Auch die Overberger Wehr nimmt Abschied und zieht Bilanz

Sie ließen nicht locker. Bis morgens um 5 Uhr verputzten und pinselten die Overberger Feuerwehrleute den Mittelpfeiler mit neuen Kabelschächten, bis sich das Gerätehaus in nagelneuer Pracht zeigte. Denn alles sollte perfekt sein für eine Jahresdienstbesprechung, die auch hier einige Veränderungen einläutete. Weitaus mehr Einsätze als noch in den Vorjahren, eine neue Einheitsführung ab März und eine neue Wehrführung: Auch in Overberge wird sich 2019 vieles tun.

Die Overberger Wehrführung mit Gästen und Beförderten.

Für André Wortmann und Christoph Dettmar gab es eigentlich nicht viel zu überlegen. „Familiär sind da ja schon einige Weichen gestellt“, sagen sie mit einem Schmunzeln. Beide organisieren gern, sind von klein auf in die Feuerwehr hineingewachsen: Für beide war es ganz selbstverständlich, sich als Doppelspitze für die neue Einheitsführung zur Verfügung zu stellen. Am 16. März wird es offiziell so weit sein. Dann tritt André Wortmann als Einheitsführer die Nachfolge seines kommissarischen Vorgängers an, Christoph Dettmar wird sein Stellvertreter. Bislang bildeten sie beide als Stellvertreter ein Trio zusammen mit Einheitsführer Patrick Gundlach.

Patrick Gundlach steckten nach viereinhalb Jahren dann doch einige Klöße im Hals. „Es hat richtig Spaß gemacht und ich bin stolz auf Euch – ich sag einfach nur Danke“, verabschiedete er sich nach einer aufregenden aber auch anstrengenden Zeit aus seinem kommissarischen Amt. Zahlreiche Umbauten und Renovierungen im Gerätehaus, unzählige schwierige Einsätze, vor allem aber ein großer Zusammenhalt und eine bemerkenswerte Kameradschaft: Das nimmt er mit aus dieser Zeit und Verantwortung. Zusätzlich gab es ein Geschenk von seiner Mannschaft, das einige Höhepunkte bildlich vor Augen führt.

Mehr Einsätze, größere Belastung

Der Rückblick auf das Feuerwehrjahr 2018 förderte auch in Overberge vor allem beeindruckende Zahlen zutage. Die machten deutlich, dass auch die 32 aktiven Feuerwehrkameraden deutlich größere Belastungen und noch mehr Freizeit als ohnehin schon in die Rettung von Leben investiert haben. 114 Einsätze gab es 2018 – 2017 waren es noch 93, 2016 sogar nur 60. Ein deutlicher Anstieg, der auch zu mehr Einsatzstunden führte. 1.422 waren es 2018, 823 noch im Jahr davor. 59 Mal rückten die Wehrleute für Brandeinsätze aus, 31 Mal für technische Hilfeleistungen, die Unfälle und Türöffnungen umfassten. 49 Mal waren die Overberger in anderen Ortsteilen im Einsatz: Häufiger als im eigenen Stadtteil (41), was aufgrund der zahlreichen Grenzen normal ist. Tagsüber wurden die Overberger weiterhin von den Rünther Kollegen unterstützt. Der kreisweite Großeinsatz in Bönen, der Kindergartenbrand an der Hochstraße, einige Einsätze durch einen Brandstifter auf der Ökologiestation traten besonders hinter den Zahlen hervor.

Aus- und Weiterbildung und gemeinsame Veranstaltungen kommen zur Lebensrettung auch noch hinzu. So summiert sich die Freizeit, die alle zusammen in Overberge in die Feuerwehr investieren, auf 4.708 Stunden – das sind 147 pro Kamerad. Auch 2019 gibt es wieder eigene Veranstaltungen: Das Osterfeuer am 21. April um 18 Uhr wirft seine Schatten schon voraus. Und übrigens auch ein besonderer Geburtstag: 2020 wird die Overberger Wehr 112 Jahre alt.

Folgende Beförderungen gab es 2018:
Markus Kryszun (Feuerwehrmann), Marco Hey (Oberfeuerwehrmann), Philipp Köhling (Unterbrandmeister), Matthias Weidemann (Brandmeister), André Wortmann (Brandinspektor), Jürgen Grothaus (Brandoberinspektor). Pascal Kascha wurde aus der Feuerwehr Lünen übernommen. Markus Jahns wurde als 1. Kassierer neue gewählt, er löst nach 10 Jahren Nico Sehlmeier ab. Maryo Hey ist neuer 2. Kassierer und folgt Jürgen Darenberg nach stolzen 30 Jahren im Amt.

Folgende Lehrgänge und Fortbildungen wurden absolviert:
Grundlehrgang (Modul 1-3) von Markus Kryszun und Tobias Lehmann, Atemschutzgeräteträger (Markus Kryszun), Führerscheinerwerb: Jens Grothaus, Truppführer: Philipp Köhling, Sprechfunker: Sidney Jägerhülsmann, Philippp Köhling, Atemschutzgerätewart: Ives Oestereich, Gruppenführer: Matthias Weidemann, Zugführer Basis: André Wortmann, Führungskräfte im ABC-Einsatz: Jürgen Grothaus, ABC-Messstrategie: Jürgen Grothaus, NH3 und Feuersicherheitstraining: Jürgen Grothaus.




Oberadener Wehr zieht Bilanz – mit Tränen

Da schimmerten nicht nur die Tränen, sie flossen auch. Spätestens, als alle Oberadener Feuerwehrkameraden geschlossen aufstanden und der scheidenden Wehrführung applaudierten, waren bei Dietmar Luft und Ralf Klute die Dämme gebrochen. Das Scheiden tut insbesondere bei der Abschiedstournee durch die einzelnen Löschzüge dann doch weh. Die traditionelle Jahresdienstbesprechung in Oberaden machte am Samstag den Auftakt.

Die Wehrführung samt Gästen und Einheitsführung mit den Geehrten und Beförderten.

Zumal das Feuerwehrjahr 2018 auch in Oberaden Spuren hinterlassen hat. Der Teleskopmast hat den Jahrhunderteinsatz beim tagelangen Großbrand der GWA in Bönen nicht überstanden. Feuerwehrkameraden kamen nur knapp mit heiler Haut davon, als sie von den Flammen eingeschlossen waren und der Teleskopmast heftig lädiert wurde. Ende Februar, Anfang März soll das Ersatzfahrzeug in das Oberadener Gerätehaus rollen.

Auch in Oberaden gab es 2018 mehr Einsätze, 176 insgesamt. Am häufigsten rückten die 39 Kameradinnen und Kameraden für die Rettung von Menschen aus Notlagen aus (36 Einsätze). „Auch diese Zahl hat deutlich zugenommen“, resümiert Einheitsführer Dirk Meyer-Jürgens. Ebenso wie die Verkehrsunfälle (9) und die Großbrände (5). Außerdem führt die Statistik 45 Kleinbrände auf, 9 Mittelbrände, 6 Ölspureinsätze, 9 Tiere in Not und 21 Mal blinden Alarm. 2.032 Teilnehmer leisteten 2.989,41 Stunden bei Einsätzen und. Insgesamt investierten 2.780 Teilnehmer 5.632,66 Stunden ihrer Freizeit freiwillig. Gleich mehrfach ging es zur Ökostation, wo ein Brandstifter am Werk war. Der Einsatz im Kindergarten an der Elsa-Brandström-Straße sitzt den Feuerwehrleuten immer noch in den Knochen, ebenso wie der Kellerbrand am Hünenpatt oder der Verkehrsunfall, bei dem gleich 7 Personen aus den Fahrzeugen gerettet werden mussten.

Einsatzführer Dirk Meyer-Jürgens stand nur vorübergehend zur Verfügung. Die Feuerwehrleute wählten Jens Möllmann zu seinem Nachfolger. Neu aufgenommen wurden René Schmidt und Maik Kunze als Feuerwehranwärter sowie Kevin Kronenberg als Feuerwehrmann (aus der Jugendfeuerwehr). Befördert wurde Tobias Ostwinkel zum Hauptbrandmeister. Außerdem standen besondere Ehrungen auf dem Programm: Martin Schmidt und Andreas Theimann erhielten für 40 Jahre Zugehörigkeit die silberne Ehrennadel, Dieter Kress bekam für 50 Jahre gar das goldene Exemplar.

Planungen für das neue Gerätehaus

Auch 2019 wird ein bewegtes Jahr werden, denn es ebnet den Weg für weitere Veränderungen. Das neue Feuerwehrgerätehaus wird kommen. Dafür laufen 2019 vor allem die Planungen. Die alte Schule wird abgerissen, dort wird das neue Gebäude entstehen, das auch Platz für die Jugendfeuerwehr haben soll, die bislang in Bergkamen-Mitte Räume für Material und Kleiderkammer hat. Auch die Heiler Wehr soll mit einziehen, ein Wehrführerbüro wird in den Planungen ebenfalls eine Rolle spielen. Außerdem ist der Weg im Herbst womöglich auch für die Oberadener Wehrleute wieder über den gesperrten Bahnübergang an der Jahnstraße frei, der bislang die Wege der Einsatzfahrten beeinträchtigt hat.

Gefeiert wird 2019 übrigens auch wieder: Dämmerschoppen am 7. September, zuvor aber der etwas größere Kameradschaftsabend schon bald in der Realschule.

Fleißig waren die Oberadener Wehrleute auch auf der Ebene der Fort- und Weiterbildung:

Melina Stief absolvierte den Grundlehrgang (Modul 1-3), Erste Hilfe im Feuerwehrdienst, den Atemschutzgeräteträger-Lehrgang und den Sprechfunker-Lehrgang. Mario Schäfer bewältigte den Grundlehrgang (Modul 4), den Lehrgang „Maschinist für Löschfahrzeuge“ absolvierten Pascal Fülbier, Dustin Larmann und Mario Schäfer. Jan-Hendrik Hawlitzek besuchte die Truppführer-Fortbildung FII-F und den Gerätewart-Lehrgang, Dustin Larmann und Tim-Maximilian Hawlitzek absolvierten den Jugendgruppenleiter-Lehrgang, Tobias Kaczmarek besuchte den Lehrgang ABC-1. Auf Landesebene wurden folgende Lehrgänge absolviert: Gerätewart-Lehrgang F-GW (Florian Böttger), Zugführer-Basis FIV (Dirk Meyer-Jürgens) und Seminar Versorgung (Ralf Klute).




Mit Feuer und Eis durch ein flackerndes Hafenfeuerwochenende

Wer nichts mit seinen alten Abflussrohren anzufangen weiß, der sollte sie einmal aus musikalischer und feuertechnischer Sicht genauer betrachten. Das haben die „Feuersleut“ von Fiurfaro getan. Dabei herausgekommen ist ein dreifaches Didgeridoo mit Fackelträgerfunktion. Besonders gut geeignet für nasskalte, graue Wintertage wie am Wochenende beim 4. Hafenfeuer.

Mit ungewöhnlichem „Digeridoo“ auf Flammengang.

Was auf den ersten Blick aussah wie eine besonders gefährliche mittelalterliche Feuerwaffe, verströmte nicht nur flackerndes Flammenlicht, sondern auch faszinierende Töne. Besonders praktisch: Die immer dichter rieselnden Schneeflocken schmolzen am Freitag im Umfeld dieses kuriosen Feuer-Instruments auf der Stelle. Wenig später hatten Eis und Schnee ohnehin keine Chance mehr. Denn jetzt standen nicht nur die Feuerkörbe und kleinen Feuerlampen auf den Tischen vollends in Flammen. Fackeln wirbelten durch die rabenschwarze Nacht, strichen mit züngelnden Flammenzungen über nackte Haut oder verschwanden komplett in weit geöffnete Rächen. Flammenstäbe drehten sich in atemberaubendem Tempo. Mittelgroße Flammenbomben zogen meterlange Feuerschweife durch den Himmel.

Und schwupps ist die Fackel im Rachen verschwunden.

Das alles begleitet von mittelalterlicher Choreographie sowohl in musikalischer als auch in kostümtechnischer Hinsicht. Denn die „Feuersleut“ von Fiurfaro sind Besessene ihrer Zunft. „Ich habe schon als Junge gezündelt“, sagt einer von Ihnen. Zum Zündeln gesellte sich die Jonglage und die Kunst, mit dem ganzen Körper den Flammen auf die Spur zu kommen. „Bei den meisten anderen ist es anders herum“, sagt der Künstler über seine Mitstreiter, die bereits seit 18 Jahren aus der Feuerfaszination einen Profession gemacht haben.

 

 

Aufwärmen am Lagerfeuer.

Ob mit dem Stockbrot am Lagerfeuer, mit den Handinnenflächen am Feuerkorb, mit dem ganzen Körper auf der Flucht vor aufstrebenden Feuerfunken, mit Fackeln in der Hand auf Wanderschaft oder mit den Augen und Ohren angesichts von explodierenden Feuerwerken: Das Hafenfeuer machte am Wochenende seinem Titel alle Ehre und kämpfte tapfer gegen das doch recht stattlich in allen Varianten von Himmel stürzende nasse Element an. Licht gab es jedenfalls reichlich nicht nur an den echten, sondern auch an den künstlichen Flammen, die sich im Angebot der kleinen Hüttenburg rund um die Feuerstellen verbarg. Von Flammkuchen bis Kerzenkunst reichten die Varianten.

Irische und schottische Musik lieferten am Samstag „Pot O’Stovies“.

Musikalisch ging es eher angelsächsisch zu. Irische und schottische Balladen, Sauf- und Rauflieder, handgemachter englischer Acoustic und Folk Rock gab es für die schwermütige Winterseele. Dazu gleich mehrere süffige Tropfen vom irischen Whiskey bei der eigens arrangierten Verkostung. Gute Stimmung kam aber auch dort auf, wo irisches Bier aus dem Fass floss oder warme Cocktails zum Einsatz kamen. Die brauchte es auch nach einer guten Stunde Wanderung rund um den Beversee mit Fackeln in der Hand. Oder einem Ausflug mit dem Nachwuchs in die Kinder-Winterwelt, wo nicht nur Kreativität gefragt war.

 

 




Mit spitzer Zunge und drastischen Stastik-Wahrheiten ins neue Politik-Jahr

Dass parteipolitische Neujahrsempfänge oft mit spitzer Zunge geführt werden, ist längst Tradition – auch bei der Bergkamener CDU. Marco Morten Pufke läutete das politische Jahr am Sonntag besonders launig ein und reihte eine provokante Interpretation an die andere. Perfekt ergänzt von den Wahrheiten, die Prof. Dr. Walter Krämer in der Ökologiestation hinter den Zahlen und Fakten von Statistiken, Pressemeldungen und politischen Konsequenzen hervorholte.

Prof. Dr. Walter Krämer enthüllte beim Neujahrsempfang der CDU Erschreckendes hinter den Statistiken – mit launigem Humor.

Launig zeigte sich auch der CDU-Vorsitzende Marco Morten Pufke in seinem politischen Rundumschlag.

Aufwärmen konnte sich Marco Morten Pufke mit der Bundespolitik, dem „unwürdigen Schauspiel der Koalitionsbildung“ und der Aufforderung an die SPD, sich endlich für die Regierungsteilhabe zu entscheiden. Die Kanzlerin sieht er immer noch als Glücksfall, kritisierte aber auch ihr Verhalten in der Flüchtlingskrise, mit dem die CDU „Vertrauen eingebüßt“ habe. „Die gesellschaftlichen Verwerfungen bestehen fort – am Mut, offensichtliche Probleme beim Namen zu nennen, mangelt es“, so Puffke. Die Gruppe der Gefährder, die mit Übergriffen und Morden nicht nur als Einzeltäter „uns auf der Nase herumtanzt“, müsse konsequent aus dem Verkehr gezogen werden. Rechtliche Konsequenzen vermisst der CDU-Vorsitzende. Auch die überbordende Steuerlast für die wirtschaftlichen Leistungsträger sei eine offene Baustelle. „Es ist richtig, dass Merkel nicht mehr kandidiert“, resümiert Pufke.

Die Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai sieht er als erstes Stimmungsbarometer und befürchtet eine „Denkzettelwahl“ angesichts von Bürokratiemonstern wie der Datenschutzgrundverordnung, Stickoxidwerten und dem womöglich ungeordneten Brexit. Positiv fällt dagegen seine Bewertung der Landespolitik aus, die „vorbehaltlos anerkannt“ sei auch dank der Null-Toleranz-Politik gegenüber kriminellen Familienclans und mehr Geld für die Kommunen.

Von schlechten Verlierern und Gestaltungswillen

Das Akkordeon-Duo der Musikschule sorgte für den musikalischen Rahmen: Elias Bauer und Jan Föst.

Deutlich harscher ging er mit der Bergkamener Lokalpolitik zu Gericht, die mit 3.600 Euro Schulden pro Einwohnerkopf zu kämpfen habe. Hier habe „allein die CDU politischen Gestaltungswillen“ im Stadtrat. Etwa bei der Wiederherstellung der Verkehrssicherheit am Westenhellweg. Hier sei der CDU-Vorschlag ohne Begründung abgelehnt, am Ende aber von der Stadtverwaltung abseits des politischen Beschlusses mit Straßen NRW umgesetzt worden. In der Diskussion um die L821 n kritisierte er nicht nur die geheime Abstimmung der SPD. Bei der Frage nach der von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen behaupteten Befangenheit von Politikern in der Abstimmung sei „eine Entschuldigung längst überfällig“. Die „unanständige“ Behauptung sei widerlegt worden. Hier zeigten sich „schlechte Verlierer“ und ein politischer Umgang, von dem Pufke dachte, „dass wir inzwischen weiter sind“.

Stoff für weitere spannende politische Debatten bietet das Jahr allemal. Integriertes Handeln ist für die Stadtmitte rund um die Lessingstraße mit Hallenbad, VHS, Jugendtreff bis hin zum Nordberg und Rathausviertel gefragt. Braucht Bergkamen das Hallenbad noch? Wird das Rathaus saniert oder gibt es einen Neubau? Das sind aus Pufkes Sicht die künftigen Handlungsfelder, ebenso wie die Suche nach neuen geeigneten Gewerbeflächen, der L821n samt Brückenschlag und den übertragenen Brückenschlag auf die Schiene. Denn das bisherige Totschlagargument der Bahn gegen einen Bergkamener Bahnhof sei mit dem Umleitungsverkehr während der Sperrungen in Kamen widerlegt worden: Es geht offenbar trotz angeblicher Auslastung der Strecke durch den Güterverkehr. Schrittfehler dürfe man sich hier ebenso wenig erlauben wie politische Eitelkeiten oder „tödliche Verknüpfungen“ mit der IGA 2027. Leerstand in der Marina inklusive drohender Bipolarität mit Plänen für den Ausbau der Nordseite, die schon am Nordberg gescheitert sei, ist ein weiteres CDU-Sorgenkind.

Erfreulich seien die Schießanlage der Kreisjägerschaft an der Hansastraße, der Fortschritt in der Wasserstadt Aden mit Erdarbeiten, der Dynamik im Umbau des Museums und Nachbau der Holz-Erde-Mauer, dem Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Sanierung der Schulen. Kinderbetreuung mit der Diskussion um ein 2. Beitragsfreies Jahr, das neue Gerätehaus in Oberaden: 2019 wird mindestens genauso spannend wie das alte Jahr.

Wenn Statistiken mehr als nur lügen

Gleich zwei mahnende Finger waren erforderlich, um auf die Folgen falsch gedeuteter Zahlen und Fakten hinzuweisen.

Dass man dabei immer auch kritisch auf die Zahlen und Fakten schauen muss, zeigte Prof. Dr. Walter Krämer als Statistik-Experte der Technischen Uni Dortmund ebenso humorig wie eindringlich auf. Fast schon erschütternd waren die Beispiele, die er für den ebenso irrationalen wie folgenschweren Umgang mit Risikostatistiken aufzeigte. In einem Land, das „gut ist im Angstproduzieren“ ist. In die Statistik von 13 Mio. Umwelttoten werden beispielsweise auch alle Selbstmörder oder von Bussen getötete Menschen mit aufgenommen. Der statistisch für den 26.10.2018 verlässlich vorhergesagte Einschlag eines Asteroiden mit drohendem Weltuntergang spielt eine geringere Rolle in der Presse als die angebliche Unfallgefahr durch Klopapier. Oft sind die Folgen auch wirtschaftlich katastrophal: Die propagierte SARS-Gefahr bescherte der Lufthansa 100 Mio. Euro Verlust durch den Einbruch des Nahost-Marktes.

Unverhältnismäßige Sorgen, Panik und größter politischer wie finanzieller Aufwand für falsch behauptete Wahrheiten: Dafür stehen doppelt so viele Herz- als Krebstote, weniger tote Motorradfahrer in Ländern ohne Helmpflicht als in solchen mit Verpflichtung, mehr radioaktiver Strahlung bei Langstreckenflügen als durch einen vorbeifahrenden Castortransport und einer Unmenge von Essengiften, die auf natürliche Weise in den Nahrungsmitteln enthalten sind (99,99 %). „Die Natur darf das, was Nestlé nicht darf“, kommentierte Krämer, führte tödliche Kartoffeln, Muttermilch mit regulär 3.000 Schadstoffen und mindestens „1 Molekül Jesus Christus in jedem von uns“ ins Feld – letzteres sei nach einem Einwurf von Pfarrer Chudaska „aber nicht schädlich“.

Ein Kind müsste die Regenjacke essen, um deren publizierte Schädlichkeit aufzunehmen. Durch die Panik vor Terror sind mehr Menschen gestorben, als durch die Anschläge selbst – beim Umstieg vom Flugzeug aufs Auto und Tod bei Verkehrsunfällen. Je kahler der Mann desto reicher, Schnuller als IQ-Killer und ohnehin zum früheren Sterben verurteilte Raucher, die an erhöhter Risikobereitschaft sterben: Der Statistik-Ausflug mit Krämer war ebenso launig wie ernüchternd, stellenweise auch hochgradig alarmierend. Also: Augen auf bei jeder Statistik – auf allen Ebenen.




2018 war ein Jahr der Extreme für die Feuerwehr

Es war der letzte Jahresbericht der Freiwilligen Feuerwehr, der die Handschrift der alten Wehrführung trug. Im März werden offiziell die Nachfolger von Feuerwehrchef Dietmar Luft und Stellvertreter Ralf Klute eingeführt. Wer das genau sein wird, wurde am Samstag bei der traditionellen Jahresdienstbesprechung nicht verraten. Dafür lag ein Jahresbericht auf dem Tisch, der nicht nur den Umfang eines stattlichen Buches hatte, sondern auch dem Ende einer Wehrführungs-Ära alle Ehre machte.

Die Wehrführung mit Gastgebern von der Heldt KG und der Beigeordneten Christine Busch.

Denn es war ein Jahr der Extreme, „die glücklich bewältigt wurden“, fasste es die zuständige Beigeordnete Christine Busch zusammen. 2018 habe man es beinahe häufiger mit Wasser als mit Feuer zu tun gehabt. Allein 1,6 Mio. Liter flossen in die Turmarkaden, mit 4 Mio. Litern kämpften die freiwilligen Retter auf dem Bayer-Gelände. Sturmschäden und überhaupt die Folgen des Klimawandels: „Die Aufgaben der Feuerwehr verändern sich, das haben wir auch 2018 zu spüren bekommen.“ Dazu gehört auch die stetig steigende Zahl von Personen, die aus Notsituationen gerettet werden müssen – oft hilflos in der eigenen Wohnung. Deutlich mehr Einsätze insgesamt: Das führt auch zu größeren Belastungen für die Feuerwehrleute. „Umso wichtiger ist die Unterstützung durch die Familie und die Arbeitgeber“, betont Wehrführer Dietmar Luft. Auch die vielen fördernden Mitglieder seien hier nicht nur mit finanzieller Unterstützung, sondern auch mit Zuspruch und Gesprächsangeboten eine wichtige Hilfe.

481 Einsätze musste die Freiwillige Feuerwehr 2018 mit 208 Wehrleuten bewältigen – das sind 48 mehr als im Vorjahr. Zu den meisten Einsätzen rückte die Wehr in Mitte (117) und Weddinghofen (113) aus. 114 Mal ging es um Menschen in Notlagen, 62 Mal gab es blinden Alarm, 90 Kleinbrände mussten gelöscht werden, 13 Mittel- und 6 Großbrände. 19 Tiere gerieten in Notlagen, es gab 31 Verkehrsunfälle und -störungen, 46 Wasser- und Sturmschäden sowie 39 ABC-Einsätze und 6 überörtliche Einsätze.

Jahrhunderteinsatz und verletzte Feuerwehrleute

Zahlen, hinter denen unzählige Fortbildungen und eine „Ausbildung, die großartig organisiert wird“ als Grundvoraussetzung ebenso stehen wie Leistungsnachweise, Unfälle und Fahrzeugschäden sowie Verletzungen und eine riesige Zahl von Einsatzstunden, die freiwillig aus privater Freizeit heraus geleistet werden. Dass dies zwar unzählige Leben rettet, aber auch für die Feuerwehrleute immer wieder lebensgefährlich ist, zeigte der sogenannte Jahrhunderteinsatz bei der GWA in Bönen. Dort brannte tagelang die Wertstoffannahmestelle, 1.000 Einsatzkräfte kämpften ununterbrochen gegen den Schwelbrand. 4 Bergkamener Feuerwehrleute fanden sich plötzlich vom Feuer eingeschlossen auf dem Teleskopmast wieder. Sie konnten sich zum Glück leicht verletzt retten, der Teleskopmast allerdings ist total zerstört und muss ersetzt werden. Das neue Hubrettungsfahrzeug „konnte mithilfe der Verwaltung auf kurzen Wegen schnell geordert werden und soll im Februar geliefert werden“, so Luft.

Der Wasserrohrbruch in den Turmarkaden war ein Extrem, gegen das die Feuerwehr mit 60 Einsatzkräften, mehreren Tauchpumpten, besonderer Pumpentechnik und mehreren hundert Metern Schläuchen gleich zu Jahresanfang kämpfen musste. Sofort danach folgte Orkan „Friederike“ mit 90 Einsätzen wie abgedeckten Dächern, entwurzelten und umgestürzten Bäumen und 80 Häusern ohne Wasserversorgung. Im März brannte ein Zimmer an der Landwehrstraße. Die Erstretter konnten die 69-jährige Frau jedoch nicht mehr retten.

Die zuletzt überall präsenten Angriffe auf Wehrleute bei Einsätzen gab es 2018 zum Glück nicht. Dafür aber „zunehmendes Nichtverstehen der Verkehrsteilnehmer“, hob Christine Busch ein anderes Phänomen hervor – sei es durch Zuparken von Einfahrten vor Gerätehäusern oder durch Behinderungen bei Einsätzen. Der Brandschutzbedarfsplan fand wieder durchgehendes Lob. Der Zuwachs bei der Jugendarbeit ist mehr als erfreulich. „Wir mussten jetzt wieder Wartelisten aufgrund der vielen Anfragen einführen“, so Busch. Aktuell engagieren sich 36 Jugendliche in den Jugendfeuerwehren, davon 10 Neuaufnahmen. Aber auch die vielen Quereinsteiger bereichern die Feuerwehr mit ihrem Know-how.

Zukunft mit Wachwechsel und vielen Aufgaben

Die neue Wehrführung wird 2019 nicht minder anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen haben. Die Verkehrswege inklusive Brückenbau Richtung Norden sind hinsichtlich der Einsatzfähigkeit ein wichtiges Thema. Die Planungen für das neue Gerätehaus in Oberaden sind „ein gewaltiges Projekt“, bei dem es noch viel Feinarbeit zu leisten gibt. Christine Busch ist überzeugt, „dass es eine gute Staffelübergabe geben wird“ und verweist auf den beeindruckenden Ausbildungsstand der Führungskräfte, die hier intern einige Kandidaten für die Nachfolge befähigt. „Und es ist gut zu sehen, dass es Menschen gibt, die bereit sind, ein hohes Maß an Verantwortung zu übernehmen.“

Auch Dietmar Luft weiß, „dass die Aufgaben zukünftig nicht weniger werden – dafür braucht es vor allem verlässliche Partner, denen es um die Sache geht: die Sicherheit der Bürger“. Es wird übrigens der erste komplette Wechsel der Feuerwehrführung sein, der im März ansteht.




Mit Entdeckergeist gymnasiale Luft schnuppern

Da blieb selbst manchen Eltern die Sprache weg. Warum der Schokokuss unter der Glocke zu bombastischer Größe anschwillt, blieb vielen ein Rätsel. Wie ein 3D-Drucker funktioniert, ein Lego-Roboter programmiert wird, das Morse-Alphabet aufgebaut ist und die Farbe aus dem Faden herausgeholt wird: Das alles war auch für diejenigen beim Tag der offenen Tür im Gymnasium oft ein unbekanntes Feld, die längst das Abitur in der Tasche hatten.

Was passiert da nur mit dem Schokokuss? Nicht nur die Physik fasziniert die künftigen Gymnasiasten beim Tag der offenen Tür.

Mit Farben experimentierten neugierige Schülerinn und Schüler in der Chemie.

Eltern und potenzielle künftige Schüler wollten am Samstag aber nicht nur herausfinden, was alles auf dem gymnasialen Lehrplan stand. Den meisten der vielen Besucher war am wichtigsten, „wie das Klima an unserer Schule ist, das Miteinander und alles, was neben dem Unterricht unsere Schule ausmacht“, schildert Schulleiterin Bärbel Heidenreich. Die Umstellung auf G9 verbunden mit dem dann erhofften abgemilderten Leistungsdruck, digitale Ausstattung und Medienangebot: auch das beschäftigt vor allem die Eltern.

Auch der Blick durch das Mikroskop lohnte sich.

Die Schülerinnen und Schüler genossen dagegen die Möglichkeit, ihrer Neugierde freien Lauf zu lassen. Denn überall konnte jeder ausprobieren, was ihn gerade faszinierte. Egal ob es sich dabei um das russische Alphabet, Natronlauge und Salzsäure oder das Innenleben der pflanzlichen Zellen handelte: Vor allem Entdeckergeist war an diesem Vormittag gefragt. Da holte mancher zum ersten Mal in seinem Leben mit zusammengepressten Lippen beeindruckende Töne aus einer Trompete heraus oder entpuppte sich als besonders talentiert beim Surfen im Internet.

Spannend, was Roboter alles können.

Wer beim Elternabend noch nicht alle Fragen geklärt hatte, konnte sich in den Klassenräumen ein zusätzliches Bild verschaffen. Der eine wollte herausfinden, ob sein Kind hier gemeinsam mit Freunden die weiterführende Schule besuchen kann. Der andere Elternteil konzentrierte sich auf die Unterrichtsangebote. Das Gymnasium selbst wird vor allem mit der WLAN-Aufrüstung beschäftigt sein, bis die neuen Schüler im nächsten Schuljahr dazustoßen. Denn in vielen Fächern spielt eine schnelle und vor allem leistungsstarke Anbindung inzwischen eine große Rolle – angefangen von der Erdkunde bis hin zum Kunstunterricht. „Wir hoffen auch, dass mit G9 die Angebote der Arbeitsgemeinschaften jenseits des Stundenplans wieder stärker auch bei den Schülerinnen und Schüler in den Fokus rücken, denn die sind wichtig für die persönliche Entwicklung“, so Bärbel Heidenreich. „Außerdem hoffen wir, dass die Gelder aus dem Digitalpakt endlich zur Verfügung stehen.“

 




Magischer Artisten-Sternenstaub mit weihnachtlicher Wirkung

Da rieben sich selbst die Großeltern, Eltern und Geschwister verwundert die Augen. Vor ihren Augen verwandelte sich das, was bis gerade eben noch Schwester, Tochter und Enkelin war in Sternenstaub, der biegsamer als ein Grashalm war. Von der Brücke ging es federleicht in den Handstand – auf den Händen eines anderen in beachtlicher Höhe, versteht sich. Und da brauchte es keine gewaltigen Scheinwerfer, um zu leuchten wie ein echter Stern.

Auf Füßen balancierend in die Waagerechte: Eine leichte Übung für die Artisten aus dem Balu.

Ein Stern von vielen, der im studio theater am Bühnenhimmel leuchtete.

Nun kann Weihnachten jedenfalls getrost kommen. Sterne gibt es seit Samstag in Bergkamen wie Sand am Meer und die leuchten heller als das, was am verschneiten Himmel glimmt. Außerdem ist das Weihnachtsvarieté der kleinen und größeren Artisten aus dem Kinder- und Jugendhaus Balu schon seit langem eine Art Fixstern für alle, die noch den letzten Funken für die echte Weihnachtsstimmung brauchen. Hier gibt es ihn garantiert, wenn geschmeidige Talente auf der Bühne einfach Unglaubliches zeigen.

Die Profis unterstützten den Nachwuchs mit magischen Darbietungen.

 

 

 

Auch diesmal zusammen mit schon gestanden Sternen, die in der Szene längst echte „Stars“ sind. Die vielen Videokameras hatten ihre liebe Mühe, die Jungs von „Reckless“ bei ihrem atemlosen Breakdance-Wirbel auf der Bühne überhaupt noch zu erfassen. Die Diabolos flimmerten unter den Händen von Hinnerk Schichte nur noch wie funkelnde Lichtpunkte – gleich drei davon auf einmal. Wenn er auch noch mit Glaskugeln über die Bühne schwebte, war nicht mehr zu erkennen, was von den musikalisch-artistischen Gebilden Mensch und Material war.

 

Mit den Profis zusammen pure Magie freilassen

Federleicht einarmig auf dem Kopf des Partners turnen.

Sie alle lösten sich in magischen Sternenstaub auf. Die Akrobaten Jaroslav und Dimitry bei einarmigen Wunderwerken ebenso Constantin Malchin im wirbelnden Rhönrad. Und auch bei den lockeren Zaubereinlagen war kosmische Magie im Spiel, wenn Würfel verschwanden oder nur durch mentale Schwingungen die richtige gedachte Zahl auf der Tafel landete.

Gar nicht so leicht: Auch das Publikum versuchte sich mit Ludger Burmann in magischen Darbietungen.

 

 

 

 

Mit Moderator Ludger Burmann, der sonst im TV mal fiese und mal ernste Zeitgenossen mimt, ging es auf kosmische Reise in den Sternenstaub im Körper, mit Lichtgeschwindigkeit auf den 13 Milliarden Lichtjahre entfernten Stern oder auf der Suche nach der eigenen kosmischen Strahlung tief ins eigene Ich. Dort schlummert einige Energie, die fünf Gäste auf der Bühne rauslassen durften. Der Versuch, den Geheimissen der Kinetik mittels zweier Tennisbälle auf den Grund zu gehen, endete mit einem amüsanten Chaos an Händen und wild herumfliegenden Bällen.

Schwung holen für wirbelnden Sternenstaub aus dem Rhönrad.

Nicht weniger gehaltvoll ging es in der Pause zu. Im Foyer des Studiotheaters konnten die Besucher den Planeten und dem Sinn des Lebens mit vielen poetischen, optischen und magischen Anregungen auf die Spur gehen: Überall waren Sternen-Stationen aufgebaut, die immer neue Gedankenanstöße gaben und zu anregenden Experimenten einluden. Ein magischer Abend, der lange anhielt. Und mancher entdeckte daheim Sternenstaub auf dem Mantel, der hoffentlich noch länger als bis Weihnachten wirkt.

 

 

 

 




Weihnachtsendspurt unter dem Oberadener Weihnachtsbaum

Wenn im Museum die Walze im Akkord gekurbelt wird und 70 Kilo Teig im Ofen ganze Schwaden von Spekulatiusduft vorbei an den Kohle-Hauern und der Bauernstube bis zum römischen Weinfass treiben, dann wird es höchste Zeit. Dann ist der Weihnachtsendspurt eröffnet und die Verkaufsstände auf dem Oberadener Weihnachtsmarkt sind die letzte Chance.

Im Bergbaustollen war beim Weihnachtsmarkt wieder die Spekulatiusmaschine die Hauptattraktion – nur ein klein wenig jünger als die Bergkamener Bergbaugeschichte.

Weihnachtlich gaben sich auch die Schmuckstücke an den Ständen.

Im Museum selbst ist die Auswahl mit Umbauten und neuem Ausstellungskonzept zwar deutlich geschrumpft. Fündig wurden Geschenkesuchende am Wochenende aber immer noch. Mancher konnte sich nicht entscheiden zwischen selbstgenähten Taschen, hunderten von Stricktüchern, Holzfiguren in allen Varianten, Schmuck, gebastelten Weihnachtskarten und winzigen Weihnachtskugeln, die ganze Schneelandschaften in sich trugen.

Töpferkunst en masse aus dem eigenen Töpferofen.

 

 

 

Auch am Stand von Ursula Langer fiel die Auswahl schwer. Einen Weihnachtsengel mit glänzenden Flügeln oder doch lieber die Eule mit den großen Augen? Alles, was die Lünenerin auf ihrem Tisch aufgebaut hatte, hatte sie im Laufe des Jahres aus dem eigenen Töpferofen hervorgeholt. Seit 20 Jahren verwandelt sie Ton in weihnachtliche Gestalten und alle Varianten von Tieren. Angefangen hat es mit Eulen. „Die habe ich mal gesammelt und dann einfach selbst gemacht“, schildert sie. Die Töpferleidenschaft begann, als die Kinder noch klein waren. Irgendwann war die Produktion derart angestiegen, dass ein eigener Töpferofen nicht mehr zu umgehen war. Vor vielen Jahren hatte sie schon einmal einen Stand auf dem Oberadener Weihnachtsmarkt. Jetzt ist zu zurückgekehrt.

Mit 100 Jahren noch besser als jeder Konkurrent

Auch die Kinder hatten viel zu tun mit selbst gebasteltem Weihnachtsschmuck.

Eine feste Institution ist längst die uralte Spekulatiusmaschine der Bäckerei Sadlowski. In den 60er Jahren schafften die Eltern des jetzigen Eigentümers das antike Stück an, das in den 1920er Jahren hergestellt wurde. Seitdem presst sie Engel und andere Figuren durch die Walze in den Teig. Den Ofen hat der Methleraner Bäcker eigens auf 220 Volt umgebaut, damit er in Oberaden im Bergbaustollen seinen Dienst tun kann. „Die alte Maschine ist immer noch die beste“, sind sich die beiden Bäckergenerationen einig. „Da steckt nicht viel Technik drin – sie läuft und läuft und lässt sich leicht reparieren.“ Die nagelneue Maschine aus der Bäckerei schlägt sie qualitativ um Längen: „Die Plätzchen sind einfach knackiger“, weiß die Bäckersfrau.

Stockbrot gab es bei der DLRG.

Draußen brutzelt das Stockbrot im Feuer der DLRG, die Besucher schauen sich die Bilderausstellung von SuS an, hören den Liedern auf der Bühne zu, probieren ein Fischbrötchen und Gyrossuppe und nehmen ein Glas eingemachte Marmelade von der Kindertagesstätte mit. Im Museum wird das Gedränge vor den Ständen dichter. Da bilden sich ganze Trauben vor ganzen Wäldern aus Miniatur-Weihnachtsbäumen, die in Reih und Glied neben einer Heerschar von Nikoläusen und Mikro-Engeln Spalier stehen.

Mini-Teddybären handgemacht – auch das hat Oberadener Weihnachtsmarkttradition.

 

Die Bären von Susanne Zarske sind inzwischen auf eine keine Gruppe geschrumpft. „Das sind die letzten“, schildert die Dortmunderin, die sich seit Jahrzehnten auf flauschige Teddys in allen Größen spezialisiert hat. Jetzt sind nur noch die kleinen übrige. „Ich warte darauf, dass ich wieder Lust bekomme“, schildert sie. Eigentlich schien die Zeit für Teddys schon vorbei zu sein. Die Kauflust der Leute schien merklich geschrumpft. Jetzt in Oberaden halten aber viele ihre handgemachten kleinen Kunstwerke in der Hand, bestaunen jedes Detail und freuen sich über die „freundlichen Gesichter“. Vielleicht kommt ja in Oberaden die Lust auf mehr zurück und die gefilztenund gestrickten Weihnachts-Konkurrenten treten wieder in den Hintergrund.




Neuer Weihnachtsmarkt in Rünthe inspiriert mit viel Flair und Ideen

Der Funke springt nicht nur an den Feuern über. Auch an den Ständen auf dem Hof Keinemann sprudelt es nur so vor ansteckenden Ideen. Da werden Bucheckern ebenso zur unendlichen Inspirationsquelle wie kleine Schokopralinen und mittelalterliche Buchseiten. Das Beste ist: Alles sind Bergkamener Ideen. Denn in der Neuauflage des Rünther Weihnachtsmarktes gibt es fast keinen Stand, der nicht Handgemachtes aus den eigenen Stadtteilgrenzen zu bieten hat.

Von Kopf bis Fuß ist dieser Stand samt Eigentümer ins Mittelalter abgetaucht.

Da sieht man vor lauter Weihnachtsartikeln die Budenbewohner fast nicht mehr.

Genauso sollte es auch sein. Nachdem der Weihnachtsmarkt am neuen Ort mit neuen Organisatoren auch ein neues Kapitel aufgeschlagen hat, präsentiert er sich größer, weitläufiger, mit viel Nostalgie und vor allem viel Herzblut. „Bis jetzt haben wir nur begeisterte Reaktionen bekommen“, schildert die 2. Vorsitzende des Oldtimervereins Gut Keinemann, Marika Frey. Der Verein seit Anfang des Jahres ein e. V. und hat die Regie des Weihnachtsmarktes vom SuS Rünthe übernommen. Drei Tage dauert der Weihnachtszauber jetzt, Hof- und Oldtimerflair inklusive. 35 Verkaufsstände präsentieren sich und können in den Remisen außerdem ein trockenes Dach vor den tiefschwarzen Regenwolken bieten.

Oldtimerflair und Weihnachtszauber Seite an Seite auf Gut Keinemann.

Viele Aussteller vom alten Weihnachtsmarkt sind aus dem Stadtteilzentrum mit auf den Hof Keinemann umgezogen. Es sind aber auch viele neue dazugekommen. Jörg Wademeyer beispielsweise wohnt zwar in Rünthe, ist aber mit seinem selbstgebauten Stand samt ausnahmslos selbst gemachtem Inhalt zum ersten Mal dabei. Normalerweise ist er in ganz Deutschland vor allem auf Mittelaltermärkten unterwegs, um seine Malereien, die bemalten Hörner und die Miniaturen aus Leder und Knochen zu präsentieren. Alles, was er herstellt, ist vom Mittelalter inspiriert. „Angefangen hat es schon als Kind mit der Begeisterung für das Malen“, erzählt er. Spielkarten waren die ersten Vorlagen, die ihn inspirierten. Später waren es dann die mittelalterlichen Bücherillustrationen, in denen er den Geschichten nachspürte und sie in eigene Werke verwandelte. „Für mich ist es das Schönste, wenn die Leute an meinem Stand stehen und einfach staunen“, erzählt er, der schon seit 32 Jahren sein Hobby exzessiv pflegt – den Originalen nachempfundene Kleidung inklusive.

Winzige Füchse aus Bucheckern – allesamt handgemacht.

Staunen konnten die Besucher auch ein paar Remisen weiter am Stand von Sigrid Kryszun. Sie sammelte eines Tages Bucheckern und erkannte in deren Fruchthüllen mehr als nur die natürliche „Verpackung“. Sie waren die perfekten Hüte für winzige Zwerge. Es war nur ein kleiner Schritt, in den spitzen Enden die Gesichter von Füchsen zu entdecken, die sich mit viel Farbe, kleinen Baumstämmen und reichlich Zubehör zu regelrechten Fuchsfamilien in einer Vielzahl von Schneelandschaften mauserten. Hunderte davon hat sie an ihrem Stand aufgebaut und viele bleiben schon deshalb stehen, weil die riesige Zahl fast erschlagend wirkt.

Der Messerschleifer gibt den Klingen neuen Schliff.

Nebenan hat sich ebenfalls eine kleine Schlange gebildet. Messerschleifer gibt es nicht mehr viele, Stephan Blank ist aber einer. Ein „Gratwandler“, wie er sich selbst nennt. Den perfekten Schliff hat er bei verschiedenen Schulungen für sein Hobby gelernt. Das kann er mit dem Rollstuhl an der Schleifmaschine ideal ausleben. Auch mit edlen Messern, die ein ausgefeiltes Schliffmuster zeigen. Viele fragen hier nach Tipps und Rettungsmöglichkeiten für ihre in die Jahre gekommenen Schätze.

Auch die 2. Vorsitzende des Oldtimervereins hat einen eigenen Stand bestückt.

Die Hütten hat die Stadt Bergkamen zur Verfügung gestellt. Die Bäume kommen von der Baumschule Biermann. Der AWO-Kindergarte hat sie geschmückt und besungen. Mit gebastelten Laternen sind die Kinder aufmarschiert und wurden vom Nikolaus beschenkt. Basteln und Stockbrot am Lagerfeuer, das Café vom SuS, die Weihnachtsmarktparty mit DJ am Abend: Der neue Rünther Weihnachtsmarkt hat es in sich – vor allem viel Flair und ganz neue Ideen.

 

 




In Heil ist der Weihnachtszauber handgemacht

Die Wichtel sind aus Filz und Pelz eigenhändig zusammengenäht. Die Decken, Federmäppchen und Taschen ebenso. Jedes Element der Weihnachtsgestecke kommt aus dem eigenen Garten. Sogar der Hanf im Tee ist ein ganz und gar handgemachtes Produkt aus Heil. Wenn die Einwohner alle zwei Jahre die Buden für ihren Weihnachtsmarkt aufstellen, werden sie ausschließlich mit Selbstgemachtem gefüllt – aus dem eigenen Dorf.

Nicht nur der Rotweinkuchen im Glas ist der Renner in Heil und ganz und gar handgemacht.

Gemeinsam mit anderen Mitstreitern aus Heil hat auch Brigitta Kortenbruck fleißig gebastelt, um ihre Weihnachtsmarktbude zu füllen.

Wie die Nikoläuse am Stand von Brigitta Kortenbruck. Ihre zum Teil mannshohen Nikoläuse sind aus Streben geflochten, die sie aus Zeitungspapier hergestellt hat. „Ab und zu bastel ich auch für mich“, zeigt sie auf die vielen kleinen Weihnachtswichtel aus Filz mit Fellbärten. „Meistens basteln wir aber als Landfrauen alle zusammen.“ Gemalt, genäht, gehäkelt, gestrickt, eingemacht, gebacken und gekocht haben sie meistens alle zusammen in Heil. Nicht nur das. Es ging auch von Tür zu Tür, um die traditionelle Weihnachtsmarkttombola reich mit Spenden zu füllen.

Premiere: Heißer Hanftee mit Honig – in Heil gewachsen und hergestellt.

An einem Stand gibt es eine echte Premiere. Seit einem Jahr wird auf dem Naturlandbetrieb von Birgit Willeke in Heil Hanf angebaut. Die Pflanzen werden komplett geerntet und dann von Hand zerlegt. Blätter und Blüten werden aussortiert und zerkleinert. Dann folgt die Decarboxyhylierung: Durch Erhitzung samt chemischer Reaktion wird Kohlenstoffdioxyd abgespalten. Fertig ist der Hanftee mit seinen ganz besonderen Eigenschaften. „Er ist gesund“, weiß Birgit Willeke. „Er stärkt das Immunsystem.“ Dem Tee werden aber noch mehr heilsame Wirkungen nachgesagt. Er ist das erste Produkt, das aus dem ersten Hanfanbau in Hei hervorgegangen ist. „Später wollen wir noch weitere Vitalgräser anbieten“, schildert Birgit Willeke. Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es den Hanftee mit Honig. Direkt daneben steht der begehrte Heiler Schmalz.

Begeisterung auch am Stand der Bodeschwinghschule mit den Produkten der Schüler.

Das Schmalzbrot gehört ebenso zum Weihnachtsmarktbesuch wie ein Glas eingemachter Rotweinkuchen, eine Handvoll Tombolalose, ein frisch geschlagener Weihnachtsbaum und ein Besuch im alten Spritzenhaus. Dort hat es sich in diesem Jahr eine Kuch mit ihrem Kalb neben der historischen Spritze unter dem Fachwerk mit dem Storchennest auf dem Dach gemütlich gemacht. Mit einem Glühwein in der einen Hand und einer Waffel in der anderen Hand waren die Auftritte der Initiative Downsyndrom mit Tanz und Gesang und die Darbietungen des Vereins der schönen Künste und der Schreberjugend eine runde Sache – zumal der Dauerregen hier ein Einsehen zeigte.

Der Nikolaus war auch zu Besuch in Heil und hatte Geschenke dabei.

„Die Erlöse des Weihnachtsmarktes sind diesmal für das Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum und seinen Barfußpfad bestimmt“, erläutert Rosemarie Degenhardt. Die Ortsvorsteherin hat zum 4. Mal den Weihnachtsmarkt mit den Heilern gestemmt, den Ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung organisiert und auch den Auftritt von „Simply Accoustic Groove“ am Abend geplant. „Schade, dass diesmal das Wetter nicht so mitspielt“, resümiert sie. „Die Stimmung ist trotzdem toll!“ Erst recht, als der Nikolaus mit einem gut gefüllten Sack die Runde macht und Kinder beschenkt. Und neben der Scheune immer wieder überraschte Rufe laut werden, wenn ein Los wieder einen Treffer gelandet hat.




Herzbotschaft und „Danke Kumpel“ für die Vorweihnachtszeit

Für die Kinder sind es erster Linie die glitzernden Farben, die Federn und Holzstäbchen, die sie faszinieren. Dass die Lampen und Hüte, die aus Pappe, Farben und Holz entstehen, Symbole für eine ganze Ära ihrer Heimat sind, ahnen sie vielleicht. Für Christian Weischede und den Verein „Wir in Weddinghofen“ steckt besonders viel Herzblut in der Aktion „Danke Kumpel“, die zum Abschied des Steinkohlenbergbaus auch einen besonderen Höhepunkt auf dem Weihnachtsmarkt bildet.

Gemeinsam am Lagerfeuer: Der Weihnachtsmakrt in Weddinghofen vereint.

Fleißig kleben und basteln für das gemeinsame „Danke Kumpel“ mit Grubenlampe und Knappen-Kappe.

„Der Bergbau hat gerade hier in Weddinghofen jede Familie geprägt“, schildert Christian Weischede. „Jetzt mit dem Rückzug des Bergbaus aus der Region wird kein Kapitel beendet, sondern ein neues wird aufgeschlagen“, ist er überzeugt. Eben weil die meisten Familien vom Bergbau gelebt haben und eng bis heute mit ihm verbunden sind, soll ein großes „Danke Kumpel!“ diese Verbundenheit zeigen. Auch wenn sich die Zeiten längst geändert haben – und noch mehr ändern werden. „Deshalb werden wir heute versuchen, mit den Grubenlampen und den Knappenkappen, die von den Kindern gebastelt werden, alle zusammen das Steigerlied anzustimmen“, sagt Christian Weischede.

Eine kunterbunte Knappen-Kappe aus Pappe entsteht.

Denn der Weihnachtsmarkt in Weddinghofen will nicht einfach nur auf die Weihnachtszeit einstimmen, alle noch einmal in der hektischen Zeit zusammenbringen und besinnliche Stimmung aufkommen lassen. „Wir wollen auch jedes Jahr eine Herzbotschaft vermitteln“, betont Weischede. In diesem Jahr soll es das Dankeschön für den Bergbau sein. Dafür verrichten die Klebetuben, Scheren und Stifte wahre Akkordarbeit.

Auftritte der Kleinsten Weddinghofener auf der Weihnachtsmarktbühne.

Stolz ist der Verein „Wir in Weddinghofen“ aber noch auf mehr. „Es ist toll, dass auch in diesem Jahr wieder alle Vereine dabei sind und an einem Strang ziehen, darauf sind wir sehr stolz“, so Weischede. Der Zusammenhalt steckt an, verbreitet gute Stimmung und zieht die Besucher magnetisch an. Dicht drängen sich die Mengen vor der kleinen Bühne, wo die Kindergärten und Schulen ihre Auftritte haben. Der Nikolaus schaut vorbei, vor jeder Bude herrscht dichtes Gedränge. Ob beim Blauen Kreuz, am Stand des Tierschutzvereins, bei der Feuerwehr, beim TuS oder VfK: Überall gibt es etwas zu entdecken, neben den bekannten Gesichtern aus der Nachbarschaft.

Der eigenen Honig schmeckt nicht nur lecker, sondern wirkt auch rundherum beruhigend.

Zum Beispiel neu entdeckte Ruhe. Die hat sich Dominic Kersten selbst erobert mit Hilfe seiner Bienen. Vier Stöcke hat er im Winter, zehn sind es im Sommer. Wie genau man die Bienenvölker hegt und pflegt, ihnen die beste Behausung und vor allem saftige Blüten bietet, hat er in einem Imker-Kurs gelernt. Im zweiten Jahr erntet Dominic Kersten jetzt den eigenen Honig. 140 Kilo waren es zuletzt, obwohl der trockene Sommer auch den Bienen zugesetzt hat. Milben, Bienensterben: Die vielen Horrormeldungen belasten ihn nicht. „Dagegen kann man etwas tun“, meint er. Ihm ist es wichtig, selbst mit seinen Bienen einen Beitrag zu leisten, dass die fleißigen schwarz-gelben Helfer eine Zukunft haben. So denken viele: Die Mitgliederzahl im örtlichen Imkerverein wächst. „Außerdem lernt man durch die Bienen vor allem, ruhig zu bleiben und alle Nervosität abzulegen – das mögen sie nämlich gar nicht“, schildert er. Für ihn sind die seine Bienen vor allem Beruhigung nach dem stressigen Bürojob – und ganz nebenbei gibt es noch leckeren Honig oder schöne Wachskerzen.

Mini-Krippen zum Aufklappen.

Selbstgebastelte Mini-Krippen in der Aufklappkiste mit Engeln, Selbstgehäkeltes, Gestricktes, Gesägtes, Bemaltes, Eingemachtes, Eingewecktes, Aufgesetztes: In Weddinghofen fehlte es einmal mehr an nichts, was für ein sattes Vorweihnachtsgefühl sorgt. Vor allem nicht an einer sehr ehrlichen Portion Herzblut.