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Die Abenteuer eines Bahnkunden oder von einem, der auszog, ein Ticket zu kaufen

Ich bin kein großer Freund davon, Wörter, die für Großes, Außergewöhnliches oder auch allzu Abwegiges stehen, inflationär zu nutzen. Mir gehen Menschen auf den Geist, für die jede Kugel Eis gleich „der Hammer“ ist und ein passabel geschossenes Urlaubsbild „ein Traum“. Doch zu dem, was ich seit inzwischen knapp einem Monat mit der Deutschen Bahn und den Verkehrsverbunden Rhein-Ruhr (VRR) und Rhein-Sieg (VRS) erlebe, fällt mir kaum ein anderes Wort ein als Odyssee.

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Die Bahn macht… oft kirre!

Alles beginnt Anfang Mai, als ich mich auf ein Praktikum in Köln vorbereite: Eine spannende PR-Agentur hat mir einen Platz angeboten, alles läuft gut. Bleibt nur die Frage, wie ich aus dem Ruhrgebiet jeden Tag in die Rhein-Metropole kommen soll. Im Kundencenter der VKU in Kamen kaufe ich für 100 Euro ein Monatsticket für Azubis, Studenten, Praktikanten… bis Düsseldorf. Danach beginnt der VRS-Bereich, und ein Anschluss-Monatsticket könne ich nicht bei ihr, sehr wohl aber beim VRR in Dortmund erwerben, so die Auskunft der freundlichen Verkäuferin. Nachdem ich Mittwoch also den ersten Teil der „Aufgabe“ gelöst hatte, nutze ich am Samstag die Zeit, meine Pendler-Strecke in Dortmund auch für den zweiten Teil sicherzustellen.

Wir sind hier nicht Kamen und nicht Köln… (Mitarbeiterin im DSW21-Kundencenter)

Im neuen Büro des DSW21-KundenCenters an der Petrikirche unweit des Hauptbahnhofs ist an diesem Tag natürlich die Hölle los. Doch der Schuppen wird auf der Homepage des VRR als Kontaktadresse genannt, also rein. Drinnen wird es schnell unfreundlich. Ich erkläre der Dame die Situation: Dass ich in Kamen schon ein VRR-Ticket gekauft hätte und ihre Kollegin dort meinte, ich solle mich an eben jenes Kundencenter wenden. „Wir sind hier nicht Kamen und nicht Köln, damit haben wir nichts zu tun“, so die vergleichsweise freche Antwort der Nahverkehrsexpertin. Diskussion sinnlos, denke ich. Die Frau ist im Stress, die Leute stehen Schlange und bis zum Feierabend um 16 Uhr sind es noch fast anderthalb Stunden.

Aufgeben will ich aber nicht. Immerhin bin ich nun schon mal hier und am Montag soll es zum ersten Mal nach Köln gehen. Ich gehe also über die Freitreppe zurück zum Hauptbahnhof, biege im Gebäude links ab ins Reise Center der Deutschen Bahn, ziehe eine Nummer – und warte. Knapp zwanzig Minuten dauert es, bis ich einen Bahnmitarbeiter zu sprechen bekomme. Stolz verkündet die Bahn, es seien momentan sieben Schalter für die Kunden geöffnet. Leider stehen dahinter nur vier Servicekräfte. Der, an die ich gerate, erkläre ich die Situation, wie ich es auch schon ihrer Kollegin von den Dortmunder Stadtwerken zu erörtern versucht habe. Die Dame hackt in ihren Computer, um dann festzustellen: „Das geht von hier nicht. Müssen Sie in Düsseldorf oder Köln machen!“

Das geht von hier nicht. Müssen Sie in Düsseldorf oder Köln machen! (Mitarbeiterin im Reise Center der Deutschen Bahn)

Am Montag steige ich um halb 8 in den Zug nach Köln – ohne Monatsticket für den VRS-Bereich. Stattdessen habe ich mir ein Anschlussticket hin und zurück für die Strecke ab Düsseldorf gekauft. Der erste Arbeitstag läuft gut, die Leute sind freundlich und ich frage sie, wo denn wohl das nächste Service Center des VRS ist. Nach der Arbeit fahre ich zum Neumarkt, wo in den Katakomben des U-Bahn-Netzes ein ebensolches eingerichtet ist. Wieder warten, diesmal ohne Nummern ziehen. Vor mir stehen zwei Teenie-Mädchen. Beide rauchen, was der ohnehin schon stickigen Luft einige Meter unter der Erde nicht gerade zu größerer Frische verhilft.

Als ich an der Reihe bin, erkläre ich auch diesem vor mir sitzenden Mitarbeiter – dieses Mal ist es ein Mann – die Situation. Und was der mir sagt, verwundert mich sehr: „Sie können nicht zwei Monatstickets hintereinander nutzen, das geht nicht.“ Aber, so sein Tipp: Das müsse ja keiner der Kontrolleure merken. Was ein solches Ticket denn kosten würde? 130 Euro, sagt der Mann. Ich bedanke mich, verlasse den Service-Schalter, steige in die U-Bahn Richtung Hauptbahnhof – und habe keine Ahnung, was ich jetzt machen soll.

Sie können nicht zwei Monatstickets hintereinander nutzen, das geht nicht. (Mitarbeiter  vom VRS-Service Center in Köln)

Am Kölner Hauptbahnhof angekommen frage ich an einem zweiten Schalter. Die Dame dort antwortet mir auf die Frage – die ich in der Form nun bereits zum vierten Mal stelle – ähnlich wie der Kollege vor ihr: Geht nicht, merkt aber keiner. Der Preis, den sie mir nennt, ist aber ein anderer. Lediglich knapp 100 Euro veranschlagt sie für die offensichtlich gleiche Strecke. Ich bin verwirrt, kaufe lieber erst einmal nichts, außer einem weiteren Anschlussticket „hin und zurück“ für den nächsten Tag.

Am Dienstag fahre ich nach der Arbeit wieder Richtung Hauptbahnhof, anstatt, wie ich es eigentlich geplant hatte, von Köln-Deutz nach Hause zu fahren. Dieses Mal entscheide ich mich für das dortige Reisezentrum der Deutschen Bahn. Der Grund: Nach langer Recherche habe ich herausbekommen, dass es alternativ zu den Verbundtickets auch ein NRW-weites Monatsticket für Azubis und Co. gibt.

Wieder heißt es: Nummer ziehen. Die Wartezeit steigert sich im Vergleich zu der in Dortmund noch einmal um zehn Minuten. Am Schalter angekommen frage ich eine ältere Dame, was es denn kosten würde, dieses Monatsticket von Kamen nach Köln. Knapp 270 Euro verlangt die Bahn für diese Strecke von den gut betuchten Auszubildenden. In meiner über die letzten Tage angestauten Verzweiflung frage ich die Frau, ob sie eine Idee habe, was ich tun könne. Ich hätte ein VRR-Ticket, erzähle ich ihr, und die restliche Strecke müsse ich auch halbwegs kostengünstig zurücklegen, um den Lohn für meine 40-Stunden-Woche nicht schon mit An- und Abreise komplett auf den Kopf zu hauen.

Merke! Der gute Bahnkunde weiß stets mehr als das Bahnpersonal

Allen Ernstes schlägt die Frau mir vor, ich solle doch einfach auch ein Monatsticket für den VRS-Bereich kaufen. Kein Wort davon, dass dies nicht ginge. Kein Wort von Heimlichtuereien vor dem Schaffner. Also gut. Die Frau muss es doch wissen. Immerhin arbeitet sie als Kundenbetreuerin der Deutschen Bahn in einem der größten Bahnhöfe des Landes. 100 Euro nennt auch sie mir für einen Monat Fahren zwischen Düsseldorf und Köln. Ich reiche ihr meine EC-Karte, wir füllen die Unterlagen aus und wenige Minuten später bin ich Besitzer einer Kundenkarte und dazu gehörigem Monatsticket des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg.

Eine Woche lang geht alles gut. Pünktlich komme ich morgens von Kamen nach Köln, halbwegs pünktlich abends wieder zurück. In der zweiten Woche tobt einer der schlimmsten Stürme seit Jahren, verwüstet das Rheinland sowie weite Teile des Ruhrgebiets und legt den Zugverkehr tagelang lahm. Ein unglückliches Geschehen, für das die Bahn allerdings beim besten Willen jetzt nun mal wirklich nichts kann.

Am darauf folgenden Montag fahre ich zum ersten Mal wieder nach Köln. Tagsüber wird gearbeitet, abends gucke ich mit den Kollegen aus der Agentur die erste Halbzeit der WM-Partie Deutschland gegen Portugal. In der Pause mache ich mich auf den Weg, will ja schließlich nicht allzu spät nach Hause kommen. Zwischen Leverkusen und Düsseldorf werden die wenigen Reisenden und ich – die trotz sich abzeichnenden Kantersiegs der Deutschen lieber nach Hause wollen – kontrolliert. Ich zeige der Frau mein VRS-Ticket, sie nickt und will weiter gehen, als sie sich umdreht und fragt: „Was steht denn da für eine Haltestelle drauf?“ Ich gucke nach und antworte mit „Langenfeld“. Das ginge nicht, das sei hier nicht gültig. Ich bräuchte Benrath, Langenfeld sei zu wenig, so die Zugbegleiterin.

Kunden müssen sich doch auch informieren, wie sie zu fahren haben und welches Ticket sie dann brauchen. (Zugbegleiterin der Deutschen Bahn)

Ich bin irritiert, fahre ich doch jeden Tag mit dem RE1 von Kamen nach Köln. Ich schildere der Frau, wo ich das Ticket gekauft habe und dass ich ihrer Kollegin am Schalter gesagt hatte, wie ich zu fahren gedenke. Ich argumentiere damit, dass ich das Ticket am Schalter gekauft hätte, mir also doch nicht ernsthaft ein Vorwurf gemacht werden könne, wenn es das falsche ist. Darauf reagiert die Frau wie folgt: Die Kunden müssten sich doch auch informieren, wie sie zu fahren haben und welches Ticket sie dann brauchen. „Fast alle machen das, sehr viele.“

Ich werde langsam ein wenig ungehalten, frage sie, ob das ihr Ernst sei, ob sie wirklich der Meinung sei, wer den Service der Deutschen Bahn in Anspruch nehme, müsse sich hinterher in Broschüren, im Internet oder auf ähnlichem Wege rückversichern, ob das, was Bahn-Mitarbeiter einem an Auskunft erteilen und an Tickets verkaufen, auch wirklich das richtige ist.

40 Euro, 5 Euro!? Hauptsache schnell

Es schien ihr Ernst zu sein. Für die Stecke von Leverkusen bis Düsseldorf Hauptbahnhof müsse ich jetzt jedenfalls erst einmal bezahlen. Sie fragt ihren Kollegen, was das denn kosten würde. „Fünf Euro“, antwortet dieser. Ob ich das in bar hätte, fragt sie, worauf ich ihr meine EC-Karte entgegenhalte. Geht leider nicht. Sie druckt mir eine Art Überweisungsträger mit Bankverbindung der Deutschen Bahn aus. Commerzbank steht da drauf – kein Wunder, dass es bei beiden seit Jahren rapide bergab geht.

Den Wisch nehme ich entgegen, wünsche der Frau mit wohl sehr sarkastischem Unterton einen „schönen Abend“ und schaue noch einmal auf den Zettel. 40 Euro lese ich da! Was ist aus den fünf geworden? Ich laufe der Frau hinterher, halte sie und ihren Kollegen an und frage, was der Quatsch jetzt plötzlich solle. Als Antwort kommt von beiden, dass es wohl reichen würde, wenn ich erst einmal die genannten fünf Euro überweise, solange es denn schnell ginge. Ich bin verwirrt, verstehe die beiden nicht, würde sie am liebsten ohrfeigen und weiß nicht mehr, was ich noch sagen soll.

Wieder auf meinem Platz rufe ich zunächst beim VRS an und schildere die Situation. Der Herr am Telefon empfiehlt mich weiter an die Deutsche Bahn, da die mir doch das Ticket verkauft hätte. Der Mann dort hat Verständnis für meine Lage und scheint von der Reaktion des „Bodenpersonals“ im Zug auch ein wenig irritiert zu sein. Viel machen könne er am Telefon allerdings nicht, sagt er dann. Für Wochen- und Monatstickets seien ausschließlich die Kollegen am Schalter zuständig.

Deshalb geht es morgen vor der Arbeit nun wieder in den Kölner Hauptbahnhof: beschweren, reklamieren und den ganzen Mist hoffentlich aufklären. Wenn es schlecht läuft, werde ich wieder von einem zum anderen durchgereicht und keiner weiß was, keiner kann was machen…




Info-Chaos bei der Bahn – Jetzt Bloggen die Pendler selbst

Wegen Wetter kann man ja nichts. Und wenn ein Baum auf eine Oberleitung stürzt, schon gar nicht. Doch wegen ihrer Informationspolitik nach der dem Pfingst-Unwetter ist die Deutsche Bahn mächtig in die Kritik geraten. Wo fährt überhaupt noch ein Zug im Ruhrgebiet und wo sollen Fahrgäste besser einen Schlafsack mitbringen, sind Fragen, auf die das ehemalige Staatsunternehmen oft eine Antwort schuldig blieb. Wer am Hauptbahnhof Essen gestrandet ist, weiß davon ein Lied zu singen.

(Foto: Patrick Opierzynski)
(Foto: Patrick Opierzynski)

Doch jetzt will die Bahn nachbessern. „Wer unterwegs ist, hat etwas zu erzählen. DB Regio NRW sucht Geschichten, die die eine Millionen Fahrgäste auf täglich insgesamt 3.500 Zugfahrten mit dem Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen erleben“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Diese Geschichten sollen die Kunden noch während der Fahrt oder in den meisten Fällen: Während eines Stillstands, in ihre mobilen Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs tippen. Und ab geht es ins Internet, in die „sozialen Netzwerke“. Besser als über Facebook, Twitter und Co. können doch die Bahnkunden nicht informiert werden.

 „Bahnfahren verbindet Menschen“

„Bahnfahren verbindet Menschen“, erklärt Heinrich Brüggemann, Vorsitzender der Geschäftsleitung von DB Regio NRW. Das klingt doch sehr schön. Einziges störendes Element ist die Bahn selbst. Denn die hat vergessen, als sie diesen Plan ausheckte, dass es in ihren Nahverkehrszügen überhaupt kein Wlan gibt. Also dieser nette Service, den die VKU-Kunden auf der Fahrt zwischen Dortmund und Bergkamen genießen können.

Übrig geblieben von diesem Plan ist ein PR-Gag: Bis zum 17. August können Bahnkunden ihre Fotos, Videos und Geschichten auf die Webseite bahn.de/ehrlich-nrw hochladen. Daraus soll ein Bildband oder eine Ausstellung entstehen. „Bis Ende September sind außerdem drei Autorinnen in NRW auf der Suche nach den ganz persönlichen Bahnmomenten der Fahrgäste unterwegs“, kündigt die Bahn außerdem an. Was sie über die Folgen des Orkantief “Ela” und die Reaktion der Bahnkunden zu berichten haben, darauf dürfen wir alle gespannt sein. Auf der Webseite findet jedenfalls das Bahnchaos Niederschlag.




Sprechstunde per Facebook: Nie mehr warten beim Hausarzt

In der Bergkamener Facebook-Gruppe hat sich am Pfingstmontag eine spannende Diskussion entwickelt. Warum springt mein Auto nicht an, lautete die Frage. Nach 36 Beiträgen stand fest: Vermutlich spinnt die Wegfahrsperre; die Karre muss morgen in die Werkstatt.

Facebook lässt sich also hervorragend zur Ursachenerforschung nutzen. Für einen Hausarzt ist dies bereits gängige Praxis. Wer zum Beispiel Halsschmerzen hat, muss bei ihm nicht mehr stundenlang im Wartezimmer sitzen. Man hält einfach die Smartphone-Kamera in den Rachenraum und postet das Foto von der belegten Zunge und den dicken Mandeln in die ärztliche Facebook-Gruppe. In einfachen Fällen kommt nach wenigen Minuten das entsprechende Rezept als Dateianhang zurück. Das druckt man aus und geht damit zur nächsten Apotheke.

In schwierigeren Fällen, wenn der Arzt sich nicht ganz sicher ist, wird in der Facebook-Gruppe die Diskussion eröffnet. Die meisten Patienten bringen schließlich durch die regelmäßige Lektüre der „Apothekenumschau“ das notwendige Fachwissen mit.

Skeptiker werden dies nun für baren Unsinn halten. Tatsache ist aber, dass ein in Bergkamen geborener und aufgewachsener Professor an der Uni Rostock, Fachgebiet Neurochirurgie, schon vor Jahren während einer Operation Handy-Fotos per MMS an Kollegen geschickt hatte, um sich bei ihnen eine zweite Meinung einzuholen.




Die Haushaltsgeräte des Todes

Sind Sie vertrauensselig? Ich nicht! Wem kann man heutzutage überhaupt noch vertrauen? Politikern? Sehr witzig! Unseren Wirtschaftsführern? Träumen Sie weiter!

Echtes Vertrauen habe ich ja nur ganz selten. Meiner Familie vertraue ich, meiner Freundin, ausgewählten Freunden… und Spülmaschinen. Bis heute jedenfalls. Da erreichte unsere Redaktion ein „wichtiger Sicherheitshinweis“, der sich auf Geräte mit Herstellungszeitraum zwischen 1999 und 2005 bezieht. Namhafte Hersteller sind dabei und wissen Sie was? Wenn wir Pech haben, fackeln uns die Teile mitten in der Küche ab. Einfach so!

Frei nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ wird da empfohlen, die Geräte „nur unter Aufsicht“ zu benutzen. Was für ein Quatsch: Da schaffe ich mir eine Maschine an, die mir den Haushalt erleichtern und wertvolle Lebenszeit schenken soll, und ich stehe zwei Stunden daneben und beaufsichtige ihre Arbeit? Nicht mit mir. Zum ersten Mal war ich heute Morgen froh, dass sich in meiner bescheidenen Studenten-Bude keine dieser tickenden Zeitbomben befindet. Für alle, die diesen „Luxus“ nicht haben, sei die Seite dishcareaction.de empfohlen. Da können Sie sich informieren, ob Ihre Spülmaschine nicht auch eine potenzieller Unheilstifterin ist. Und für die Zukunft merken Sie sich besser: Vertraue niemals etwas mit Seriennummer!




Proben für Theater-Dinner machen Appetit auf Donnerhall und mehr

Da geht es hoch her in der Auferstehungskirche. Don Mattich und Bürgermeister Schöfer geraten sich nach allen Regeln der Kunst in die Haare. Zu alldem macht es sich eine Landstreicherin neben dem Altar gemütlich, Engel fliegen ein und der Wohnturm soll kurz vor dem Abriss noch die ungeliebte Kindertagesstätte der Konkurrenz beherbergen. Beim nächsten Theater-Dinner dürfen sich die Teilnehmer im wahrsten Sinne auf „Donnerhall und Glockenläuten“ gefasst machen.

Weg mit der Landstreicherin: Der Pfarrer packt kräftig mit an.
Weg mit der Landstreicherin: Der Pfarrer packt kräftig mit an.

„Warte mal“, ruft Wilfried Müller laut aus einer Kirchenbank heraus und stürmt zum Altar. „Da kannst Du mehr draus machen!“, sagt der Regisseur, packt der Landstreicherin energisch an den Kragen und schüttelt sie. „Don Mattich“ macht es ihm nach. Schon bekommt die Szene mit Weinflasche und Decke direkt vor dem Altar noch mehr Leben. Es ist nicht nur die erste Probe für das nächste Theater-Dinner am eigentlichen Ort des Geschehens in der Auferstehungskirche in Weddinghofen. Es ist auch das erste Mal überhaupt, dass die Akteure der Ehemaligen des Städtischen Gymnasiums einen Altar als Bühne haben.

„Das ist schon ungewöhnlich“, meinen die Schauspieler – fühlen sich aber sofort pudelwohl unter der Kanzel. „Man muss sich ein wenig an die andere Akustik gewöhnen, das geht aber sehr schnell“, ist sich das siebenköpfige Team einig. Seit 2003 stehen sie als Ehemalige der gymnasialen Theater-AG auch nach ihrer Schulkarriere auf der Bühne. Zunächst wurde unter dem Dach der Jugendkunstschule geprobt. Heute treffen sie sich jedes Wochenende im Jugendheim Spontan in Rünthe, um vorwiegend unterhaltsame Stücke auf die Bühne zu bringen. Dass ihnen ein Werk direkt auf den Leib geschrieben wird, ist ebenfalls eine Premiere.

Zwei Engel und ein Geistlicher: Bei den Proben muss noch der Text mit auf die Altar-Bühne.
Zwei Engel und ein Geistlicher: Bei den Proben muss noch der Text mit auf die Altar-Bühne.

Die Idee dazu hatte einmal mehr Detlef Göke. Seine Krimi- und Theater-Dinner-Reihe hat voll eingeschlagen und viele Fans gefunden. Er platzt fast vor Ideen für neue ungewöhnliche Orte. Diesmal sollte es eine Kirche sein – mit einem Stück angelehnt an Don Camillo und Peppone. „Du bist verrückt“, war die erste spontane Reaktion von Autor Heinrich Peuckmann, der schon für die letzten Theater-Ereignisse die literarische Vorlage geliefert hatte. Eine Verrücktheit, die ansteckend war. Peuckmann setzte sich hin, schrieb eine Bergkamener Adaption des verrückten Kleinkrieges zwischen Gottesmann und Stadtoberhaupt. Diesmal schlug er die Ehemaligen des Gymnasiums als Akteure vor. Denn: „Er kennt uns schon lange“, betont Wilfried Müller.

Vorspeise in der Kirchenbank

Auch Pfarrer Maties war sofort von der Idee begeistert. Natürlich musste noch die Gemeinde zustimmen, dass sich das Gotteshaus für einen Abend in eine Theaterbühne verwandelt. Termine mussten abgestimmt werden. Am 11. April ist es nun soweit. Die Kirchenbänke beherbergen dann ab 19.30 Uhr nicht nur Theaterbesucher. Hier wird auch die Vorspeise zum Dinner dort serviert, wo sonst die Gesangbücher bereit liegen. Das Büffet wartet im Nebenraum, wo sich üblicherweise Pfarrer und sonstige Mitwirkende auf den Gottesdienst vorbereiten.

Kräftig gewettert wird von der Kanzel beim Theaterdinner.
Kräftig gewettert wird von der Kanzel beim Theaterdinner.

Viel Lokalkolorit steckt jedenfalls in dem Stück – nicht nur in den Namen der Hauptdarsteller, sondern auch dann, wenn „Don Mattich“ auf die Kanzel steigt und mächtig drauflos predigt. Jesus spricht selbstverständlich aus dem „off“ – ganz wir im italienischen Original. Es hagelt deftige Sprüche wie „selig ist, der da geistig arm ist“. Da hat sich eben viel aufgestaut, seit der Bürgermeister die Marienfigur versehentlich vom Sockel gestoßen hat.

Die neuen Ideen reifen übrigens schon bei Detlef Göke. „Romeo und Julia“ will er als nächstes auf die Bühne bringen, am liebsten im Gartencenter und noch lieber mit allen Laienspielgruppen. Erste Gespräche gab es schon. Auch für Kabarettfans hat er bereits etwas im Angebot: Am 10. Mai hat Daniel Jülich, Kabarettist aus Bergkamen, im Restaurant Olympia Klavierkabarett in der Manier von Bodo Wartke zu bieten.




Simone Fleck: Mit High-Heels am Rollator ins neue Jahr

Wüster Klingeltonterror, Gebiss-Suche, Alzheimer-App und High-Heels am Rollator: Wie kann ein Start ins neue Jahr besser gelingen? Simone Fleck hatte jedenfalls beim Neujahrsempfang im Ratssaal die besten Tipps für die überalternde Gesellschaft zur Hand. Wegezoll für das nächste Bayern-Gastspiel war dabei nur ein Vorschlag, der auf begeistertes Echo auch beim noch rüstigen Teil des Publikums stieß.

Mittendrin: Simone Fleck nimmt kein Blatt vor den Mund.
Mittendrin: Simone Fleck nimmt kein Blatt vor den Mund.

Ganz begeistert war die Kabarettistin schon beim „Einmarsch“ durch die Schar der geladenen Gäste vom bestechenden „Einheitsgrau“ der Männer. Auch die synchrone Übersetzung ihrer Bühnenleistung an die Gäste aus den Partnerstädten hat Simone Fleck wohl bei keinem Auftritt erlebt. Dass kurz nach einem kleinen Exkurs über Handymanie allerorten unter dem Motto „ich bin’s“ ein Handy im Ratssaal laut auf sich aufmerksam machte, unterstrich nur die Aktualität ihrer Beobachtungen.

Das Alter auf die Schippe nehmen: Die Alterspyramide einmal anders mit Simone Fleck.
Das Alter auf die Schippe nehmen: Die Alterspyramide einmal anders mit Simone Fleck.

Leben im Alter ist jedenfalls nicht leicht – Alzheimer-App hin oder her. Da braucht es schon unerschrockene Helfer unter den geladenen Gästen, um das entfleuchte Gebiss aus den Vorhängen des Ratssaales zu fischen. Umso nachhaltiger wirkte die Pointe mit dem taschenlampenerleuchteten Gebiss als nächtlicher Schreck für ältliche Kneipengänger im Gebüsch. Da machen die Aussichten auf das Alter doch Freude! Von der „Gesichtsguillotine unisex“ einmal abgesehen – dafür brauchte auch der Bürgermeister der französischen Partnerstadt keine Übersetzung.

Sparmaßnahmen im Heim durch die Abgabe eingebauter Ersatzteile nach dem Tod, Rückenschule, „Fazebuck“-Terror oder am Ausschnitt hängen gebliebenes Gebiss nach dem Rentner-Date: Der Ritt, den Simone Fleck auf die Neujahrs-Bühne legte, hatte es in sich. Philosophierte sie gerade noch über hypnotische Wahlplakate, die auch 2014 wieder auf uns warten, warnte sie im nächsten Atemzug schon wieder vor diplomierten Wäschefetischistinnen in Person von Fachverkäuferinnen für mitdenkende Unterbekleidung, die den Schweiß in unbestimmte Regionen leiten.

Die Kabarettistin in Aktion
Die Kabarettistin in Aktion.

Ob man Herrn Pofalla wirklich lieber an der Wursttheke statt im Bahnvorstand sehen will, sei dahingestellt. Dann vielleicht doch lieber „Backen ohne Rezept für Alzheimerkranke“, kriegsähnlicher Musik-Beschuss durch prädemente Jugendliche im Bus oder Alterstätowierungen in erschlaffter Haut Marke „Frida o“, die sich nach engagierter Falten-Entzerrung als „Frieden schaffen ohne Waffen“ entpuppt.

Das auch den Bergkamenern ans Herz gelegte Blockheizkraftwerk der anderen Art, zusammengesetzt aus einem Dutzend hitzewallender Frauen, wird wohl nicht die erfolgversprechendste Sparaktion 2014. Die Alternative des auf die Brust tätowierten Godesberger Programms wird manchen dagegen vielleicht schon eher beschäftigen.

Ein heiterer Einstieg ins neue Jahr ist mit Simone Fleck jedenfalls mehr als gelungen.




Storno kommt! Karten jetzt vorbestellen

Die Bergkamener sind süchtig nach diesem Trio: STORNO. Immer wenn die Kabarett- und Satire-Mannschaft aus Münster einen Auftritt in Bergkamen ankündigt, ist dieser quasi in Minuten ausverkauft. Darum sollten sich die Fans sputen! Denn STORNO kommt im März 2014 wieder ins studio theater. 

Storno
Storno

Am Freitag, 21. März, treten Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther im Rahmen der Abo-Reihe „Kabarett“ auf. Heißt: Abonennten haben ihren Sitzplatz sicher. Einzelkarten gibt es aber für diesen Termin auch. Ebenso wie für die Zusatzveranstaltung am Vorabend, Donnerstag, 20. März (beides 20 Uhr).

Dir Karten kosten – je nach Sitzplatz – 13, 15 oder 17 Euro Zudem sind bei bestimmten Personengruppen Ermäßigungen möglich.

Infos und Kartenvorbestellungen im Kulturreferat im Rathaus: 02307 / 965- 464.

Und was erwartet die Besucher? Nun, Storno wird mit dem im März längst beendeten Jahr 2013 abrechnen. Intelligent, böse, und brüllend komisch.




Von Pizza-Käseclips und Schiffchen aus Zeitungspapier

Heute ist erstmals die Zeitung ohne Redakteure erschienen. Damit soll sich gutes Geld machen lassen, hoffen deren Erfinder.  Und es geht noch mehr. Helfen könnte hier eine Berliner Firma, die sich vor einigen Tagen an die Tageszeitungen im Land gewandt hat.Die Erfinderhaus Patentvermarktungs GmbH sei eine Full-Service-Agentur für Erfinder, heißt es in dem Anschreiben. „Wir unterstützen, beraten und begleiten Menschen auf ihrem Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt.“ Und: „Unsere Erfindungen kommen aus den verschiedensten Bereichen: Mode, Lifestyle, Technik, Gesundheit – das Land der Ideen ist eben grenzenlos. Genau wie die Menschen hinter den Erfindungen, von der kreativen Hausfrau und Mutter bis zum prototypischen Denker und Tüftler.“
Einer dieser Denker und Tüftler kommt tatsächlich aus Bergkamen. Nein, die Zeitung ohne Redakteure hat er nicht erfunden, das waren andere. Erfunden hat er den „Käseclip aus Holz der den Käsebelag und die Umverpackung auf Abstand hält, sodass der leckere Käse nicht am Pizzakarton klebt, sondern auf der Pizza verbleibt.“ Dieses Problem, dass bei der Pizza des Pizzaservice der Käse am Deckel klebt anstatt auf der Pizza, hat allerdings bereits vorher findige Köpfe umgetrieben. Abstandshalter gibt es bereits, sie sind allerdings aus Kunststoff gefertigt.
Die neue bahnbrechende Entwicklung aus Bergkamen hat nun zwei wesentliche Vorteile. Sie besteht aus Holz, einem nachwachsenden Rohstoff, der sich nach Gebrauch auch noch recyceln lässt. Hinzu kommt, dass sich der Käseclip nach dem Verzehr der Pizza nützlich macht. „Die Beine können an einer vorperforierten Stelle abgebrochen und als Zahnstocher genutzt werden.“
Bevor die Erfinder der Zeitung ohne Redakteure ihre Entwicklung beim Patentamt anmelden, wollen sie weitere Anwendungsmöglichkeiten für Verbraucher entwickeln. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, arbeiten sie an einem Hut aus Zeitungspapier, der bei Renovierungsarbeiten die Haare vor Farbspritzern schützt. Zurzeit testen sie auch, ob sich Zeitungspapier auch als Baumaterial für kleine Spielzeugboote eignet, die sogar auf dem Wasser schwimmfähig sind.

Anmerkung: Sowohl die Zeitung ohne Redakteure als auch die Bergkamener Erfindung
 "Käseclip" sind nicht der Fantasie des Autos entsprungen.