär vorbei, der mit einem Rasenstück vor dem Zeltlager stehen muss. Eine demütigende Strafe, weil er angeblich einen Befehl missachtet hat.

Macht Spaß: Wagenrennen in Miniatur.

Es wird exerziert, gehämmert, gemeißelt, gehobelt, gefärbt, genäht, gehäkelt, gebacken, gekocht und gespielt. So, wie es vor 2000 Jahren im und am Lager zugegangen sein mag. Wagenrennen inklusive. Die modernen Spielkarten für die Kinder gab es damals wahrscheinlich noch nicht, oder zumindest in anderer Form. Spaß macht es jedenfalls allemal, einmal ein paar Tage lang in längst vergangene Zeiten einzutauchen. Die waren ganz ohne Frage spannend, aber auch anstrengend. Denn alt wurde man damals nicht, egal ob als Römer und Germane. Und alles, was im Alltag gebraucht wurde, musste noch weit mühsamer hergestellt werden als heute. Und vor allem: Es musste verteidigt werden, denn Kriegereien waren an der Tagesordnung.

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Macht Spaß: Wagenrennen in Miniatur.
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„Markt_hoch3“ macht Lust auf die Mitgestaltung von „b3“

Gut besucht war der Stadtmarkt am Samstag, vor allem bei den Vorführungen auf der Bühne.

Die beiden Mädchen hören aufmerksam zu. Dann schauen sie sich nachdenklich an. Ihre Wünsche und Ideen für den Stadtmarkt sind gefragt. „Tja, das ist gar nicht so leicht“, sagen sie. „Ein Angebot für Aktivitäten unter freiem Himmel wäre toll“, sind sie sich dann einig. Die Mitarbeiterin der „Urbanisten“ füllt fleißig den Bogen auf ihrem Klemmbrett aus. Der „Markt_hoch3“ füllt so langsam die Fragebogen – und den Stadtmarkt.

Wichtig: Die Meinung der Bergkamener, vor allem der Jugend. Die wurde am Stand der „Urbanisten“ abgefragt und sorgsam notiert.

Das war eines der Ziele der Aktion, die am Samstag für ein buntes Treiben unter freiem Himmel bei prachtvollem Sommerwetter sorgte. Zahlreiche Stände waren auf dem Stadtmarkt aufgebaut. Mittendrin eine Bühne. Livemusik gab es am laufenden Band. Solisten sangen, Gruppen tanzten. In einer Mini-Halfpipe konnten sich Mutige bei den ersten Versuchen auf dem Skateboard ausprobieren, mit fürsorglichen Hilfestellungen.

Farbenfrohe Gestaltung war ebenfalls gefragt.

Auch die Kreativität konnte sich hier an jeder Ecke frei entfalten. Am Kunstlaster der Jugendkunstschule ging es mit Stiften und Farben richtig bunt zu. Kleine Kunststücke entstanden auf weißen Pappkartons. Buttons wurden gemalt. Beim Handarbeitstreff der Stadtbibliothek konnten sich Fingerfertige in die Kunst des Häkelns und Strickens einweihen lassen. „Ist ja gut zu wissen, dass es sowas gibt“, sagte eine Passantin, die noch mit der einen oder anderen Schwierigkeit mit Nadeln und Faden zu kämpfen hat. „Ich komme bestimmt einmal vorbei und hole mir Ratschläge“.

Wertvolle Hilfestellung gab es beim Repa(ir)Café.

Begehrt war auch das Wissen der versierten Bastler vom Repair-Café. Das ist erst vor zwei Monaten mit ca. 8 Mitgliedern von Kamen an den Stadtmarkt in die Stadtbibliothek umgezogen. Sie können (fast) alles wieder flott machen „was man tragen kann“. Gerade versuchen sie, bei einem Bluetooth-Lautsprecher den Fehler zu entdecken. Auf einem speziellen Gestell wird ein Fahrrad untersucht und der Fehler auch gleich entdeckt. „Reparieren können wir das momentan noch nicht mit unseren Möglichkeiten, aber wir wissen jetzt, was es ist“, sagt der Fachmann, der das Rad wieder auf den Boden hebt.

Urbanisten sammeln kreative Ideen

Beeindruckende Tanzkunst unter freiem Himmel vor der spannenden Kulisse des Stadtmarktes.

Viel tut sich rund um den Stadtmarkt. Viele Bergkamener haben davon noch gar nicht gehört oder ahnen es noch nicht einmal. SpieleTreff, AlleinerziehendenTreff, Familientreff, Medienflohmarkt: Der „Markt_Hoch3“ bot am Samstag viele Möglichkeiten, auf Entdeckungsreise zu gehen. Unterstützt von vielen Leckereien an den Ständen, abendlicher Lesung inklusive Zauberei, vollem Bühnenprogramm und vor allem von vielen Informationen.

Langsam füllte sich die Wand mit den spontanen Ideen.

Gerade die jungen Besucher beteiligten sich rege am Stand der „Urbanisten“ an den Umfragen und den Möglichkeiten, Ihre Ideen, Wünsche und Meinungen für den Stadtmarkt einzubringen. „Der Stadtmarkt ist inzwischen 25 Jahre alt – und er hat immer noch viele Möglichkeiten. Das wollen wir hier heute zeigen und gleichzeitig Verbesserungen anstoßen“, schildert Jörg Feierband, Leiter der Stadtbibliothek. B3 ist dabei das Stichwort: Die Entwicklung des „Dritten Ortes“ neben dem eigenen Zuhause und der Arbeit/Schule. Das ist der Ort, wo sich die Freizeit abspielt, wo man sich trifft und etwas unternimmt. Der Stadtmarkt mit Stadtbibliothek und vielen Angeboten kann sich dazu entwickeln. Dafür gibt es Fördergelder.

Die 1. Phase des Projekts ist mit dem „Markt_hoch3“ umgesetzt. Im März wird das komplette Projektkonzept eingereicht. Mit vielen tollen Ideen der Bergkamener selbst. Das steht jetzt schon fest.

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Kulturpicknick verabschiedet sich mit fulminantem Körperknäuel-Finale

Auch die Natur wurde beim letzten Kulturpicknick der Saison zum Akteure mit einem fulminanten Regenbogen.

Das Finale der Sommerpicknicks hatte am Freitag alles im Angebot. Vom schwülen Sommerabend bis zum Regenschauer: Nichts kann die Bergkamener mehr davon abhalten, die Arena im Römerpark fast bis auf den letzten Grashalm zu füllen. Zum letzten Mal in diesem Sommer war das Parkgelände randvoll mit ganzen Familien, Picknickdecken, Leckereien und vor allem mit guter Sommerlaune. Und: Der Jubel war weithin zu hören. Denn dieses Finale hatte einiges zu bieten. Vor allem äußerst flexible Gliedmaßen. Wer schon immer restlos verknäulte Körper sehen wollte, war hier richtig aufgehoben. Sie schoben sich unter Feuerstäben hindurch, wirbelten durch die Luft, verkeilten sich ineinander, tanzten durch die Menge. Vor allem aber steckten sie alle mit ihrer guten Laune an.

Herr Nils schiebt eine Tür auf: Ein echtes Ereignis.

Es ging schon gut los mit Herr Niels. Der schlurfte schlaksig auf die Bühne und manövrierte seinen Körper eindrucksvoll mit pantomischen Mitteln in beeindruckende Körperhaltungen. Situationen des Alltags verwandelte er mit Hut und Malerrolle in mehr als heitere Situationskomik. Er hätte problemlos allein den Abend mit seiner „Physical Comedy“ gestalten können.

Sehr verknäulte Körperkunst präsentierte „Afrobatic“.

Der Hauptteil war jedoch für „Afrobatic“ reserviert. Als die Gruppe geschlossen mit Trommeln und afrikanischen Instrumenten quer durch das Publikum hindurch einmarschierte, hatte sie das Publikum bereits für sich gewonnen. Vor allem die Kinder versammelten sich geschlossen vor der Bühne, um die wirbelnden traditionellen Tänze zu bestaunen. Die gingen ganz selbstverständlich und nahtlos in Akrobatik über, die Münder offenstehen ließ. Urplötzlich stapelten sich Leiber übereinander oder quer in der Luft. Mittendrin im Gliedergetümmel jonglierten sie mit Hüten und kreiselnden afrikanischen Schüsseln oder falteten sich derart kompakt zusammen, dass sie unter einer brennende Fackelstange hindurch passten. Besser nicht nachmachen sollte man die Kunst, den ganzen Körper durch einen Tennisschläger zu quetschen.

Zum Schluss wurden auch die Kinder in die Akrobatik-Kunst integriert.

Absoluter Höhepunkt war jedoch das sich langsam hochschaukelnde Finale. Ein Kind nach dem anderen wurde auf die Bühne geholt, um allein durch die Luft gewirbelt zu werden, zu zweit in eine Körperpyramide integriert zu werden oder spontan einen Salto rückwärts zu lernen. Am Ende feierten alle Kinder zusammen mit der überwiegend aus Ghana stammenden Truppe ein großes Bühnenfest mit schallenden Zugaberufen. Spätestens jetzt war klar, warum sogar der Bundespräsident die Künstler in seinen Amtssitz geholt und das Fernsehen sie zu „Supertalenten“ auserkoren hatte.

Ein toller Abend, der zwischendrin mit einem fulminanten Doppelregenbogen nach einem kurzen Regenguss im wahrsten Sinne gekrönt wurde. Über den Herbst, Winter und Frühling werden die Bergkamener dieses schöne Kulturformat garantiert vermissen.

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Auch die Natur wurde beim letzten Kulturpicknick der Saison zum Akteure mit einem fulminanten Regenbogen.
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