Neun-Millimeter-Drohung war erfunden: Freispruch
von Andreas Milk
Es passiert selten – aber es passiert: dass eine scheinbar wohlbegründete Anklage in einen Freispruch vor Gericht mündet. Passiert ist das dem Bergkamener Paul H. (Namen geändert). Im vergangenen Oktober soll er dem 16-jährigen Julian R. zugerufen haben: „Verpiss dich, sonst kommt hier mal die Neunmillimeter“ – die Drohung, eine Schusswaffe einzusetzen.
Die Vorgeschichte: Julian R. hatte H.s Tochter Geld geliehen – 50 Euro – und wollte das jetzt endlich mal zurückhaben.
Vater Paul H. sagte dem Richter, er habe sich zwar in die Auseinandersetzung zwischen seiner Tochter und Julian R. eingeschaltet – aber lediglich mit dem Hinweis, Julian R. solle verschwinden, sonst komme die Polizei. „Neun Millimeter“? Davon sei keine Rede gewesen.
Und genau das bestätigte nun auch Julian R.: Er gestand, er habe dem Vater seiner Schuldnerin bloß eins auswischen wollen mit der Falschbehauptung. „Klasse, dass Sie das jetzt sagen“, fand der Richter: Fehler zuzugeben, sei nicht selbstverständlich. Das gilt umso mehr, weil R. nun selbst ein Verfahren droht. Angesichts seines freimütigen Geständnisses und seines jugendlichen Alters dürfte er freilich kaum ein drakonisches Urteil zu fürchten haben. Einen Fürsprecher hat er obendrein in Paul H.: Der sagte, Julian sei im Grunde „ein feiner Junge“.
Paul H. verließ – natürlich – den Gerichtssaal ohne Verurteilung: Der Richter sprach ihn frei.




