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Bei der Dorfabi-Premiere hagelt es in Weddinghofen nur Bestnoten

Der Autoreifen war noch in weniger als zwei Minuten gewechselt. Auch der Chip war schnell mit Schnürsenkeln und Zähnen im Sparschwein versenkt. Die letzte Prüfung beim Dorfabitur hatten sich die Kleingärtner aus dem Krähenwinkel jedoch anders vorgestellt. Statt im Gleichschritt ging es mit Wasserfontänen im Nacken auf Skiern ins Ziel. Hier erlebte auch manches andere Team eine feuchtfröhliche Ernüchterung auf dem Gelände der Weddinghofener Feuerwehr.

Ups, da ist schon beim Start etwas feuchtfröhlich schief gegangen.
Ups, da ist schon beim Start etwas feuchtfröhlich schief gegangen.

Fingerfertigkeit war beim Kronkorkenstapeln gefragt.
Fingerfertigkeit war beim Kronkorkenstapeln gefragt.

Die Schweine und Kälber auf dem Hof Ostendorf staunten jedenfalls nicht schlecht. Mit Bollerwagen und heulenden Sirenen marschierte am Samstag eine Gruppe nach der anderen an ihnen vorbei. Sie alle hatten nur eines im Sinn: Die Kronkorken, die hier möglichst hoch gestapelt werden wollten. Und eine möglichst hohe Punktzahl für die Reifeprüfung der anderen Art. Im Mittelpunkt stand jedoch der Spaß an der Sache. Der war weder zu übersehen noch zu überhören.

 

Gut gerüstet von einer Reifeprüfung zur nächsten

Achtung, volle Nässeladung!
Achtung, volle Nässeladung!

Die Erzieherinnen aus der Kita am Grünen Weg hatten sich jedenfalls gut gerüstet. In ihrem Bollerwagen warteten viele Garnituren Wechselkleidung auf ihren Einsatz. An den Kronkorken ging es noch überwiegend trocken zu. Das sollte sich auf dem Gelände des Feuerwehrgerätehauses am Häupenweg schnell ändern. Sponge Bob und unzählige randvoll gesogene Schwämme flogen nur mit üppigen Fontänen im Schlepptau über den Seitenlader.

 

 

Und noch eine Wasserladung, diesmal auf Skiern.
Und noch eine Wasserladung, diesmal auf Skiern.

Die „Lümmel von der ersten Bank“ hatten derweil ganz andere Probleme. Beim Reifenwechsel hakte es irgendwie und irgendwo. Die Stoppuhr kletterte auf Rekordwerte. Auf den Trockenskiern wollte für die vier Läufer des Teams aus städtischen Bediensteten unter den Augen des Bürgermeisters so gar nichts funktionieren. Ein Wassereimer nach dem anderen entleerte sich noch auf der Startlinie, während sich jeder einzelne Fuß in unterschiedliche Richtungen bewegte. Der Spaß war trotzdem grenzenlos. Klitschnass marschierte man einfach per pedes geschlossen ins Ziel und nahm die Skier unter den Arm.

Die Premiere als voller Erfolg mit Traditionspotenzial

Kistenstapeln horizontal: Gar nicht so einfach.
Kistenstapeln horizontal: Gar nicht so einfach.

16 Teams mit jeweils mindestens sechs Teilnehmern aus dem gesamten Kreis Unna, zehn „Abi-Prüfungen“, die auf einem gut vier Kilometer langen Rundweg von der geografischen Städtekunde über Wurfkünste bis zur Mundfertigkeit der kreativsten Art reichten: „Die Premiere ist bereits ein voller Erfolg“, resümiert die Weddinghofener Feuerwehr zufrieden und liebäugelt bereits mit der Etablierung einer Tradition. Womöglich kämpfen sich in Zukunft alle zwei Jahre die Reifeprüflinge durch das Weddinghofener Dorf – mit bester Feierlaune im Gepäck. Sogar eigenen Gefährte waren eigens für diesen Tag gebaut worden. Die Löschgruppe Mitte bastelte drei Tage lang an einem Bollerwagen, der eigentlich ein kleines Feuerwehrfahrzeug war – Martinshorn, Leiter und Stadtwappen inklusive.

Auf Tuchfühlung: Mit der Nudel den Fingerhut wandern lassen.
Auf Tuchfühlung: Mit der Nudel den Fingerhut wandern lassen.

Das Klassenziel ist jedenfalls erreicht: Nicht nur der klassische Tag der offenen Tür bringt die Menschen unter der Fahne der Feuerwehr zusammen. Die Lebensretter sind für jeden Bürger ehrenamtlich im Einsatz – deshalb soll auch das ganze Dorf gemeinsam feiern. Und: Die Feuerwehrleute müssen sich und ihre Fähigkeiten regelmäßig bei Leistungsnachweisen auf den Prüfstand stellen lassen. Warum nicht auch die Weddinghofener?

Dieses Abitur machte jedenfalls deutlich mehr Spaß als das echte. Zudem gab es Leckeres vom Grill als Belohnung. Und die Zeugnisse gab es direkt im Anschluss, ebenso wie die ausgelassene Festfreude mit Musik und Tanz. Da waren die nassen Klamotten längst gewechselt und mancher versuchte sich außerhalb des Prüfungsstresses noch einmal darin, ein winziges Fingerhütchen mit der trockenen Nudel im Mund einmal durch die Festbank wandern zu lassen.