2. Kulturpicknick: Mit Sockensozialismus und Tarantino Corona die Comedy-Zähne zeigen

In Hochform: Lars Redlich kann beim 2. Kulturpicknick auch die ganz großen Operndiven.

Nass? Egal! Die Bergkamener zeigen dem Regen die kalte Schulter und genießen den Comedy-Abend.

Beatles, Tarantino, Botox, Handies, Detox, Navis, Bob Dylan: Wer braucht schon das Original, wenn die Comedy-Adaptionen so viel lustiger sind. Lucy Van Kuhl und Lars Redlich hatten als unschlagbares Duo beim 2. Kulturpicknick Antworten auf jeden Wahnsinn der Corona- und Jetztzeit – verpackt als Musikkabarett, Liedermacherei, Plauderei, Schenkelklopfer, Erzählung, Dialog, Miniatur-Schauspiel. Selbst mit regennassem Hinterteil gab es kein Halten auf der triefenden Bühne – und auch nicht auf den durchgeregneten Picknickdecken davor.

Lecker: Auch im klitschnassen Ambiente kann man es sich gut gehen lassen.

Mancher verschluckte sich an den mitgebrachten Snacks oder sank von Lachkrämpfen geschüttelt hinter den aufgestellten Regenschirmen akut zusammen. Denn das, was das Duo dort begleitet von lieblichen Flügel- und Gitarrenklängen aus dem Hut zauberte, war einfach erschütternd für die entwöhnten Zwerchfelle. Unter den Regenjacken wurde es jedenfalls schon von Beginn an ganz schön warm, wenn das Date mit der Veganerin mit Fleischtomaten für den Hund und Meat & Greet-Ende frei nach Tarantino und Pilcher endete. Die Bohnen im Salat waren da „blowing in the wind“ und Eike die Eintagsfliege machte es auch nicht viel besser.

Es sieht beschaulich aus, aber das Duo Lucy Van Kuhl und Lars Redlich hat es in sich.

Die Kinder versuchen nach der Corona-Pause verzweifelt die Fische im Aquarium heranzuzoomen und dem Lesezeichen bleibt nach dem jüngsten Pandemie-Volldigitalisierung nur das Klagelied. Ab ins Traumtanztaumelland mit Social Media. Dem Handy wird jetzt endlich auch eine Stimme gegeben, denn das Leben mit Chantal ist alles andere als megafett und voll krass. Ein Hoch auf die Distanz nicht nur auf der Autobahn, beim Tanzen oder per Zoom zum nervigen Kollegen: Zurück zu den Zeiten, als alle noch hemmungslos Döner mit Knoblauch und alles zusätzlich zu den Chips in sich hineinstopfen durften. Das Bett im Kornfeld wird zum Fett, das nach vorn fällt und an Tagen wie diesen ist es gut, einen Wagen zu leasen. Wer jetzt noch keine Lachtränen weinte, dem war auch nicht mehr zu helfen.

Schirme auf: Open Air ist aktuell nicht leicht, aber die Sehnsucht nach Kultur um so größer.

Tränen hatte das Bergkamener Kulturteam allerdings noch ein paar Minuten vor Beginn des Kulturpicknicks in den Augen. Im Römerpark bildeten sich anschauliche Pfützen unter den Bindfäden von Regen, der Flügel war in Gefahr und auch sämtliche Technik brauchte schützende Plastikhüllen. „Wir sahen uns hier schon allein mit den beiden Stars sitzen“, erzählt das Team. Riesig war die Erleichterung, als der Regen endlich nachließ, die meisten der 190 angemeldeten Gäste herbeiströmten und alle gleichmütig die nassen Picknickdecken mit eigenen regenfesten Varianten zudeckten. Selbst der Hund hatte unter dem Regencape Platz. Hinter den Absperrungen fanden sich spontane Zuschauer, die auch gleich einen privaten Getränkedienst organisierten.

Ran an die Zuschauer pirschte sich Lars Redlich nicht nur verbal mit Gesang.

Die Regenstiefel und Schirmumwehrungen lohnten sich. Denn es ging auch nach der Pause genauso beschwingt weiter. Wer hatte schon vom Sockensozialismus und den Qualen der einsamen Socke gehört. Sich angesichts von Kriegen und Klimaverwüstungen einmal Gedanken über die Qual der Auswahl zu machen: Auch ernst kann lustig sein. Auch Koffer haben Gefühle und Ehepartner zum 50. Hochzeitstag sowieso – da braucht es kein Corona, um sich ein hübsches Massaker wenigstens in der Fantasie auszumalen.

Volle Emotion am Flügel: Lucy von Kuhl in Aktion.

Wenn dann alle das „Aaaaahhhhaaaahaaaa“ von Uriah Heep mit Loch im Zahn und in allen Sprachen mitsingen, ist die Stimmung auf dem Hochpunkt. Das supercoole Bergkamen-Medley auf Zuruf bringt die Steinarena zum Kochen. Eine Zugabe und noch eine muss her, bevor der Regen zurückkommt. Und die Gratis-Picknick-Tüten schaffen es nur mit Mühe durch die dann doch noch strömende Regenflut ins Trockene zurück. Da ist die Laune dennoch garantiert immer noch besser denn je. Da wünschte man sich fast schon die Comedy-App, um zu entscheiden, was an diesem Abend das Beste war.

 




Endlich wieder zusammen: Römer und Germanen leben die Oberadener Geschichte im Sommerlager

Marschieren hinter der Holz-Eder-Mauer – auch das will nach der Corona-Pause wieder geübt sein.

Das Marschieren müssen die Legionäre noch üben. Alles nochmal auf Anfang und dann klappt es hinter den Ruinen der Lagermauer in Oberaden auch im Gleichmarsch. Im 4. Jahrhundert nach Christus funktioniert es nicht mehr so gut im römischen Heer und auch nicht mit den Kaisern. Das Reich zerbröselt, die Römerlager sowieso. Und auch in Oberaden mucken die Einheimischen auf. Steuern sind ebenso wenig beliebt wie die eigenartigen Besatzer in Röcken.

Lagerleben auf dem Bergkamener Gelände.

Fast zwei Jahrtausende später müssen die Laiendarsteller auch wieder üben. Lang ist es her, dass alle an den historischen Stätten zusammenkommen konnten, um ihr Hobby auszuleben. In der Freizeit in die kratzigen Hosen der Germanen schlüpfen, zu den originalgetreu nachgeschmiedeten Waffen greifen und sich die bis auf den kleinsten Zierstrich zum Verwechseln ähnlichen Fibeln an die Kleider heften. Ob Römer oder Germane: Die gut 20 Darsteller konnten seit gut eineinhalb Jahren nicht mehr gemeinsam in historische Rollen schlüpfen, ihre Zelte aufbauen und ein paar Tage lang so leben wie die Menschen in spätantiken Zeiten. Der Corona-Virus hält sich endlich soweit zurück, dass ein traditionelles Römerlager am Nachbau der Holz-Erde-Mauer am Wochenende wieder möglich war. Rollenspiele inklusive.

Am Ende wird doch gezahlt: Rollenspiel an der Originalstätte.

Die Germanen sehen es überhaupt nicht ein, Geld an die Eindringlinge zu zahlen. Deshalb rücken die Soldaten auch aus, um einen säumigen Zahler vor den Schreibtisch des Steuereintreibers zu schubsen. „Ich will nicht“, brüllt er. „Jetzt und hier, und zwar sofort“, donnert der Mann mit den Wachstafeln, dem Griffel, den Siegeln und den Papyrusrollen zurück. Die Ketten der Fesseln rasseln bedrohlich und so muss der arme Mann dann doch tief in seinen Geldbeutel greifen. Da schweigen sogar die Zwergschafe hinter dem Gatter. Die Tiere sind natürlich auch eine historische Rasse und sehen das Treiben um sie herum ansonsten gelassen. Da wird mit originalen Zutaten gekocht wie bei den Römern, in den Zelten liegen Felle auf den Boden und auch die Betten sehen deutlich anders aus als heutzutage.

Wer am Wochenende vorbeischaute konnte auch dabei zusehen, wie originalgetreuer Schmuck entstand.

Aus Mühlheim, von anderen Orten am Rhein, aber auch aus Bergkamen sind die Darsteller nach angereist. Endlich wieder ein Sommerlager, endlich wieder gemeinsam und endlich wieder der Austausch über das, was alle so fasziniert an der Geschichte: Die originalgetreue Rekonstruktion von Kleidung, Waffen, Kochutensilien, Schmuck – von einfach allem. Jeder hier ist ein echter Fachmann auf seinem Gebiet, hat sich durch die archäologischen und historischen Bücher gewälzt. Die Epochen sind dabei breit gefächert bis ins Frühmittelalter. Sogar eine Pestmaske hängt in einem Zelt und erinnert daran, dass die Menschen schon immer gegen Epidemien und Masseninfektionen kämpfen mussten.

„Es tut richtig gut, sich endlich wieder treffen zu können und alles, was in der Zwischenzeit entstanden ist, gemeinsam auszuprobieren – das ging jetzt eineinhalb Jahre lang nur spontan und mit wenigen Mitstreitern“, sagt Hans Köhn von der Bergkamener Truppe der Ehrenamtlichen Laiendarsteller.

 




Polizei sucht Zeugen: Wohnmobil in der Marina abgebrannt – hoher Sachschaden an Fitness-Studio

Foto: Feuerwehr Bergkamen

Am frühen Sonntagmorgen gegen 03:00 Uhr wurde der Feuerwehr und der Polizei ein Brand im Bereich der Marina Rünthe im Hafenweg gemeldet. Ein Wohnmobil brannte und das Feuer auch schon auf die Fassade eines angrenzenden Fitness-Studios übergegriffen hatte.

Der Brand wurde durch die Feuerwehr Bergkamen gelöscht. Personen kamen nicht zu Schaden. Der Brandort wurde beschlagnahmt. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Brandursache dauern an. Brandstiftung kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Der Sachschaden beläuft sich nach erster grober Schätzung auf insgesamt etwa 250.000 Euro. Davon entfallen etwa 90.000 Euro auf das vollständig zerstörte Wohnmobil.

Mögliche Zeugen, die Angaben zu dem Brandgeschehen machen können, werden gebeten, sich bei der Polizei Kamen unter der Rufnummer 02307 921 3220 oder unter 02303 921 0 zu melden.




Unkomplizierte finanzielle Hilfe für Flutopfer

Schnelle Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe – das hat für die Stadt Bergkamen in der aktuellen Situation höchste Priorität. Nach dem Beschluss der Landesregierung zur Höhe der finanziellen Soforthilfe hat die Verwaltung daher sofort ein Verfahren festgelegt, das den Betroffenen eine unkomplizierte, schnelle Bearbeitung ihrer Anträge garantiert. „Wir wissen um die Not und die erheblichen materiellen Schäden, die das Unwetter der vergangenen Woche für viele Bürgerinnen und Bürger mit sich gebracht hat. Unbürokratische Hilfe ist daher für uns das Gebot der Stunde“, erklärte Bürgermeister Bernd Schäfer. Aus diesem Grund hat die Stadt sofort reagiert und sichergestellt, dass vom Hochwasser betroffene Personen möglichst einfach und bequem einen Antrag auf Soforthilfe des Landes stellen können.

Die Anträge für private Haushalte, Gewerbetreibende sowie Land- und Forstwirte können auch auf der Homepage der Stadt Bergkamen heruntergeladen oder im Rathaus abgeholt werden. Alternativ ist auch ein Versand an die Privatadresse möglich. In diesem Fall reicht ein Anruf beim Stadtmarketing unter 02307 / 965-234. Alle ausgefüllten Anträge sowie Anfragen dazu nimmt die Stadt Bergkamen unter einer eigens dafür eingerichteten, zentralen E-Mail-Adresse entgegen: soforthilfe@bergkamen.de

Um die Bearbeitung der Anträge zu erleichtern und das Verfahren zu vereinfachen, bittet die Stadt Bergkamen die Antragsteller um die freiwillige Angabe ihrer E-Mail-Adresse auf dem Antragsformular des Landes. Nach dem Eingang der Anträge prüft die Verwaltung die personenbezogenen Daten sowie die Plausibilität der Angaben zuden eingetretenen Schäden und veranlasst anschließend die schnellstmögliche Auszahlung der Soforthilfe.

Die Landesregierung hat das Bürgertelefon Fluthilfe eingerichtet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Hotline beantworten grundsätzliche Fragen der Bürgerinnen und Bürger sowie betroffener Unternehmen zum Verfahren: 0211 / 4684-4994 (Montag – Freitag, 8 – 18 Uhr, Samstag und Sonntag, 10 – 16 Uhr).

Für Fragen zu den Anträgen steht während der Öffnungszeiten des Rathauses zusätzlicheine Hotline der Stadt Bergkamen zur Verfügung: 02307 / 965-444. Weitere Informationen zur Soforthilfe für Opfer der Unwetterkatastrophe – einschließlich der Antragsformulare – stehen auf der Website des Landes unter www.land.nrw/de/soforthilfe bereit.




Frau mit Rollator beraubt

Am Freitag ( 23.07.2021 ) umn 16.40 Uhr wurde eine 67-jährige Kamenerin Opfer eines Straßenraubes. Sie war mit ihrem Rollator auf dem Fußweg zwischen der Straße Kalthof und der Gertrud-Bäumer-Straße unterwegs. In Höhe des Bolzplatzes wurde sie plötzlich von einer unbekannten männlichen Person zu Boden geschubst. Der Täter ergriff ihren auf dem Rollator liegenden Rucksack und flüchtete mit einem Fahrrad in Richtung Kalthof. Die Frau wurde durch den Sturz glücklicherweise nur leicht verletzt. Zwei Jungen, welche die Tat jedoch nicht beobachten konnten, halfen der Frau wieder auf die Beine. Sie wollte sich anschließend eigenständig in ärztliche Behandlung begeben. Eine sofort eingeleitete Fahndung nach dem Täter verlief negativ. Er wurde wie folgt beschrieben: etwa 175-180 cm groß, etwa 20-25 Jahre alt, dunkle Haare, schlanke Statur, blauer Mundnasenschutz (OP-Maske), schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, schwarze Schuhe, lila-weißes Trekkingrad mit Marke Kettler. Hinweise bitte an die Polizei Kamen unter 02307 921 3220 oder unter 02303 921 0.




Wertstoffhof Bergkamen hat auch Montag geöffnet

Der Wertstoffhof Bergkamen an der Justus-von-Liebig-Straße in Bergkamen-Mitte wird auch am kommenden Montag, 26. Juli, von 10 bis 18 Uhr geöffnet haben. Die kreiseigene Abfallgesellschaft GWA und der EBB für die Stadt Bergkamen haben diese Verabredung getroffen um insbesondere für hochwassergeschädigte Bergkamener Bürgerinnen und Bürger weiter die Möglichkeit zu schaffen, Sperrmüll kostenfrei und schnell entsorgen zu können. Dies gilt auch noch für die gesamte 30. Kalenderwoche 2021. Bereits am letzten Montag hatte es eine Zusatzöffnung des Wertstoffhofes gegeben. Bergkamens Bürgermeister Bernd Schäfer: „Ich freue mich, dass die GWA schnell und unkompliziert diese weitere Öffnungszeit organisiert hat.“ Ebenfalls weiter laufen die Sperrabfalltouren durch den EBB; drei Hecklader-Teams werden weiter in Oberaden / Heil Sperrabfall abfahren, auch am nächsten Samstag. Hierbei erfassen die drei Fahrzeuge pro Tag rd. 45 bis 50 Tonnen Sperrabfall, der zur Sortieranlage der GWA nach Bönen transportiert wird.




Die Tunnelwächter der Autobahn Westfalen

57 Verkehrsunfälle, 124 liegengebliebene Fahrzeuge und 107 sonstige Gefahrensituationen allein im Jahr 2020 — Matthias Willms führt penibel Statistik über alle Vorfälle, die er und seine Kollegen an ihrem Arbeitsplatz in der Tunnelleitzentrale (TLZ) in Hamm bearbeiten. 28 Tunnel sind derzeit auf ihr Leitsystem aufgeschaltet. Fast 100.000 in den Tunneln verarbeitete Datenpunkte liefern wichtige Hinweise auf Unregelmäßigkeiten. Aus einigen flimmern zudem Live-Bilder aus Verkehrsüberwachungskameras über eine riesige, erst im vergangenen Jahr neu eingebaute Videowand. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Operator Matthias Willms in der Tunnelleitzentrale. Foto: Autobahn Westfalen.

Willms geschulter Blick schweift immer wieder kurz über die Monitore. „Es mag für den Laien etwas überfordernd wirken, aber ich erkenne sofort, wenn etwas nicht stimmt“, sagt der 45-Jährige, der seit 2006 in der TLZ als einer von zwölf sogenannten Operatoren tätig ist. Im Dreischichtbetrieb haben immer mindestens zwei von Ihnen das Geschehen in den Tunneln im Auge. Sollte hier ein Fahrzeug liegenbleiben, eine Notfalltür aufgemacht werden oder ein Unfall die Fahrbahn blockieren, bekommen sie es mit und informieren Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte oder Wartungsfirmen.

Immer im Austausch mit der Polizei

Besonders wichtig ist der Austausch mit der Polizei. Die rückt nicht nur regelmäßig auf Hinweis der TLZ aus, sie fordert hin und wieder auch Aufnahmen aus Überwachungskameras an. Diese sind – etwa nach Unfällen – ebenso gerichtlich verwertbar wie die Protokollmitschnitte und die Aufzeichnungen aller Telefonate, die aus der TLZ geführt werden.

Plötzlich schallt ein durchdringender Warnton, der an einen Rauchmelder erinnert, durch die Tunnelleitzentrale. Willms schaut auf seinen Kontrollbildschirm: „Alles gut. Nichts, wo ich eingreifen müsste. Nur eine kaputte Lampe“, sagt er. Auf seinem Monitor war kurz zuvor eine Nachricht mit Details zur Ursache aufgeploppt. Aus der Historie darunter ist bereits auf den ersten Blick erkennbar: Nicht jeder Alarm ist ein Notfall. Ein unbedeutender Defekt muss nicht sofort der Polizei gemeldet werden – ein schwerer Lkw-Unfall hingegen schon. Generell gibt es zwei Warntöne. Der eine signalisiert einen echten Alarm, der andere eine Störung. „Jeder Vorfall ist unterschiedlich“, sagt Willms. Das mache seinen Job aus. Und: „Es kann jederzeit etwas passieren. Ich muss immer aufmerksam sein.“

Pferde im Tunnel

Vor ein paar Jahren etwa standen plötzlich Pferde im Dortmunder Tunnel Wambel. Die waren kurz zuvor ausgerissen und verirrten sich auf die nahegelegene Bundesstraße. Letztlich endete die Aktion glimpflich – auch weil es sich nicht um einen Autobahntunnel handelte, durch den die Verkehrsteilnehmer mit wesentlich höheren Geschwindigkeiten fahren. Denn obwohl die TLZ mittlerweile zur Autobahn Westfalen gehört, werden in den nächsten zweieinhalb Jahren neben neun Autobahntunneln auch einige Tunnel des Bundes- und Landesstraßennetz aus der Leitzentrale in Hamm überwacht. Erst Ende 2023 läuft der Kooperationsvertrag der Autobahn Westfalen mit dem Land aus.

Bis dahin hat es Willms auch immer mal wieder mit Betrunkenen zu tun, die eine schnelle Abkürzung durch einen der städtischen Tunnel suchen. „Dann spreche ich über Lautsprecher eine Warnung aus. Meistens ist der Angesprochene so überrascht, dass er sich schnellstmöglich aus dem Staub macht“, erzählt der Operator schmunzelnd. Einen Brand habe er hingegen in seinen 15 Berufsjahren in der TLZ bisher nicht miterlebt. „Zum Glück“, wie er sagt. Denn Rauchentwicklung gehört trotz moderner Lüftungstechnik in den meisten Tunneln zu den gefährlichsten Situationen.

Im Notfall übernimmt Duisburg

Und was ist, wenn die Technik in der TLZ einmal ausfallen sollte? „Dann übernimmt Duisburg“, erklärt Willms. Dort gibt es eine weitere Tunnelleitzentrale für Nordrhein-Westfalen. Beide können auf die Bilder und die Systeme des jeweils anderen zugreifen. Gleicht die TLZ in Hamm für sich genommen bereits einem Hochsicherheitstrakt mit autarker Stromversorgung und eigenem Serverraum, ist so auch im Fall der Fälle die Überwachung aller Tunnel und damit die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer jederzeit gewährleistet.




Irisches Flair auf Opherdicker Sommerbühne

„Sie klingen wie ein ganzes Festival verpackt in nur eine Band“, sagen Musikkritiker dem Ensemble von Cara nach. Die Irish Folk Band tourt seit fast zwei Jahrzehnten rund um die Welt. Am Dienstag, 27. Juli, treten sie ausnahmsweise nicht in Australien oder den USA auf, sondern auf der Opherdicker Sommerbühne in Holzwickede.

Das Quartett beherrscht sowohl die Kunst der irischen Up-Tempo-Stücke als auch die, der berührenden Balladen. Foto: privat

Die mit zwei Irish Music Awards ausgezeichnete, vierköpfige Band steht für die stimmige Verbindung von Gesang gleich zweier herausragender Sängerinnen mit den schwungvollen irischen Instrumentalstücken. Das mitreißende Zusammenspiel aus Dudelsack, Geige, Gitarre und Bodhrán auf allerhöchstem Niveau verspricht einen unvergesslichen Konzertabend mit original irischem Flair.

Durch ihre Eigenkompositionen und Arrangements haben Cara in den vergangenen 18 Jahren ihrer Bandgeschichte einen ganz eigenen Stil geschaffen: Virtuose Soli auf dem Dudelsack, schwungvolle Geigenpassagen, großartige Griffe auf der Gitarre und packende Rhythmen auf dem Bodhrán – das Quartett beherrscht sowohl die Kunst der Up-Tempo-Stücke als auch die, der berührenden Balladen.

Das Konzert beginnt um 20 Uhr. Einlass ist ab 18.30 Uhr, Dorfstraße 29 in Holzwickede. Tickets können über den Online-Shop auf (ticketservice.kreis-unna.de) reserviert werden und kosten je 15 Euro (zuzüglich 1 Euro Ticketgebühr und 1,12 Euro Vorverkaufsgebühr). Die reservierten Karten gibt es als „ticketdirect“ zum Selbstdrucken oder an der Abendkasse hinterlegt. Alternativ gibt es die Möglichkeit, die Tickets gegen eine Gebühr von 3,90 Euro pro Auftrag per Post zu erhalten.

Für Fragen stehen Chantal Gosens, Tel. 0 23 03 / 27-17 41 und Heinz Kytzia, Tel. 0 23 03 / 27-25 41 zur Verfügung. PK | PKU




„Radfahren – aber sicher“: Die Fahrradstraße

Radfahren ist gesund, Radfahren liegt im Trend – und Radfahren ist umweltfreundlich. Auf zwei Rädern kommt man gut voran im fahrradfreundlichen Kreis Unna – und die Zahl derer, die für ihre Wege das Velo nutzen, steigt stetig an. Das hält fit und ist gut für die Verkehrswende.

Doch wo sich Wege kreuzen, gibt es auch Risiken: Im vergangenen Jahr registrierte die Kreispolizeibehörde knapp 300 Unfälle mit Radfahrer*innen oder Menschen, die auf einem E-Bike* unterwegs waren. 247 davon wurden verletzt. Häufig verursachen sie die Unfälle selbst oder haben eine Mitschuld.

Klar ist: Fahrradfahrer haben keine Knautschzone. Wenn es kracht, dann können die Folgen schlimm sein. Um das zu verhindern, frischen die Straßenverkehrsbehörden und die Unfallkommission im Kreis zusammen mit der Kreispolizeibehörde Unna in der Serie „Radfahren – Aber sicher!“ das Wissen rund um wichtige Verkehrsregeln auf.

Heute: Die Fahrradstraße

Freie Fahrt für Radfahrer – davon träumen viele, während sie in die Pedale treten. Auch wenn im Radverkehrskonzept für den Kreis Unna derzeit viele gute Pläne vor allem für Alltagsradler geschmiedet werden, läuft es vielerorts noch nicht ganz rund. Und in aller Regel sind die motorisierten Verkehrsteilnehmer die stärkeren. Doch nicht so in der Fahrradstraße.

Die Platanenallee in Unna ist eine Fahrradstraße. Foto: Birgit Kalle – Kreis Unna

Wo andernorts Autofahrer, Busse und dicke Brummis die Straße dominieren, haben in der Fahrradstraße Radler die Nase vorn. In „echten“ Fahrradstraßen sind Kraftfahrzeuge tabu. Wenn es ein Zusatzzeichen gibt, dass auch andere Verkehrsteilnehmer dort zugelassen sind, dann müssen sich die mit Motor dem Radverkehr unterordnen.

Hier ist für Radfahrer erlaubt, was auf normalen Straßen verboten ist: „Man kann zum Beispiel nebeneinander fahren“, erläutert Günter Sparbrod, Leiter der Straßenverkehrsbehörde des Kreises Unna. Wichtig zu wissen ist aber: Das Rechtsfahrgebot gilt auch in der Fahrradstraße. „Durch mittig fahren andere auszubremsen oder andere rechts zu überholen, das ist auch in der Fahrradstraße nicht drin“, unterstreicht Günter Sparbrod.

„Mit der Einrichtung von Fahrradstraßen wird nicht nur allen das Leben erleichtert, die gern auf dem Drahtesel unterwegs sind. Es zeigt auch, dass das Fahrrad als ernstzunehmendes Verkehrsmittel in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wird“, sagt Fachbereichsleiter Sparbrod. Fahrradstraßen steigern die Attraktivität, sich mit eigener Muskelkraft oder unterstützt durchs E-Bike auf zwei Rädern in Bewegung zu setzen. PK | PKU




Autofahrer rast gezielt auf Polizisten zu

Im Rahmen einer Geschwindigkeitskontrolle auf der Werner Straße in Bergkamen am späten Dienstagabend (20.07.2021) hat ein 21-jähriger Autofahrer aus Bergkamen gezielt auf die Polizeibeamten zugesteuert.

Bei erlaubten 50 Stundenkilometern hatten die Einsatzkräfte den Pkw gegen 23.55 Uhr mit 69 km/h gemessen und dem Fahrzeugführer daraufhin eindeutige Anhaltezeichen gegeben – unter anderem mittels einer „Polizeikelle“. Der 21-jährige Bergkamener beschleunigte plötzlich auf etwa 90 km/h und fuhr gezielt auf die Polizeibeamten zu. Weil er kein Ausweichmanöver einleitete und sein Tempo nicht verringerte, sprangen die Einsatzkräfte zur Seite, um nicht erfasst zu werden. Als er die Kontrollstelle passiert hatte, flüchtete er. Im Rahmen einer sofort eingeleiteten Nahbereichsfahndung traf eine Streifenwagenbesatzung den 21-jährigen Bergkamener an dessen Wohnanschrift auf. Die Polizei leitete gegen ihn ein Strafverfahren ein. Die Ermittlungen dauern an.




Geduzt, geihrzt, rassistisch beleidigt? – Eher nein: Fall eingestellt

von Andreas Milk

Beleidigung? Nein, eher war es wohl – wenn überhaupt – eine Unhöflichkeit, fand schließlich auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Janine B. (Name geändert) hatte sich eine Anklage eingehandelt, weil sie als Mitarbeiterin eines Bergkamener Werkzeugverleihs einen griechischen Kunden geduzt hatte. Eigentlich „geihrzt“. Alles nicht so einfach.

Der Mann war Ende August 2020 zu ihrer Firma gegangen, um einen Anhänger auszuleihen. Wie üblich, bat Janine B. um Führerschein und Ausweis mit einer Meldeadresse in Deutschland. Da musste der Mann passen. Er brauche so etwas auch gar nicht, schließlich sei er EU-Bürger. Das Gespräch wurde etwas hitzig; Janine B. soll den Satz gesagt haben: „Ihr bekommt doch an der Grenze immer so eine Karte!“ Und dieses Wörtchen „ihr“ nahm der Mann übel. Rassismus habe er ihr vorgeworfen, erinnerte sich Janine B. vor Gericht. „Er ist laut geworden und war auf Krawall gebürstet.“

Janine B.s Verteidiger sagte: In einem Laden, in dem vor allem auch Bauarbeiter zu den Kunden zählen, sei das förmliche „Sie“ gar nicht üblich.

Der Richter hatte weder den Mann aus Griechenland noch Janine B.s Chef als Zeugen geladen: Er wolle die Sache „nicht höher hängen, als sie ist“, erklärte er den Prozessbeteiligten. Und so wurde es einer jener Fälle, in denen das Gericht ein Strafverfahren „einfach so“ wegen Geringfügigkeit einstellt: Nicht mal eine Geldbuße gab es für Janine B. – die Sache ist gegessen.