Klimawandel schlägt zu – erste Polarwolf-Sichtung im Kreis Unna!

Die Kolleginnen und Kollegen der Ökologiestation trauten ihren Augen kaum, als sie am Morgen des 30. April die in der Nacht aufgezeichneten Bilder der Überwachungskamera sichteten. Was ihnen da – leicht verwackelt – entgegenblickte, hatte keiner erwartet. Die Biologen frohlockten, die Pädagogen wollten sogleich ein neues Klassenfahrt-Thema entwickeln, die Planer zeigten sich erschüttert, weil sie dies nicht geplant hatten, und nur der hauseigene Geograf zeigte sich gelassen (einen Geografen irritiert bekanntlich gar nichts mehr).

Foto: Ralf Sänger

Erste erkennungsdienstliche, biometrische Analysen lassen keinen Zweifel übrig: der nächtliche Besuch kommt von weit her – aber nicht aus erwarteter östlicher Richtung sondern aus dem hohen Norden. Es handelt sich, wie an der Fellfarbe abzulesen ist, eindeutig NICHT um den gemeinen Wolf („canis lupus“) sondern zweifelsfrei um seine nordische Unterart, den Polarwolf („canis lupus arctos“). Offensichtlich hat die Erwärmung der Polkappen bereits so dramatische Folgen, dass man bald mit allem rechnen muss. Ob allerdings Walrösser künftig am Lippestrand liegen werden, bezweifelt selbst der Geograf und Öko-Anstaltsleiter.

Uneinig sind sich indes die Fachleute, auf welcher Route der weit Angereiste den Weg zur Ökologiestation gefunden hat. Erste Vermutungen der städtischen Tourismusabteilung, der nordische Besuch könne über die „Römer-Lippe-Route“ eingewandert sein, konnte bislang nicht bestätigt werden. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, so Ralf Sänger, „sogar die Möglichkeit, ein Gast der kürzlich beendeten Lappland-Reise des eigenen Naturerlebnisreise-Projektes „Grüner Rucksack“ könnte das Tier eingeschleppt haben, wird geprüft.“ Ein Anfangsverdacht trifft ausgerechnet einen der beiden Mitarbeiter der hauseigenen Natur fördernden Gesellschaft, Matthias T., ein Naturerlebnisreise-Stammkunde. Die ermittelnden Behörden weisen jedoch darauf hin, dass selbstverständlich die Unschuldsvermutung zu gelten habe. Auch sei nicht auszuschließen, dass sich der „Einwanderer“ unbemerkt im Handgepäck des Kollegen eingeschlichen hatte.

Die Kolleginnen und Kollegen der Ökostation rechnen für die nächsten Wochen mit einem Besucheransturm auf den lokalen Beobachtungsturm und weisen vorsorglich darauf hin, dass sich möglichst nicht mehr als 30 Schaulustige gleichzeitig auf einer Ebene des Turms aufhalten sollten, um beim Schwanken des Turms keine Massenpanik auszulösen. Darüber hinaus merken sie an, dass bei der möglicherweisen Aufstellung von Tarnzelten zu Beobachtungszwecken baubehördliche Vorgaben (Standsicherheitsnachweise, Fluchtwegepläne, Grenzabstände, Zuwegungsberechtigungen, Brandschutz, Ausgleichspflanzungen, …) zu beachten sind!

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