Avancen vom Vermieter: Altenpflegerin bedrängt und beschuldigt
von Andreas Milk
Yasemin H. (45, Name geändert) ist Altenpflegerin. Unter Hinweis auf diesen Beruf hatte sie per Inserat nach einer Wohnung gesucht. In Bergkamen wurde sie fündig. Ihr Vermieter allerdings, ein Mann um die 80, knüpfte an die Wohnungsvergabe Erwartungen, die ganz und gar nicht angemessen waren – die aber letztlich Yasemin H. eine Anklage wegen Betrugs einbrachten. Verhandelt wurde darüber jetzt im Kamener Amtsgericht. Der Vorwurf in der Anklageschrift: Yasemin H. soll im März vorigen Jahres mit dem alten Mann und dessen Frau einen Vertrag über ein Darlehen von 3.000 Euro geschlossen haben, dann jedoch die Rückzahlung der vereinbarten Monatsraten schuldig geblieben sein.
Was tatsächlich los war, machte jetzt im Prozess ihr Verteidiger deutlich. Der Vermieter habe Yasemin H. nach ihrem Einzug ins gemeinsam genutzte Haus „Avancen gemacht“ – Avancen unangenehmer Art: Er drängte sich der Frau auf. Er habe außerdem verlangt, dass sie ihre Wohnung nicht abschloss, um jederzeit bei ihr auftauchen zu können. Die 3.000 Euro habe er ihr regelrecht aufgenötigt – vermutlich, um in ihr das Gefühl auszulösen, sie schulde ihm etwas. Verbunden war das mit der Bemerkung, Yasemin H. könne das Geld sicher gut gebrauchen, und ihm selbst tue es nicht weh, darauf zu verzichten. Rechtlich gesehen: eine Schenkung. Aber als Yasemin H. ihn trotzdem weiter auf Distanz hielt, änderte sich die Tonart. Der Mann legte ihr den Darlehensvertrag vor – den sie auch bereitwillig unterschrieb.
Mit Hilfe ihrer Schwester hat sie die 3.000 Euro längst zurückgezahlt. Und dass sie es sicher nicht von dem alten Mann ergaunert hatte, davon war der Richter am Ende überzeugt, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ebenso und H.s Verteidiger erst recht. Konsequenz: Freispruch.
Auch in anderer Hinsicht hat der Fall ein Happy End: Yasemin H. hat sich verliebt und ist dieser Liebe wegen inzwischen von Bergkamen nach Kassel gezogen.