Podiumsdiskussion ohne Schwung

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Wenn Politiker verschiedener Parteien aufeinandertreffen und sich auch noch im Wahlkampf befinden, dann kann es schon einmal etwas ruppiger zugehen. Doch auf der Podiumsdiskussion, zu der die Arbeiterwohlfahrt (Awo) die Kandidaten auf den Posten des Landrats und Vertreter anderer Parteien eingeladen hatte, ging es vergleichsweise gesittet vonstatten.

Sechs Parteien haben ihre Kandidaten und Anwärter auf Kreistagsposten zu der Diskussion entsendet, darunter auch Michael Makiolla (SPD), der seit 2004 als Landrat tätig ist – Frauen waren nicht darunter. Am Dienstag Abend stellten sie sich im Awo-Gebäude in Kamen-Süd den Fragen des Radio-Moderators Sebastian Pasutti. In erster Linie ging es in diesem Umfeld natürlich um soziale Themen. Armut, Familie, Arbeit waren Kernpunkte der Debatte.

Dabei konnte keiner der Kandidaten verhehlen, dass es um den Kreis Unna nicht gerade zum Besten steht: Fast jedes zehnte Kind verlässt die Schule ohne Abschluss, die Quote der erwerbstätigen Frauen ist im Vergleich zu anderen Regionen gering und das Armutsrisiko liegt über dem NRW-Durchschnitt. Einig waren die Sechs sich aber auch darin, dass es in allen Bereichen durchaus Fortschritte gegeben habe.

Podiumsdiskussion bei der Awo Kamen. Foto: Jonas Milk
Um die Kernthemen Armut, Familie und Arbeit ging es bei der Diskussion der Awo in Kamen. Foto: Jonas Milk

Vor allem in der Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung des Kreises wurden dann doch Unterschiede erkennbar. So forderte Gerhard Meyer, Kandidat der CDU, der Strukturwandel – der die ganze Region seit Jahrzehnten beschäftigt – müsse endlich abgeschlossen werden. Dabei sei es aber ein Fehler gewesen, bisher vor allem auf die Logistikbranche zu setzen. Mit Hinblick auf die Ansiedlung von Amazon und Co. sagte er: „Entscheidend muss sein, welche Arbeitsplätze geschaffen werden und nicht, wie viel Fläche in den Industriegebieten verkauft wird!“

Landrat Makiolla sieht Fortschritte

Auch Jochen Nadolski-Voigt von den Grünen äußerte Kritik an der bisherigen Wirtschaftsförderung des Kreises. Man müsse vor allem kleine und mittlere Betriebe darin unterstützen, sich familienfreundlicher aufzustellen, so der Bergkamener.

Beide Kritikpunkte wies Michael Makiolla zurück. Im Gegensatz zu anderen Kreisen in der ehemaligen Kohle-Metropole Ruhr sei der Kreis Unna mit vielen Arbeitsplätzen in der Industrie weit davon entfernt, ein reiner Dienstleistungsstandort zu werden. Tatsächlich würden die Logistik-Unternehmen nur die viertgrößte Arbeitgebergruppe stellen. Und im Bereich der Familienfreundlichkeit werde bereits viel getan.

FDP und Piraten nicht dabei

Interessant wurde es auch, als Werner Sell, Fraktionschef der Partei Die Linke im Kreistag, über die Unterstützung für Alleinerziehende sprach. In diesem Zusammenhang forderte er die Überprüfung von KiTa-Öffnungszeiten. Ein Thema, mit dem die politischen Gegner von der FPD in Werne erst vor kurzem den Groll der Tagesstätten-Träger auf sich gezogen haben.

Die FPD übrigens war bei der Awo nicht mit einem eigenen Sprecher oder gar Landrats-Kandidaten vertreten. Und auch die Piraten-Partei begab sich nicht in den Schlagabtausch mit Makiolla und seinen Kontrahenten.

Ähnlich regungslos wie der amtierende Landrat, der bei Wortbeiträgen seiner Herausforderer regelmäßig ins Leere starrte, blieben bei der Diskussion meist auch die Zuhörer. Nur wenige Beiträge kamen aus den Reihen der Angereisten, was aber auch daran gelegen haben mag, dass es vor allem Mitglieder der verschiedenen Parteien waren, die zur Unterstützung ihrer Kandidaten den Weg zur Awo gefunden haben.