Coronavirus: Mutationen weiter auf dem Vormarsch – allein fünf neue Fälle in Bergkamen
Heute und über das Wochenende sind der Gesundheitsbehörde sieben weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Corona gemeldet worden. Verstorben sind zwei Männer aus Kamen im Alter von 81 und 66 Jahren am 16. Februar und 11. Februar. Vier Personen aus Lünen sind verstorben: Eine 51-jährige Frau am 15. Februar, ein 85-jähriger Mann am 21. Februar, eine 81-jährige Frau am 21. Februar sowie eine 76-jährige Frau am 19. Februar. Verstorben ist ebenfalls eine 80-jährige Frau aus Schwerte am 25. Januar.
Der Gesundheitsbehörde sind heute und über das Wochenende zudem 21 weitere Fälle der britischen Virus-Variante gemeldet worden: fünf aus Bergkamen, einer aus Bönen, drei aus Holzwickede, einer aus Lünen, acht aus Schwerte und drei aus Unna.
72 neue Fälle sind heute und über das Wochenende gemeldet worden, davon sieben in Bergkamen. Insgesamt sind damit im Kreis Unna 12.600 Fälle gemeldet worden, 1858 in Bergkamen. 81 Personen mehr als gestern gelten als wieder genesen, 13 in Bergkamen. Damit sinkt die Zahl der aktuell infizierten Personen auf 537, in Bergkamen auf 64.
Der maßgebliche 7-Tages-Inzidenzwert pro 100.000 Einwohner wird vom Landeszentrum Gesundheit veröffentlicht. Für den Kreis Unna gibt das Landeszentrum einen Inzidenzwert von 75 an (plus 2,0 gegenüber Sonntag).
Autor Gerd Puls erinnert mit dem Gedicht „Grimberg, 1946“ an die Opfer des Grubenunglücks in Weddinghofen
Denkmal für die 405 Opfer des Grubenunglücks auf Grimberg 3/4.
Still gedachte Bergkamen am vergangenen Samstag am 75. Jahrestag den 405 Todesopfern des folgenschwersten Grubenunglücks der deutschen Bergbaugeschichte auf der Schachtanlage Grimberg 3/4. Die Toten vom 20. Februar 1946 sind unvergessen. Ein lyrisches Denkmal hat ihnen der Schriftsteller Gerd Puls mit dem Gedicht „Grimberg, 1946“ gesetzt.
Gerd Puls
Obwohl Gerd Puls in Kamen wohnt, ist er seit vielen Jahren mit der Stadt Bergkamen eng verbunden. Er gehörte vor etwas mehr als 50 Jahren zu den Gründern der Bergkamener Werkstatt der Literatur der Arbeitswelt. Zwei Mal wurde ihm in dieser Zeit der Bergkamener Literaturpreis zuerkannt.
Das Gedicht „Grimberg, 1946“ erscheint in der kommenden Woche in der Anthologie „Schlafende Hunde VII“ im „Verlag am Park“, Berlin. Ebenfalls in Kürze wird das „Gerd Puls Lesebuch“ in der Kleinen westfälischen Bibliothek, Aisthesis-Verlag Bielefeld, ausgeliefert. Auch dort ist Bergkamen zu finden, etwa in dem literarischen Text „Staub über der Halde.
Grimberg, 75 Jahre
Buntes Laub, die Blätter fallen, Zeit
Vor die Tür zu gehen, bevor der Winter kommt
Der Wind weht von West. Schöner Herbsttag
Trotz Corona und all dem anderen Mist. Heute fahr ich
Mit dem Rad über die alte Zechenbahntrasse Richtung
Bergkamen, und, obwohl damals noch nicht geboren
Ist plötzlich alles ganz nah: 1946 war es, 20. Februar
Schnellregen und Hagelschauer über Weddinghofen
Und die umliegenden Dörfer, ganz anders damals
Vor 75 Jahren als heute in der letzten Oktoberwoche
Zu Fuß, per Fahrrad kommt die Morgenschicht
Zur Zeche, trüber Tag, Hungerwinter nach dem Krieg
In der Lohnhalle für jeden der 400 Männer
Ein Teller Bohnensuppe und ab in den Schacht
Blitze zucken, ein Wintergewitter, 20. Februar
Mittwoch Mittag, 12.05 Uhr, die blaurote Stichflamme
Schießt dreihundert Meter hoch aus dem Schacht
In den Himmel, und die Erde bebt. 466 Männer
Unten im Schacht. Was sagen schon Zahlen?
Vor ein paar Wochen die Atombomben abgeworfen
Über Hiroshima und Nagasaki. So viel Leid, so viele Tote
Weddinghofen, kleiner Bergbauort. Der Krieg gerade vorbei
Endlich befreit, und alles zerstört und nichts mehr da
Außer Mangel und Not, die Engländer wollen
Reparationen, die Kohle muss kommen, so oder so
Ganz egal wie, auch wenn alles längst ausgebeutet
Zugrunde gerichtet von den Nazis, eine Stichflamme
Eine Explosion, tief unten mehr als 400 Tote
Der Schacht schwer beschädigt, kann es da noch
Überlebende geben, gibt es da noch etwas zu retten?
Retten, womit? Retten, mit was? Leere Hände
Über Schacht Grillo fahren tatsächlich paar
Handvoll Überlebende aus. Auf Flöz Ida ist kein einziger
Mehr zu finden, aber elf Überlebende auch
Auf der zweiten Sohle. Dann Nachexplosionen
Und das Rettungsseil zu kurz. Weitersuchen?
Die sind doch alle längst tot. Alle. Zumauern
Und abdämmen also, eine Rettung für die
Kann es nicht geben. Doch, doch, hinter
Der Mauer! Ruft Emil. Da sind noch
Kumpels, ich weiß es genau! Tut was, die warten
Auf Rettung unterhalb der zweiten Sohle
Wir hören auf, was soll das noch? Letzte Überlebende
Fahren aus. Wir machen dicht. Endgültig. Dienstag drauf
Keine Woche vergangen, die wenigen Bergungsversuche
Abgebrochen, endgültig. Auf Grimberg 405 Tote
Hinterbliebenenrenten weit unter dem Existenzminimum
Wer fragt danach? Bergkamen 2020, schöner Herbsttag
Letzte Blätter fallen, der Wind weht von West
Aktion des Umweltzentrums in Heil: Den Tieren auf der Spur für Kinder ab 7 Jahre
Ein Reh auf eine Wiese am Rande des Naturschutzgebiets Beversee unweit der Werner Straße.
Wer hat den herzförmigen Abdruck im Wald hinterlassen oder wo schlafen die Rehe? Diese und andere Fragen versuchen die Kinder an diesem Nachmittag zu beantworten und machen sich auf die Suche nach den Spuren unserer tierischen Mitbewohner. Die Kinder erfahren welche Geschichten sich hinter den Zeichen der Anwesenheit verbergen und mit etwas Glück können sie einige Spuren als Gipsabdrücke mit nach Hause nehmen.
Diese Aktion für Kinder wird angeboten am Sonntag, 28. März 2021 (11.00 – 14.00 Uhr). Durchgeführt wird sie von der Wildnispädagogin Sandra Bille.
Mitzubringen sind: regenfeste und warme Kleidung (die auch schmutzig werden darf) und festes Schuhwerk. Der Kurs findet draußen statt.
Die Kosten für diese Kinderaktion betragen 30 Euro/Kind. Maximal können 10 Kinder an der Aktion teilnehmen.
Anmeldungen ab sofort bei Dorothee Weber-Köhling (02389-980913) oder umweltzentrum_westfalen@t-online.de
Sollten sich die Corona-Schutzbestimmungen ändern, werden wir versuchen – im Rahmen unserer Möglichkeiten – die Angebote anzupassen bzw. müssen wir uns vorbehalten die Aktionen auch abzusagen.
Bezirksregierung hebt Verzehrempfehlung für Blattgemüse für zwei Bergkamener Bereiche auf
Untersuchungen des Landesumweltamtes haben ergeben, dass die Schadstoffbelastung mit PCB aus den Beprobungen von Löwenzahn im Frühjahr 2020 durch die aktuell vorgelegten Ergebnisse der Beprobung von Grünkohlpflanzen nicht bestätigt wurden. Die Ergebnisse liegen im Bereich der Hintergrundbelastung für Nordrhein-Westfalen.
Die für zwei Bereiche im Stadtgebiet Bergkamen ausgesprochene vorsorgliche Verzehrempfehlung für Blattgemüse wird daher aufgehoben. Die Bezirksregierung Arnsberg wird die Werte gemeinsam mit dem Landesumweltamt im Jahr 2021 an ausgewählten Messpunkten weiter überprüfen.
Auf Veranlassung der Bezirksregierung Arnsberg hatte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) im Umfeld der Industriegebiete nördlich der Erich-Ollenhauer-Straße in Bergkamen Grünkohlpflanzen auf Einträge von polychlorierten Biphenylen (PCB), dioxinähnlichen PCB (dl-PCB) und Dioxinen und Furanen (PCDD/F) untersucht. Im Ergebnis zeigt sich, dass an allen Messpunkten die Werte im Bereich der Hintergrundbelastung in Nordrhein-Westfalen liegen.
Die im Sommer 2020 ausgesprochene vorsorgliche Empfehlung, bis auf weiteres auf den Verzehr selbst angebauten Blattgemüses zu verzichten, wird daher aufgehoben.
Grund für die damalige Empfehlung der Bezirksregierung waren erhöhte Gehalte an PCB und dl-PCB in vor Ort genommenen Löwenzahnproben. Die Ergebnisse der daraufhin veranlassten detaillierten Untersuchungen an Nahrungspflanzen konnten keinen immissionsbedingten Eintrag von PCB, dl-PCB oder Dioxinen und Furanen in Blattgemüse (Grünkohl) nachweisen. Eine gesundheitliche Bewertung durch das LANUV war daher nicht erforderlich.
Zeitgleich zu den Nahrungspflanzenuntersuchungen wurden durch die Bezirksregierung mögliche Emissionsquellen für PCB im Umfeld untersucht. In einem ansässigen Recyclingunternehmen wurden in Abstimmung mit der Betreiberin umfangreiche Untersuchungen und zusätzliche Emissionsminderungsmaßnahmen umgesetzt.
Die Untersuchungen im Bereich Ursachenanalyse und die Erarbeitung von möglichen weitergehenden Emissionsminderungsmaßnahmen werden auch im Jahr 2021 in Abstimmung mit der Betreiberin und dem LANUV fortgeführt. Ebenso ist im Jahr 2021 für ausgewählte Messpunkte eine Überprüfung der gewonnenen Erkenntnisse aus der Nahrungspflanzenuntersuchung durch das LANUV vorgesehen.
IG BAU sucht im Kreis Unna nach Vorzeige-Betriebsräten
Bauarbeiter mit Atemschutzmaske: Auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz zählt zu den Aufgaben von Betriebsräten. Die IG BAU appelliert an Beschäftigte, sich gerade in Krisenzeiten um die Vertretung ihrer Interessen im Betrieb zu kümmern. Foto; IG BAU
Engagierte Betriebsräte gesucht: Arbeitnehmervertreter, die sich im Kreis Unna während der Coronakrise besonders um die Belange von Beschäftigten verdient machen, sind preisverdächtig. Noch bis Ende April können sie sich um den Deutschen Betriebsräte-Preis 2021 bewerben. Dazu hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) aufgerufen. „Von der Aufstockung des Kurzarbeitergeldes über einen wirksamen Gesundheitsschutz im Job bis hin zum Umgang mit einer drohenden Insolvenz – die Arbeit von Betriebsräten ist wichtiger denn je“, sagt IG BAU-Bezirksvorsitzender Friedhelm Kreft.
Die Gewerkschaft appelliert zugleich an Beschäftigte im Kreis, eine Arbeitnehmervertretung zu gründen, wo es bislang keine gibt. „Gerade in der Baubranche mit vielen kleinen Handwerksunternehmen ist in puncto Mitbestimmung noch viel Luft nach oben. Beschäftigte sollten sich aus Angst vor dem Chef aber nicht um ihr Recht bringen lassen und eine Vertretung wählen“, so Kreft. Ein Betriebsrat kann bereits in Firmen ab fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegründet werden und bringt nicht nur Beschäftigten, sondern auch Unternehmen viele Vorteile.
Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurden zuletzt 41 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland von einem Betriebsrat vertreten. In der Bauwirtschaft liegt die Quote bei lediglich 15 Prozent.
Außerdem ruft die IG BAU Westfalen Mitte-Süd die Bundestagsabgeordneten aus der Region dazu auf, das von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vorgelegte „Betriebsrätestärkungsgesetz“ zu unterstützen. Der Entwurf sieht vor, dass Beschäftigte, die eine Betriebsratswahl vorbereiten, schwerer kündbar sind. Nach Beobachtung der IG BAU werden Initiativen zur Gründung von Betriebsräten häufig mit allen Mitteln blockiert – mit zum Teil harten persönlichen Folgen für die engagierten Beschäftigten, die um ihren Arbeitsplatz fürchten müssten.
Laut Gesetzentwurf sollen Arbeitnehmervertreter zudem bei Themen wie dem mobilen Arbeiten und Künstlicher Intelligenz mehr Mitsprache erhalten. Obwohl das Vorhaben im Berliner Koalitionsvertrag vereinbart worden war, stieß es zuletzt auf den Widerstand der Union.
Der Deutsche Betriebsräte-Preis steht unter der Schirmherrschaft des Bundesarbeitsministeriums und ist eine Initiative der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“. Die Auszeichnung wird seit 2009 verliehen und zeichnet engagierte Interessenvertretungen unabhängig von Branche und Betriebsgröße aus. Bewerbungsschluss für den Preis ist in diesem Jahr der 30. April. Weitere Infos online unter: www.betriebsraetepreis.de.
Weddinghofer Ortsvorsteher lädt zur telefonischen Bürgersprechstunde ein
Weddinghofens Ortsvorsteher Rüdiger Hoffmann.
Wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen bietet der Ortsvorsteher von Weddinghofen Rüdiger Hoffmann, eine telefonische Bürgersprechstunde am kommenden Samstag, 27. Februar, in der Zeit von 10.00 – 12.00 Uhr an.
Wer Sorgen oder Beschwerden hat, wer Hinweise auf Missstände geben oder Verbesserungsvorschläge machen möchte, hat an diesem Tag Gelegenheit, sich unter Tel. 02307 9163990 zu melden. Auch positive Meldungen können gerne mitgeteilt werden.
Gymnasium Bergkamen stattet Oberstufenjahrgänge Q1 und Q2 mit Fünferpack FFP-2-Masken aus
Schulleiterin Bärbel Heidenreich (rechts) begrüßte die Schülerinnen und Schüler der Q1 und Q2 und teilte die Fünferpacks FFP2-Masken mit aus. Foto: Fahling/SGB
Die Türen des SGB öffnen sich wieder – zumindest für die Oberstufenjahrgänge Q1 und Q2 beginnt am heutigen Montag wieder der Präsenzunterricht. Um die höchstmögliche Sicherheit zusätzlich zum strengen Hygieneleitfaden zu gewährleisten, stattete die Schulleitung nun alle Rückkehrerinnen und Rückkehrer mit FFP2-Masken aus.
„Jeder erhält fünf FFP2-Masken, eine für jeden Schultag. Wir werden die Schülerinnen und Schüler bitten, diese nach Wochentagen zu kennzeichnen und gemäß der Tipps zur Mehrfachverwendung zu pflegen“, erklärt Schulleiterin Bärbel Heidenreich. „Zusätzlich zu den geteilten Gruppen und unserem bekannten Hygiene- und Abstandskonzept möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern mit den Masken ein weiteres Stück Sicherheit bieten“, betont Bärbel Heidenreich.
Neuer Online-Shop auf Ebay: AWO-Inklusionsunternehmen DasDies Service GmbH kämpft um die Sozialkaufhäuser „Die Stöberei“
Das Kaufhaus-Team um Maciej Kozlowski (2. von rechts) freut sich über einen Online-Besuch von Interessierten, die das Stöberei-Angebot bequem von zuhause aus durchstöbern möchten.
Das AWO-Inklusionsunternehmen DasDies Service GmbH kämpft um die Sozialkaufhäuser „Die Stöberei“. Unter anderem mit einem neu eingerichteten Online-Shop auf Ebay: https://www.ebay.de/str/diestoeberei
Seit über 30 Jahren betreibt die Arbeiterwohlfahrt Sozialkaufhäuser im Kreis Unna. Das Inklusionsunternehmen der AWO Ruhr-Lippe-Ems, die DasDies Service GmbH, hat diese vor mehr als 15 Jahren übernommen und dort 40 dauerhafte Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung und Langzeitarbeitslose sowie viele Ausbildungsplätze geschaffen. „Die Kaufhäuser haben im letzten Jahrzehnt viele schwierige Zeiten erlebt“, sagt Maciej Kozlowski. Der Geschäftsführer nennt als Beispiele die Einführung des Euros, die Reduzierung der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die Steigerung der Benzin- und Energiepreise und die Veränderung des Einzelhandels durch den Online-Handel. „All diese Hürden haben wir bislang gut gemeistert und sind stetig gewachsen“, so Kozlowski weiter. Er betont aber auch: „Wir stellen uns nun seit einem Jahr der Herausforderung der Pandemie, obwohl die Umsätze um 70 Prozent im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten eingebrochen sind.“
Im vergangenen Jahr hatte die Aktion Mensch die DasDies Service GmbH über ein Coronahilfe-Programm unterstützt. Während der gesamten Zeit hat das DasDies-Team an verschiedenen kreativen Lösungen gearbeitet, um die Auswirkungen der Pandemie abzufedern. So nähten die Mitarbeiter*innen zum Beispiel Alltagsmasken oder veranstalteten einen kontaktlosen Trödelmarkt.
Menschen versorgen, Nachhaltigkeit fördern, Arbeitsplätze sichern
„Drei Ziele stehen jetzt im Vordergrund“, erläutert Kozlowski: „Erstens wollen wir weiterhin Menschen versorgen, die bereits vor der jetzigen Situation mit geringem Einkommen klarkommen mussten. Zweitens möchten wir uns mit guten Second-Hand-Angeboten und wiederverwertbarer Ware für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsetzen. Für immer mehr Menschen ist die langlebige Nutzung von Produkten – zum Beispiel guter gebrauchter Kleidung oder ausgefallener Möbelstücke – wichtig, um zum Energiesparen und Materialrecycling beizutragen. Und drittens ist es unser Ziel, die geschaffenen Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung und Langzeitarbeitslose zu sichern und zu erhalten.“ In den vergangenen Wochen während des zweiten Lockdowns haben Maciej Kozlowski und seine Mitarbeitenden weitere Maßnahmen getroffen, um die Einbußen zu mildern. Unter anderem präsentieren sie die Waren, die man telefonisch oder per Internet erwerben kann, jetzt auf Monitoren in den Schaufenstern.
Neuer Online-Shop
Auf der Internetseite der Sozialkaufhäuser führt ein Link zu dem neu eingerichteten Online-Shop. Diesen können Interessierte nach ausgewählten Artikeln – vor allem Möbel – „durchstöbern“. Zudem können Waren telefonisch angefragt werden. Auch eine Terminvereinbarung für die kontaktlose Abholung und die Abgabe von Spenden ist in den Stöbereien möglich.
Arbeit als Gesundheitsfaktor
„Die Arbeit als solches und die dauerhafte Beschäftigung hat eine enorme Bedeutung, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus sozialer und psychologischer Sicht“, sagt Diplom-Psychologe Kozlowski und erläutert: „Die Arbeitsstelle ist für viele Beschäftigte der wichtigste und für manche einzige Ort, um soziale Kontakte zu knüpfen und zu unterhalten. Zudem erhalten sie ein Feedback bezüglich ihrer Tätigkeit und erfahren Wertschätzung. So lernen sie die Sinnhaftigkeit einer beruflichen Tätigkeit schätzen.“ Die Struktur des Arbeitsplatzes übertrage sich auf die Strukturierung des Tagesablaufes eines Jeden, so Kozlowski. „Viele Mitarbeitende erfahren und erlenen gerade in der Arbeit, wie man mit den Maßnahmen gegen Corona umgehen kann. Die erwähnten Aspekte haben enormen Einfluss auf geregeltes Lebens und die Gesundheit der Beschäftigten.“
Auch Sarah Hartleb von der Schwerbehindertenvertretung macht sich Sorgen um die Arbeitsplätze. Sie hofft auf den Erfolg der neuen Verkaufsstrategien und ein baldiges Ende des Lockdowns: „Die Mitarbeitenden haben viel Verständnis für die Maßnahmen und unterstützen sie engagiert“, sagt Sarah Hartleb. Gemeinsam mit Maciej Kozlowski bedankt sie sich bei den treuen Kunden und großzügigen Spendern, die bislang die Second-Hand-Kaufhäuser tatkräftig unterstützen.
Link zum Online-Shop: http://www.die-stoeberei.de>
Telefonische Anfragen / Terminvereinbarungen: Tel. 02306 7511011
Mit 97 Prozent gewählt: Oliver Kaczmarek will für die SPD wieder in den Bundestag
Oliver Kaczmarek
Oliver Kaczmarek will auch bei der Bundestagswahl im September den Wahlkreis Unna I für die SPD gewinnen. Das hat der Bundestagsabgeordnete am Samstag, 20. Februar, bei der Delegiertenversammlung in der Unnaer Stadthalle erklärt, wo die Genossinnen und Genossen – unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen – große Geschlossenheit zeigten: Mit 97 Prozent Zustimmung wählten die Delegierten aus Bergkamen, Kamen, Bönen, Unna, Fröndenberg, Holzwickede und Schwerte Oliver Kaczmarek, der bereits seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags ist. „Mit diesem (überwältigenden) Stimmenpolster hat mir meine Partei den Rücken für die Bundestagswahl 2021 und für die bisherige Arbeit gestärkt“, freut sich Kaczmarek.
Bei der Versammlung stimmten 66 der 68 stimmberechtigen Mitglieder für die erneute Nominierung von Oliver Kaczmarek. Der versprach den Delegierten einen kreativen Wahlkampf auch unter Pandemiebedingungen. In seiner Rede machte Kaczmarek deutlich, dass „wir mit der Kraft unserer Grundüberzeugungen als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten und mit unserer Leidenschaft für Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen, Schwerte und Unna kämpfen können“. Man wolle die Menschen auch bei der Bundestagswahl davon überzeugen, dass die SPD wie keine andere Partei über alle politischen Ebenen hinweg den Kreis Unna zukunftsfähig gestalte. Daran wolle er mit voller Leidenschaft weiter mitarbeiten – im Kreis und in Berlin.
Nur eine kleine Gedenkfeier zum 75. Jahrestag: Grubenunglück auf Grimberg 3/4 ist ein Teil der Bergkamener Stadtgeschichte
Kranzniederlegung mit Bürgermeister Bernd Schäfer (l.) und dem Vorsitzenden des Knappenvereins Weddinghofen Ulrich Matzke (r.).
Die 405 Todesopfer des folgenschwersten Grubenunglücks des deutschen Steinkohlenbergbaus am 20. Februar 1946 auf der Schachtanlage Grimberg ¾ bleiben unvergessen. Das betonten am Samstagmorgen Bürgermeister Bernd Schäfer und der Vorsitzende des Knappenvereins Weddinghofen Ulrich Matzke auf den Tag genau 75 Jahre danach während der Gedenkfeier am Denkmal auf dem Waldfriedhof in Weddinghofen.
Teil der sehenswerten Ausstellung des Stadtmuseum in den Schaufenstern der Bücherei am Stadtmarkt.
Jedes Jahr organisiert der Knappenverein seit der am 20. Februar zur Stunde des Grubenunglücks diese Gedenkfeier, zu der auch Mitglieder von Knappenvereinen aus den Nachbarstädten kommen. Alle fünf Jahre fallen die Gedenkfeiern auch größer aus. Am 75. Jahrestag war aber alles anders. Die Pandemie lässt auch unter freiem Himmel keine größeren Veranstaltungen.
Doch auch mit Abstand lasse sich die Erinnerungen an diese Katastrophe wachhalten, von der fast alle Familien in Weddinghofen und den Nachbargemeinden betroffen. Das Museumsteam hat eine kleine Ausstellung zum Grubenunglück zusammengestellt, in den Schaufensterscheiben der Stadtbibliothek in Bergkamen-Mitte zu sehen ist.
Zudem hat das Museumsteam zwei Videos produziert, die das Unglück und die Entwicklung der Zeche Grimberg bis 1946 nachzeichnet. Gezeigt werden viele Fotos, die so zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind. Diese beiden Videos können auf der Homepage des Stadtmuseums abgespielt werden. Hier ist der Link: https://www.stadtmuseum-bergkamen.de/.
Die Erinnerung an das Grubenunglück werden auch durch die Medien wachgehalten, und das nicht nur auf lokaler Ebene. Der WDR sendete über das Radio ein „Zeitzeichen“, berichtete im Dortmunder Lokalfenster am Freitag und schickte zur Gedenkfeier ein Fernsehteam. Auch das ZDF war am Samstagmorgen zur Gedenkfeier auf dem Waldfriedhof in Weddinghofen gekommen. Der Beitrag soll laut Plan am Samstagabend in den Heute-Nachrichten ausgestrahlt werden.
Wir veröffentlichen noch einmal einen Beitrag, der am 20. Februar 2013 zum ersten Mal erschienen ist: http://bergkamen-infoblog.de/erinnerungen-an-das-grubenunglueck-auf-grimberg-3-4-sind-immer-noch-wach/
Erinnerungen an das Grubenunglück auf Grimberg 3/4 sind immer noch wach
Trauerfeier für die Opfer des Grubenunglück am 20. Februar 1946.
Der 20. Februar 1946 ist der schwärzeste Tag in der Bergkamener Bergbaugeschichte. Kurz nach 12 Uhr erschütterte eine gewaltige Explosion im Bergwerk Grimberg 3/4 die Stadtteile Weddinghofen, Bergkamen-Mitte und Oberaden. Durch dieses schwerste Grubenunglück in der Geschichte des deutschen Steinkohlenbergbaus verloren 405 Menschen ihr Leben.
Die Wucht der Explosion war so gewaltig, dass über Tage die Schachthalle einstürzte. Eine 300 Meter hohe Stichflamme schlug aus dem Schacht. Die Bunkeranlagen und Seilfahrtaufgänge wurden zerfetzt, das Strebengerüst beschädigt und die Schachteinbauten mit den Fördereinrichtungen völlig zerstört. Der Seilfahrtkorb jagte in den Turm und wurde auf ein Drittel seiner ursprünglichen Höhe zusammengestaucht. Tag und Nacht waren Grubenwehren aus dem gesamten östlichen Ruhrgebiet im Einsatz, um Überlebende zu bergen. Drei Tage dauerten die dramatischen Rettungsaktionen, die bis zur Unerträglichkeit durch ungeheuren Wetterzug und die in den Schacht herabstürzenden kalten Wassermassen erschwert wurden. Nach zwei Nachexplosionen am 21. und 22. Februar 1946 breiteten sich in der Grube die Brände weiter aus.
Drei Tage nach der Katastrophe wurden acht Überleben gerettet
Wartende Menschen vor der Unglückszeche Grimberg 3/4.
Als die Rettungstrupps am Abend des dritten Tages aufgeben wollten, fanden sie schließlich weitere acht Überlebende. In der Nacht zum 24. Februar wurden sie über den Schacht Grillo in Kamen zu Tage gebracht. Zu den Todesopfern zählten auch drei Offiziere der britischen North German Coal Control (NGCC). Die Söhne englischer Bergwerksbesitzer interessierten sich damals für einen modernen Kohlehobel, der auf Grimberg 3/4 eingesetzt wurde.
Regierungspräsident Fritz Fries setzte sich in seiner Rede während der Trauerfeier am 3. März für Verbesserungen der Sicherheit im Bergbau ein: „In den vergangenen zwölf Jahren ist leider auf diesem Gebiete nicht alles Notwendige geschehen. Der Raubbau des Nazisystems im Bergbau bedingte schwere Versäumnisse in den Sicherheitsmaßnahmen. Aber auch in den vergangenen Monaten hätte man schneller an die Korrigierung der Unterlassungen in den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen gehen können.“ Berghauptmann Nolte vom Oberbergamt Dortmund forderte die Klärung der Ursache des Unglücks. Er versprach, die Verantwortlichen streng zur Rechenschaft zu ziehen.
Mahnmal erinnert an 405 Tote
Mahnmal für das Grubenunglück
Genau sechs Jahre nach dem Unglück wurde am 20. Februar 1952 auf dem damaligen neuen Kommunalfriedhof in Weddinghofen (heute der Waldfriedhof am Südhang) das neun Meter hohe Mahn- und Ehrenmal eingeweiht. Der dreieckige Turm zeigt vorn links einen Bergmann, der sich auf einer Hacke stützt, und vorn rechts eine Bergmannsfrau, die tröstend ihr Kind hält. Auf der dem Wald zugewandten Rückseite sind die Namen aller Todesopfer eingemeißelt worden. Das Denkmal versinnbildlicht den Schachtturm, durch den die Bergleute eines Tages einfuhren und durch ein verheerendes Unglück überrascht wurden. Am Fuß des Turms befindet sich ein Sarkophag mit den Symbolen des Bergmannberufs „Schlägel und Eisen” mit aufgelegtem Lorbeer.
Die Ursache der verheerenden Katastrophe ist bis heute nicht restlos geklärt. Immer noch kursieren Gerüchte über Sabotage. Der Betriebsrat von Kuckuck, wie die Schachtanlage Grimberg 3/4 im Volksmund genannt wird, setzte eine Belohnung von 1000 Reichsmark für die endgültige Klärung des Unglücks aus. Als sicher anzusehen ist jedenfalls, dass eine Schlagwetterexplosion eine Kohlenstaubexplosion nach sich zog.
Einweihung des Ehrenmals auf dem Weddinghofer Waldfriedhof am 20. Februar 1952
Die wirtschaftliche Lage der Hinterbliebenen war auch sechs Jahre nach der Katastrophe, als das Denkmal eingeweiht wurde, denkbar schlecht. Zwar setzte direkt nach Bekanntwerden der Katastrophe eine Spendenflut aus ganz Deutschland ein, doch sowohl die Verteilung der Gelder als auch der Umfang der Unterstützung wurden damals von den Hinterbliebenen kritisiert. Auch die Sonderzuwendung der Zechenverwaltung von 200 Reichsmark und der Verzicht der Zeche auf das Sterbegeld der Ruhrknappschaft in Höhe von 150 RM zugunsten der Angehörigen konnten die Not nicht wesentlich lindern.
Hinterblieben erlitten bittere Not
Deutlich wird die Kritik an der Unterstützung der Hinterbliebenen in dem Rechenschaftsbericht von Valentin Schürhoff, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Grimberg-Spende, vom 30. August 1949. Valentin Schürhoff war bereits vor der NS-Zeit Betriebsrat auf Monopol sowie SPD-Fraktionsvorsitzender im Kamener Stadtrat. Nach Kriegsende ernannte ihn die britische Militärregierung im Mai 1945 zum Beigeordneten (stellv. Bürgermeister) der Stadt Kamen.
Das Kuratorium der Grimberg-Spende wurde vom damaligen Landesarbeitsminister Halbfeld auf Anregung der Gewerkschaft eingesetzt und hatte alleinige Vollmacht über die Spendengelder. Insgesamt waren 2,8 Millionen Reichsmark zusammengekommen. Bis zur Währungsreform wurde an die Hinterbliebenen die Hälfte der Spendengelder ausgezahlt: Jede der etwa 300 Witwen erhielt 3000 und jedes Kind 600 Reichsmark. Doch durch die Währungsreform blieben von der zweiten Hälfte nur noch zehn Prozent, 140 000 Mark, übrig, die wiederum, so Valentin Schürhoff, zur Hälfte blockiert waren.
Da eine weitere allgemeine Unterstützung den Kuratoriumsmitgliedern mit den begrenzten Mitteln nicht mehr möglich schien, beschlossen sie im Oktober 1948, die Beträge, die für das Studium der Kinder vorgesehen waren, sicherzustellen. An alle Schulabgänger sollten 100 Mark zur Anschaffung von Berufskleidung und an alle Frauen mit vier oder mehr Kindern 15 Mark für Einkellerungskartoffeln gezahlt werden. Gerade der letzte Punkt stieß auf Kritik. Viele Witwen forderten die gleiche Unterstützung. Doch da die Rentenzahlung nur die ersten drei Kinder mitberücksichtigte, entschloss sich das Kuratorium die schlechter gestellten Familien mit vier und mehr Kindern besonders zu unterstützen.
Währungsreform ließ Spendensumme schrumpfen
Auch die Bemühungen Valentin Schürhoffs bei den amerikanischen und britischen Offizieren, die 1,4 Millionen Reichsmark im Sinne der Hinterbliebenen nur auf 30 Prozent abzuwerten, blieben erfolglos. Am 6. September 1949 legte das Kuratorium den Witwen im Bergkamener Kino „Schauburg“ an der Bambergstraße Rechenschaft ab. Gegen zwei Kuratoriumsmitglieder sollen sogar gegen Ende des Jahres 1946 gerichtliche Schritte wegen Schludereien bei der Verteilung eingeleitet worden sein. Eindeutige Quellen, die diese Vorwürfe belegen könnten, sind allerdings nicht bekannt.
Lediglich 64 Grimberg-Kumpel konnten trotz des unermüdlichen Einsatzes zahlreicher Grubenwehren lebend geborgen werden. Eine effektivere Rettungsaktion, und das war eine bittere Lehre des Grubenunglücks, verhinderte die schlechte technische Ausrüstung der Grubenwehrmänner. So ließ es der begrenzte Aktionsradius der Beatmungsgeräte nicht zu, dass die Rettungskräfte bis zur 2. Sohle vordringen konnten. Dort lag der Ausgangspunkt des Unglücks. Als Konsequenz aus dem Bergkamener Grubenunglück und den deutlichen Versäumnissen im „Dritten Reich“ und der anschließenden Besatzungszeit wurde die Entwicklungen im Sicherheitsbereich sowohl für die Grubenwehr als auch für den einzelnen Bergmann energisch vorangetrieben.