Ans Wasser gehen: Ein Sesekepark für Kamen

Gut 100 Jahre war die Seseke für die Kamener Bürgerinnen und Bürger ein Un-Ort: ein übel riechender, offener, ziemlich gefährlicher Abwasserkanal. Doch seit der Renaturierung ist die Seseke wieder die grün-blaue Flusslandschaft, die sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war. Zeit also, dass die Menschen auch zum Fluss kommen, und zwar nicht irgendwo, sondern mitten in der Stadt.
Nach in diesem Jahr soll sie starten, die Umgestaltung der Uferlandschaft zwischen Partnerschaftsbrücke und Hochstraßein einen attraktiven, erlebbaren und abwechslungsreichen Natur- und Erholungsraum für alle - mit Beachvolleyballfeld, Kletterspielfläche, Bodentrampolinen, Spielgeräten für Jung und Alt, Wasserspielplatz, Bäumen, Liegewiese, Promende, Bänken, Sitzstufen und Treppe zum Wasser. Kurzum: der Sesekepark entsteht, eine grün-blaue Oase nur wenige Meter entfernt vom Alten Markt. (Quelle: Planungsbüro Glück / Stadt Kamen)
Nach in diesem Jahr soll sie starten, die Umgestaltung der Uferlandschaft zwischen Partnerschaftsbrücke und Hochstraße in einen attraktiven, erlebbaren und abwechslungsreichen Natur- und Erholungsraum für alle – mit Beachvolleyballfeld, Kletterspielfläche, Bodentrampolinen, Spielgeräten für Jung und Alt, Wasserspielplatz, Bäumen, Liegewiese, Promende, Bänken, Sitzstufen und Treppe zum Wasser. Kurzum: der Sesekepark entsteht, eine grün-blaue Oase nur wenige Meter entfernt vom Alten Markt.

Der Genehmigungsplan für das 2 Millionen Euro-Projekt, für das das Land Fördermittel bewilligt hat, sei fertig und ginge jetzt an den Kreis Unna, teilte Beigeordneter Dr. Uwe Liedtke am Montagabend im Planungs- und Straßenverkehrsausschuss der Stadt Kamen mit. Die Stadt habe auch das letzte ehemalige Kleingartengrundstück gekauft, bis zum Sommer seien die nicht mehr genutzten Parzellen an der Seseke geräumt. Dann könne der Bau beginnen. Das Mahnmal „Vergesst uns nicht“ wird in den Sesekepark integriert, auch die Friedenslinde bleibt, wo sie ist. Allein der Kömsche Bleier von Lothar Kampmann wechselt ans Nordufer.
Nach in diesem Jahr soll sie starten, die Umgestaltung der Uferlandschaft zwischen Partnerschaftsbrücke und Hochstraßein einen attraktiven, erlebbaren und abwechslungsreichen Natur- und Erholungsraum für alle - mit Beachvolleyballfeld, Kletterspielfläche, Bodentrampolinen, Spielgeräten für Jung und Alt, Wasserspielplatz, Bäumen, Liegewiese, Promende, Bänken, Sitzstufen und Treppe zum Wasser. Kurzum: der Sesekepark entsteht, eine grün-blaue Oase nur wenige Meter entfernt vom Alten Markt. (Quelle: Planungsbüro Glück / Stadt Kamen)

Bestandteil des Parks am Wasser wird ein vom Kulturkreis Kamen (KKK) angeregter Literaturpfad: Auf orangenen Stelen mit auswechselbaren Tafelnfindet man künftig Zitate oder Lyrik bekannter Dichter und Philosophen.

Und wie steht’s mit der Hochwassergefahr im Park, wollte die CDU im Ausschuss wissen. Habe die Stadt die möglichenAuswirkungen von Starkregen im Blick? Hat sie laut Verwaltung. Weil sich der Bereich an der Seseke deutlich vergrößere, verbessere sich auch der Hochwasserschutz, so BeiBestandteil des Parks am Wasser wird ein vom Kulturkreis Kamen (KKK) angeregter Literaturpfad: Auf orangenen Stelen mit auswechselbaren Tafelnfindet man künftig Zitate oder Lyrik bekannter Dichter und Philosophen. (Quelle: Präsentation Planungsbüro Glück)geordneter Liedtke.




Berauscht am Steuer? Polizei kontrolliert Autofahrer

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Polizist beim Urintest. Fotos. Ulrike Faulhaber

Da ging heute auf der Werner Straße zwischen Kamen und Bergkamen so mancher Autofahrer in die Eisen. Denn im Gegensatz zum landesweiten Blitzmarathon, der immer schon Tage vorher angekündigt wird, kam die groß angelegte Alkohol- und Drogenkontrolle in Höhe des Technischen Hilfswerks ziemlich überraschend für die Verkehrsteilnehmer.

Auf der verengten Fahrbahn kroch der Verkehr in Richtung Kamen und Bergkamen im Schneckentempo vorbei an zwei Polizeibeamten. Und die entschieden dann: Weiterfahren oder Abbiegen aufs weiträumige THW-Gelände. „Erwischen“ konnte es jeden. Wobei man vor allem junge Leute im Blick habe, sagt Thomas Stoltefuß, 1. Polizeihauptkommissar und Leiter des Verkehrsdienstes der Polizei Unna. Aber auch Transporter werden regelmäßig kontrolliert. Und fast immer auch die Kofferräume der Autos; wegen der vielen Einbrüche.

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Die Autofahrer wurden auf dem Gelände des THW kontrolliert.

30 Polizisten aus NRW im Einsatz

Die Aktion der Kreispolizei wurde von rund 30 Polizisten aus ganz NRW unterstützt, die derzeit an einer Seminarwoche teilnehmen. Allesamt Kommissare, die in Behörden arbeiten und Erfahrung mitbringen. Der Schwerpunkt der Aktion waren zwar Drogen. Doch wer am Steuer telefonierte oder nicht angeschnallt war, erhielt ebenfalls eine Verwarnung.

Nach gut zwei Stunden hatte die Polizei rund 80 Autofahrer kontrolliert, von denen drei Personen positiv getestet wurden. Sie hatten Haschisch bzw. Amphetamine konsumiert. Bei einem Autofahrer stellte die Polizei Drogen im Wagen sicher.

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Und wie erkennt die Polizei, dass jemand unter Drogeneinfluss steht?
Das stelle man schnell fest, sagt Thomas Stoltefuß. Zum einen mit dem Pupillenreflextest. Zum anderen mit dem Bewegungstest (aufrecht stehen, Hände ausgestreckt nach vorn/ein paar Meter geradeaus gehen) oder dem Zeittest (einfach 30 Sekunden warten). Wer scheitert, muss zunächst zur Urinprobe. Oder macht eine Speichelprobe. Auf jeden Fall liegt das Ergebnis flott vor. Weist der Test auf einen Drogenkonsum hin, geht’s zur Blutprobe, die die Polizeiärztin vor Ort vornimmt.

Ob weitere Autofahrer aus dem Verkehr gezogen werden mussten, berichten wir morgen.




Weg mit den alten Funzeln: Kosten sparen mit LED-Straßenlampen

Am heutigen Donnerstag unterzeichneten (sitzend, v.l.n.r.) Bönens Kämmerer Dirk Carbow, Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer und Kamens Bürgermeister Hermann Hupe die neuen Straßenbeleuchtungsverträge mit Robert Stams (li.) und Jochen Baudrexl von GSW.
Am heutigen Donnerstag schlossen (sitzend, v.l.n.r.) Bönens Kämmerer Dirk Carbow, Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer und Kamens Bürgermeister Hermann Hupe die neuen Straßenbeleuchtungsverträge mit Robert Stams (li.) und Jochen Baudrexl von den GSW ab.

Was sich in Privathaushalten bewährt hat, soll in den kommenden Jahren zunehmend Einzug halten auf Straßen und Plätzen in Kamen, Bergkamen und Bönen: Die Umstellung der veralteten Straßenlaternen mit sogenannten U-Röhren auf moderne, stromsparende LED-Lampen. Eingeleitet ist die Energiewende in den drei Kommunen längst. Von rund 12.000 Straßenlaternen (je 5000 in Kamen und Bergkamen, 2000 in Bönen) sind schon mehr als 1.700 auf LED-Technik umgerüstet.

Aber die Modernisierung der Straßenbeleuchtung in den Städten und der Gemeinde werde in den kommenden Jahren vorangetrieben, versprachen die GSW-Geschäftsführer Jochen Baudrexl und Robert Stams, als heute der sogenannte Straßenbeleuchtungsvertrag zwischen dem heimischen Energieversorger und den Gesellschafterkommunen Kamen, Bergkamen und Bönen unterzeichnet wurde.

12.000 Straßenlampen

Straßenbeleuchtungsvertrag; das hört sich sehr beamtenhaft an, ist in der Praxis aber ganz simpel: Auch in den kommenden 20 Jahren errichten die GSW im kommunalen Auftrag neue Straßenlampen, reparieren sie und halten sie instand und modernisieren Altanlagen. Durch die Zusammenarbeit sparen die Kommunen nicht nur Energie ein und reduzieren somit den Kohlendioxid-Ausstoß. Sie senken auch die Stromkosten. Vor fünf Jahren, erläutert Robert Stams, lag der jährliche Stromverbrauch für die Straßenbeleuchtung in den drei Kommunen bei 4,5 Millionen Kilotwattstunden. Heute beträgt er noch 4 Millionen.

Für den Strom und die Wartung der Leuchten, so ist’s im neuen Straßenbeleuchtungsvertrag vereinbart, zahlen die drei Kommunen zusammen 1,8 Mio. Euro jährlich. 120.000 Euro weniger als beim Altvertrag, so Stams. Und die GSW versprechen: Das Unternehmen werde die Straßenbeleuchtung nicht nur unter energieeffizienten Gesichtspunkten optimieren, sondern auch das bestehende Beleuchtungsniveau sicherstellen.

Heißt: Bürgerinnen und Bürger müssen nicht fürchten, dass nachts irgendwo die Lichter ausgehen.




Tricks, Tücken und Technik beim Spiel mit dem Eisstock

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Beim achten Vorrundenspieltag gestern Abend lösten die drei letzten Teams ihr Ticket für das Finale am Freitag.

Neuer Name, neues Glück, dachten wir, als wir uns im Herbst fürs Eisstockschießen auf der Winterwelt anmeldeten. Zweimal hintereinander haben wir als „Häkelrunde Töpfchen“ eine halbwegs passable Figur abgegeben auf dem Eis. Nicht, dass wir irgendetwas gerissen hätten; wir sind immer schon in der Vorrunde rausgeflogen. Aber das lag nicht am mangelnden Spieltalent. Eher am schlechten Material – und an manipulierten Eisbahnen. Unser Veto stieß aber beim Schiedsrichter stets auf taube Ohren, deshalb boykottierten wir die Eisstock-Meisterschaft 2013. (Musste ja keiner wissen, dass wir verpennt haben, uns anzumelden.)

Punktlos ins zweite Spiel

In diesem Jahr waren wir wieder drin in der Tombola – mit neuem Team-Namen: Dynamo Tresen. Glück sieht allerdings anders aus! Unser erstes Spiel am Montagabend war eine einzige Schmach. Ein Club zäher, verbissener alter Herren machte kurzen Prozess mit uns. Wir holten nicht einen Punkt. Bitter! Danach lief es überraschend gut. Das zweite Spiel gewannen wir haushoch, die Spiele 3 und 4 waren so lala, aber wir triumphierten – und schafften es ins Viertelfinale. Sensationell!

Bis dahin dachten wir, Eisstock ist Eisstock, man packt sich das Teil und schießt es so gut man kann übers Eis ins Zielfeld. Von wegen. Die Laufsohle, also der Boden der Eisstöcke ist unterschiedlich beschaffen. Der graue gleitet sehr langsam, ihn schlenzt man, wenn man’s kann, mit wenig Kraft an die Daube. Der Stock mit dem schwarzen Boden bewegt sich viel schneller und ist damit bestens geeignet, den Eisstock des Gegners aus dem Spielfeld zu schießen.

Hätte uns das jemand vielleicht mal früher sagen können? Als uns ein Männer-Team auf die ungleichmäßigen Stöcke aufmerksam machte, war’s zu spät. Wir lagen schon 5:2 zurück im Viertelfinale.

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Sei’s drum. Da wir endlich begriffen haben, wie Eisstockschießen geht, treten wir im nächsten Jahr noch einmal an. Vermutlich unter dem neuen Namen „Kigdokewi“. Das steht für Kamener Ischen gegen die Dominanz der Kerle auf der Winterwelt.

Endrunde am Freitag

Jetzt aber zu den Teams, die die Kunst des Eisstockschießens wirklich beherrschen und am kommenden Freitag, 19. Dezember, um 18 Uhr im Finale der 4. GSW-Stadtmeisterschaften stehen: Miss Sporty, Borussen-Huskies, Schützenverein Südkamen, RaDiFuz, Feuerwehr Kamen, Kazubis, 1. Pétanque-Club Kamen, Auto Check Crew, El Greco, Assquetscher, Taverne Platia, Skatfreunde, In der Delle, Klaer Junior, Sauna Boys, Kolpingsfamilie Kamen, Ev. Jugend Kamen, Elektro Jäger, Kath. Kirchengemeinde Hl. Familie, VfL Tennis Kamen (Boule), Just for Fun, Hacker-Jungs und Doppelkopf Nr. 4.




Wau, was für ein tolles Hundeleben

Hunde sind klasse, ohne Frage. Wir hatten selber mal einen. Der hat natürlich auch mit uns Weihnachten gefeiert. Das heißt, er lag bräsig in der Ecke, müffelte vor sich hin und wollte – wer hätte es dem Tier übelnehmen wollen – selbst an Weihnachten vor die Tür.

Viele Hundehalter, las ich heute Morgen, würden ihren Hunden zu Weihnachten gezielt etwas kaufen. Nein, nein, nicht einfach ein Leckerli. Die Tierhalter lassen’s richtig krachen. Da bekommt Pfiffi einen wärmenden Mantel, Hasso ein eigenes Sofa und Bello ein Halsband mit Strass. Und vielleicht einen exklusiven Duft? Ja, gibt es! Bellomania Neo, Eau de Chien. Rund 162 Millionen Euro sollen Hundehalter im vergangenen Jahr nur für Zubehör wie Näpfe, Spielzeug oder Leinen ausgegeben haben. Bei den Katzen waren es angeblich sogar 180 Millionen.

Geht’s noch? Ich will jetzt nicht mit der skandalös hohen und ständig zunehmenden Kinderarmut in Deutschland kommen. Aber es würde mich schon froh stimmen, wenn wir unsere Kinder nur annähernd so verhätschelten wie unsere Haustiere.




Junge Talente bringen Konzertaula zum Toben

„Teenage History“, die Abschlussveranstaltung des NRW-Kulturrucksackprojekts der Städte Kamen und Bergkamen, hat immer auch etwas von einer Talentshow. Wer da behauptet, die „Jugend von heute“ sei unkreativ und könne sich kaum mehr bewegen, sollte diese Show in der Konzertaula mal gesehen haben (jetzt ist’s leider zu spät, die Veranstaltung war am heutigen Nachmittag). Was die Kinder und Jugendlichen hier tänzerisch und musikalisch auf die Bühne bringen, ist mitunter absolut überwältigend.

Teenage History in der Kamener Konzertaula (Foto- Patrick Opierzynski) 16

Ob es die Mädels vom RV Wanderlust Methler sind, die auf ihren Einrädern „tanzen“, die Hip Hopperinnen der Südkamener International Dance Crew mit wunderbar choreographierten Tänzen oder Musikerinnen mit großartigen Stimmen – hier entdeckt man jede Menge künstlerisches Potenzial. Was übrigens auch das Publikum regelmäßig zu würdigen weiß. Auch heute war die Aula wieder rappelvoll und tobten die Zuhörer. Vor allem als die 16 Jahre alte Merian Mitat ans Mikrofon trat und mit atemberaubender Soul-Stimme loslegte, gab es kein Halten mehr. Wooow, was für ein Talent…

Und dann kam Meltem, die in der diesjährigen Ausgabe der Casting- Show „Deutschland sucht den Superstar“ den 2. Platz belegt hat. Okay, die meisten Kids waren gekommen, um ihren Auftritt zu sehen, aber auch in Kamen und Bergkamen, so viel steht fest, gibt’s jede Menge Talente…

Und hier gibt’s Eindrücke vom Nachmittag in Bildern von Patrick Opierzynski:




Psycho-Hygiene im Nachtclub

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Werner Wiggermann liest aus dem Buch „Im Schatten der Schönen“. (Fotos: Ulrich Bonke)

„Ab 12 Uhr geöffnet, Spass ab 30 Euro“ – so steht’s auf einem Schild vor dem Nachtclub Bad Königsborn an der Kamener Straße. Ich war noch nie im Puff – was man mir als Frau vielleicht abnimmt -, aber das Erste, was ich bei meinem Besuch am Mittwochabend dort lernte, war: In diesen Clubs geht’s selten spaßig zu.

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Zwischendurch gab’s Statements von Achim Megger.

Wer wüsste das besser als Achim Megger, Besitzer des Nachtclubs Bad Königsborn, seit 34 Jahren im „Gastronomie-Geschäft“ tätig und Erotik-Fachmann, wie er sich selbst nennt. Mittwochabend stellte Megger sein Buch, ich sollte besser sagen: ließ er sein Buch „Im Schatten der Schönen“ vorstellen. Denn nicht Megger las, sondern sein Ko-Autor Werner Wiggermann. Weshalb im Club jede Menge junge Zuhörer in den Stuhlreihen Platz nahmen. Die Jungspunde fanden es vermutlich krass, dass ihr ehemaliger Lehrer nicht nur beteiligt war an einem Buch über die „Prostituiertenszene“, sondern darüber hinaus auch noch im „Puff“ auftrat.

Frauen als Menschenmaterial

Die Anführungsstriche sind bewusst gesetzt. Achim Megger benutzt diese Wörter nicht. Für ihn ist das Geschäft mit der Liebe eine Dienstleistung, deren Ergebnis eine „Psycho-Hygiene“ ist, die „die Leistungsträger dieser Gesellschaft in der Spur“ hält. Die Leistungsträger, das sind nach Aussage Meggers die guten Bekannten aus der „angeblich anständigen Welt“. Megger findet es „beschämend, wie die Politik seit mehr als zwölf Jahren über das Prostitutionsgesetz spricht“. Für die meisten Politiker seien die Frauen nur Menschenmaterial in einem großen, oft völlig unterschätzten Wirtschaftszweig. „Ich würde gern mal nach Brüssel oder Berlin gehen und die Herrschaften darüber aufklären, dass Menschen, die nachts arbeiten, auch zur Gesellschaft gehören“, sagt der Clubbesitzer. Zuzutrauen ist es ihm; der Mann ist eine echte Frohnatur.

Darüber hinaus aber ist er jemand, der Frauen respektiert. Was im Prostituiertenmilieu eher selten ist. Und wenn Megger in seinem Buch neben vielen amüsanten und mitunter unglaublichen Geschichten von seelisch verkrüppelten Frauen erzählt, nimmt man ihm ab, dass er für die Frauen in seinem Club auch ein Freund ist.

 




Wie aus einem Jungen ein Serien-Autozündler wurde

Ein blasser, schmaler Junge wird in den Gerichtssaal geführt. Er schaut sich verunsichert um – jede Menge Zuhörer, unter anderem eine Schulklasse, und Pressevertreter sind an diesem Morgen ins Unnaer Amtsgericht gekommen -, setzt sich auf einen Stuhl an der Anklagebank und wartet, bis ein Gerichtsdiener ihm die Handschellen abnimmt. Sympathisch sieht er aus, der Junge, der in Kamen vom 7. bis 17. März 19 Autos abgefackelt haben soll (Schadenshöhe rd 90.000 Euro) und die Bürgerinnen und Bürger fassungslos, viele auch wütend gemacht hat.

Amtsgericht Unna
Im Unnaer Amtsgericht begann am heutigen Freitag der Prozess um die Autobrände in Kamen im März dieses Jahres.

Nachdem die Vorsitzende Richterin Birgit Vielhaber-Karthaus das Hauptverfahren eröffnet und Staatsanwalt Dr. Heiko Artkämper die Anklageschrift verlesen hat, erzählt Martin K. (Name geändert) mit leiser Stimme, wie aus ihm ein Serien-Autozündler wurde. Er berichtet von einer „Spirale des schulischen und menschlichen Versagens“, in der er gefangen war. Von dem seelischen Druck, unter dem er stand und für den er ein Ventil brauchte. Von der Ablenkung, die ihm das Abfackeln der Autos brachte.

Ich wusste nicht, wie ich den laufenden Prozess aufhalten sollte.“

Er sei schon einmal aus der Bahn geraten, erzählt der 18-Jährige. Er habe Drogen genommen, die Schule geschwänzt und mittags getrunken. Kamen sollte ein Neuanfang sein. Im September vergangenen Jahres sei er hergezogen, seine Eltern finanzierten ihm eine eigene Wohnung nahe des Bahnhofs, er ging zur Schule, mit der Absicht, das Abitur zu machen. „Meine Eltern haben mir viel Vertrauen geschenkt“, sagt der junge Mann.

Gerichtssaal Unnaer Amtsgericht
Das Gericht unterbrach die Hauptverhandlung, weil weitere Ermittlungen notwendig sind. Fotos: Faulhaber

Martin K. ist sicher, dass er es diesmal packt, dass er sein Leben in den Griff bekommt, dass er sein Abi macht, dass er seine Eltern nicht noch einmal enttäuscht. Aber schon im Dezember fällt er zurück in alte Muster. „Ich habe Haushalt und Schule nicht hinbekommen“, sagt er. K. schwänzt den Unterricht, greift wieder zum Alkohol, droht von der Schule zu fliegen. „Ich wusste nicht, wie ich den laufenden Prozess aufhalten sollte“, gesteht er. Und er habe sich nicht getraut, mit den Eltern zu sprechen. Weil er sie schon wieder vor den Kopf stoßen würde.

Grillanzünder als Brandbeschleuniger

Am 7. März sei er abends zum Kaufland im Zollpost gegangen, um Alkohol zu kaufen, erzählt K. Kurz zuvor habe er von einem Berliner gelesen, der mehr als 100 Autos angezündet hatte – mit Grillanzündern. Und so kaufte K. im Supermarkt nicht nur Wodka, sondern auch Grillanzünder, deren Wirkung als Brandbeschleuniger er noch am selben Abend ausprobierte. Beim ersten Mal legte K. den Grillanzünder noch vor den Autoreifen und steckte ihn an. „Da stieg nur ein bisschen Qualm auf“, sagt er. Am Tag darauf legte er den Grillanzünder auf einem Autoreifen ab und entzündete ihn. Erst stand der Reifen in Flammen, kurz darauf der Motorraum, die Feuerwehr rückte an.

Es war aufregend. Ich brauchte die Ablenkung, sonst wäre ich komplett verzweifelt.

Einmal angefangen zu zündeln, konnte K. nicht mehr aufhören. Ziellos und betrunken war er nachts in Kamen unterwegs und setzte Autos in Brand. Manchmal drei in einer Nacht, einmal direkt gegenüber der Polizeiwache. Als K. begriff, dass die Autobrände das öffentliche und mediale Interesse auf sich zogen, stellte er sein Tun für ein paar Tage ein. Doch der Kick des Zündelns fehlte ihm. „Es war aufregend“, sagt K. „Ich brauchte die Ablenkung, sonst wäre ich komplett verzweifelt.“ So zog der Schüler wieder durch die dunklen Kamener Straßen und fackelte Autos ab. Bis die Polizei ihn am 17. März auf frischer Tat ertappte – mit 1,8 Promille Alkohol im Blut.

Verhandlung wird fortgesetzt

Seither sitzt der 18-Jährige in U-Haft und hatte viel Zeit nachzudenken. Es tue ihm leid, dass er Leute geschädigt habe, die nichts mit seinen Problemen zu tun hatten, sagt er. Doch in der Haft sei ihm bewusst geworden, was der Auslöser für die Taten gewesen sei. Inzwischen sei er nicht nur sicher, dass er ohne Drogen klarkomme. Er habe auch gelernt, seine Probleme anders anzugehen. Er sei sich sicher, so K., „dass ich jetzt wieder funktioniere“.

Ein Urteil wurde heute in dem Prozess nicht verkündet. Nachdem die Öffentlichkeit für die Erörterung des Lebenslaufs von Martin K. und die Vernehmung zweier Angestellten der Justizvollzugsanstalt vom Verfahren ausgeschlossen worden war, unterbrach das Gericht die Hauptverhandlung, um weitere Ermittlungen in dem Fall anzustellen und um zu prüfen, ob der junge Mann weiter in Haft bleibt oder andere Optionen bestehen.




Lokschaden: Reisende sitzen zwischen Kamen und Nordbögge fest

Geduld war gefragt bei den rund 40 Reisenden, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 5. Juni, in einem Zug zwischen Kamen und Nordbögge festsaßen. Der Grund: Ein Lokschaden bei einem Zug von Düsseldorf nach Hamm, der die Sperrung der Bahnstrecke in beide Richtungen zur Folge hatte.

Wie ein Bahnsprecher auf Anfrage mitteilt, bremste Rauchentwicklung in der Lokomotive den Zug Mittwochnacht um 23.18 Uhr aus. Bundespolizei, Feuerwehr und Leute von der Bahn wurden angefordert, Züge mussten umgeleitet werden. Derweil die Fahrgäste den Zug nicht verlassen konnten.

Der Brandherd in der Lok wurde zwar schnell gelöscht von der Feuerwehr. Doch musste eine Hilfslokomotive den defekten Zug abgeschleppen. Wie die Bahn erklärt, konnte die Strecke zwischen Nordbögge und Kamen schließlich um 0.30 Uhr wieder freigegeben werden. Der Abschnitt zwischen Kamen und Nordbögge indes blieb bis 2 Uhr gesperrt. Elf Züge, so die Bahn, seien während der Beeinträchtigung auf der Strecke Kamen-Nordbögge über die sogenannte Nordstrecke umgeleitet worden. Was die Rauchentwicklung in der Lok ausgelöst hat, muss noch geprüft werden.




“Gelber Engel” aus dem Kamener Kreuz verschwunden

Nur die Engel sind geblieben vom ADAC-Denkmal im Kamener Kreuz. Fotos: Patrick Opierzynski
Nur die Engel sind geblieben vom ADAC-Denkmal im Kamener Kreuz. Fotos: Patrick Opierzynski

Das meistbeachtete Kunstwerk Deutschlands, der „Gelbe Engel“, ist – vermutlich – in der Nacht vom 31. März auf den 1. April aus dem Kamener Kreuz verschwunden. Zurück blieben nur die acht stählernen Engel, die den ADAC-Hubschrauber getragen haben. Wie der Heli unbemerkt abgebaut und beseitigt werden konnte, ist der Polizei ein Rätsel. „Die Täter müssen mit einem Spezialtransporter gekommen sein“, vermutete ein Polizeisprecher am frühen Morgen.

Der aber hätte auffallen müssen, da der Abbau des Denkmals unmöglich hoppla-hopp erfolgt sein kann. Selbst wenn sich die „Kunstdiebe“ perfekt vorbereitet hätten, sprich schon Wochen zuvor regelmäßig des Nachts ins Kreuz gefahren wären, um den „gelben Engel der Lüfte“ mit der Flex zu bearbeiten, hätte man den stählernen Koloss nicht mir nichts, dir nichts fortschaffen können.

Tatsache ist: Erst heute bekam die Polizei den Hinweis, dass das Denkmal nicht mehr komplett ist.

Weitere Absurdität: Man weiß nicht, wann das vollständige Kunstwerk überhaupt zuletzt gesehen worden ist. „Zwar fahren täglich gut 200.000 Fahrzeuge am Gelben Engel vorbei. Aber nicht jeder nimmt ihn auch wahr auf seinem Hügel“, erklärte der Polizeibeamte. Man habe sich umgehört bei Leuten im Kreis, die regelmäßig durchs Kamener Kreuz fahren. „Niemand kann mehr sagen, wann ihm der Heli zuletzt aufgefallen ist.“ Im Klartext: Der ADAC-Hubschrauber könnte schon lange vor dem 1. April abhandengekommen sein.

 Gestern, vorgestern oder vorvorgestern war der Heli noch da...
Gestern, vorgestern oder vorvorgestern war der Heli noch da…

Rettungshubschrauber wieder flugtüchig gemacht?

Aktualisierung um 9.30 Uhr: Offenbar kümmern sich jetzt Spezialermittler um den verschwundenen Hubschrauber. Den Grund will die Polizei nicht nennen. Aus gut unterrichteten Kreisen ist jedoch zu hören, Tüftler vom ADAC hätten den ausgemusterten und ausgeschlachteten Rettungshubschrauber wieder flugfähig gemacht.

Nachdem Anfang des Jahres aufgeflogen ist, dass sich Präsidiumsmitglieder des Automobilclubs in Rettungshubschraubern zu verschiedenen Veranstaltungen bringen ließen, wolle der Verein jetzt, so heißt es, für die ADAC-Chefs, die nicht verzichten möchten aufs kostenlose Reisen, eine private Helikopter-Flotte aufbauen. Weil man die Kosten nach dem Wirbel um den Automobilclub so gering wie möglich halten wollte, habe man Kamens Denkmal im Autobahnkreuz einfach wieder in den Dienst genommen.

Der Künstler des ADAC-Hubschraubers mit den stählernen Engeln ist erschüttert ob der Vorkommnisse. „Niemals hätte ich so etwas für möglich gehalten“, sagte er. „Anfangs dachte ich noch, die Kamener Stadtverwaltung wolle mich in den April schicken, als sie mich über den Verlust des Gelben Engels imformierte. Aber dass die Scherzkekse beim ADAC sitzen…“